Fresenius setzt Einkaufstour fort: Doppelschlag nach Quironsalud-Übernahme

Der Übernahme-Appetit des Klinik-Betreibers Fresenius ist auch nach der größten Übernahme der Firmengeschichte nicht gestillt. Diesmal schlägt der DAX-Konzern gleich 2x zu:

Fresenius will mit der Übernahme von Akorn das Generika-Geschäft in den USA stärken und mit der Übernahme von Mercks Biosimilar-Geschäft das Wachstum in einem attraktiven Zukunftsmarkt erschließen.

Deal wurde am Markt erwartet: Übernahme voll eingepreist

Erst vor wenigen Wochen wurde die Übernahme der spanischen Krankenhaus-Kette Quironsalud im Volumen von 5,8 Mrd. € bekanntgegeben.

Die beiden heute angekündigten Deals kosten die Bad Homburger nun bis zu 5,1 Mrd. €. Der große Deal ist dabei die Akorn-Übernahme.

Akorn ist ein US-Generika-Hersteller, der Fresenius inklusive Schulden 4,75 Mrd. Dollar kosten wird. Der Übernahme-Kandidat hatte bereits vor 18 Tagen Gespräche mit Fresenius bestätigt.

Dementsprechend stark war ein Deal bereits eingepreist. Die Aktie kann heute nicht weiter zulegen, hatte allerdings bereits im Vorfeld einen 20% Sprung hingelegt.

Zwischenzeitlich kostete sie mit über 35 Dollar sogar mehr als Fresenius jetzt bietet (34 Dollar).

Analysten: Akorn-Übernahme strategisch sinnvoll und nicht überteuert

Mit der Akorn- und der Quironsalud-Übernahme hat Fresenius in wenigen Wochen 10 Mrd. € ausgegeben.

Aktionäre wurden allerdings frühzeitig auf eine Übernahme-Tour des seit Juni 2016 amtierenden Chefs Stephan Sturm vorbereitet.

Dieser hatte gezielte Deals zur Stärkung des Wachstumskurses in Aussicht gestellt:

Im Jahr 2020 soll der Unternehmens-Gewinn dadurch auf bis 2,7 Mrd. € anschwellen. 2016 wurde ein Überschuss von 1,6 Mrd. € erreicht.

Analysten begrüßen den Übernahme-Kurs; heute sprechen verschiedene Fresenius-Analysten Kaufempfehlungen aus.

Kritische Stimmen zur Akorn-Übernahme sind nicht auszumachen – auch nicht bzgl. des Übernahme-Preises, der mit Blick auf die Multiplikatoren im Branchen-Vergleich üblich ist.

An anderer Stelle zeigen sich die Analysten jedoch vorsichtiger: Die Übernahme des Biosimilar-Geschäfts von Merck gefällt nicht jedem.

Einstieg in das Biosimilar-Geschäft reißt dagegen Analysten nicht vom Hocker

Fresenius zahlt an Merck für den Geschäftsbereich Biosimilars 170 Mio. € sofort und erfolgsabhängig bis zu 500 Mio. € zusätzlich.

In der Pipeline befinden sich vielversprechende Wirkstoffträger mit Schwerpunkt auf Krebs- und Autoimmun-Erkrankungen.

Die Commerzbank erachtet den Preis als günstig, sieht jedoch einen Nachteil für Fresenius im Biosimilar-Bereich, da sich die Bad Homburger dort lange zurückhalten hatten.

Die DZ Bank hält den Zukauf zwar fundamental betrachtet für sinnvoll, sieht aber darin die Gefahr, dass einige Ergebnis-Beiträge der Akorn-Übernahme geringer ausfallen könnten.

Fresenius-Aktie für geduldige Anleger attraktiv

Die Fresenius-Aktie konnte am Vormittag zunächst zulegen, stand am Nachmittag dann jedoch stärker unter Druck. Dies ist allerdings nicht als Votum gegen den Übernahme-Kurs zu verstehen.

Die beiden Deals werden fremdfinanziert. Geld fließt ab, die Verschuldung steigt und Übernahmen sind nie risikolos. Bis sich die Übernahmen bezahlt machen, dauert es noch ein wenig.

Es ist daher gut möglich, dass kurzfristig orientierte Anleger heute aussteigen.

Für Investoren, die allerdings die mittel- und langfristige Unternehmens-Entwicklung im Blick haben, gibt es heute keinen Grund für einen Verkauf.

Nach 13 Jahren mit Gewinn-Steigerungen stehen die Chancen gut, dass in den kommenden 3 Jahren die Erfolgsstory weitergeht und der Medizin-Konzern sein Gewinn-Versprechen 2020 einhält.

Nach 100% Kurszuwachs in den vergangenen 3 Jahren hat das Papier also noch viel Luft nach oben.

25. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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