Dow Jones: Mit Geduld und Spucke

Falls Sie sich zur jüngeren Generation rechnen, dann werden Sie die Redensart „Mit Geduld und Spucke“ möglicherweise gar nicht kennen.

Wer schon jemals versucht hat, einen Knopf anzunähen, der kennt das Problem:

Den Faden durch das Nadelöhr zu bekommen gelingt deutlich leichter, wenn der Faden mit etwas Spucke verdreht wird.

Das ist – im übertragenen Sinne – das, was wir seit Mitte Dezember im Dow Jones mit ansehen mussten: Der US-Leitindex wollte partout nicht durch das „Nadelöhr“ 20.000-Punkte-Marke.

Seit gestern aber ist es nun geschafft:

Der 25. Januar 2017 geht als der Tag in die Börsen-Geschichte ein, in dem der Dow Jones erstmals die 20.000er-Marke überwinden und zugleich darüber schließen konnte.

Endlich geschafft – und dennoch pessimistisch

Und nun schauen Sie mal, wie der Nachrichten-Sender n-tv dieses historische Ereignis heute vormittag kommentiert: „Stimmung kann schnell wieder kippen.“

Ich sage Ihnen: „Gut so!“ Wenn die Medien weiter skeptisch bleiben, dann beeinflussen sie so auch die Marktteilnehmer!

Denn: Wenn sich die Privat-Anleger weiterhin zurückhalten, weil ihnen von sogenannten „Experten“ ja Angst vor einem Kursrückgang suggeriert wird, können die Kurse auch weiterhin klettern.

Der Skeptiker findet stets neue Gründe für seine Überzeugungen

Ich kann Ihnen das ja ruhig sagen, weil Sie als Leser von Chartanalyse-Trends nicht zu dieser Kategorie Anleger gehören:

„Privat-Anleger werden auf Dauer niemals erfolgreich am Aktienmarkt agieren, wenn sie ihre Investments an der öffentlichen Meinung, Einschätzung und Prognose ausrichten.“

Erinnern Sie sich noch?

Noch Ende Oktober waren rund 90% der „Experten“ felsenfest davon überzeugt, dass mit der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten die Aktienmärkte einen Crash hinlegen würden.

Heute – gut +12% höher – könnten wir glatt von einem Mini-Crash im Dow Jones mit umgekehrten Vorzeichen sprechen.

Noch vor 14 Tagen machten sich die gleichen „Fachleute“ Sorgen, weil dem Dow Jones der Sprung über die 20.000 einfach nicht gelingen wollte.

Und nun muss Donald Trump nach dem erstmaligen Anstieg über 20.000 Punkte erneut als Sündenbock dafür herhalten, dass die „Stimmung schon bald wieder kippen könnte“.

Börsen-Psychologie ist so durchschaubar – wenn man es einmal verstanden hat

Ich finde das immer wieder faszinierend: Die Börsen-Psychologie ist so einfach zu durchschauen, wenn Sie erst einmal verstanden haben, wie sie funktioniert.

Vielleicht erinnern Sie sich noch; am 10. Januar lautete der Titel meines Beitrages: „Beim Dow Jones brauchen Sie jetzt Geduld statt Angst“.

Meine Analyse von jenem Tag kann ich hier wiederholen, weil sie heute erneut zu 100% passt:

„Ehrlich gesagt, bin ich froh darüber, dass es diesen Pessimismus gibt. Denn wenn alle Marktteilnehmer optimistisch wären, dann stünde die Rallye wohl tatsächlich vor ihrem Ende.

Denn Sie wissen ja: Wenn die Mehrheit der Anleger eine bestimmte Entwicklung erwartet, dann macht die Börse exakt das Gegenteil davon.

Der Grund: Diese Mehrheit hat sich wegen ihrer Einschätzung entsprechend am Markt positioniert.

Und dann ist kaum noch jemand da, der die Kurse auch tatsächlich in die erwartete Richtung schieben kann.“

Fazit und Empfehlung

Donald Trump ist gewiss kein Mensch, den man wegen seiner oftmals unbedachten und deshalb große Emotionen auslösenden Aussprüche mögen muss.

Dennoch sollten wir neidlos anerkennen: Der neue US-Präsident gibt gleich in seiner 1. Amtswoche „Vollgas“.

Und damit hat Donald Trump die „Spucke“ geliefert, mit welcher der „Faden Dow Jones“ nach 6 Wochen endlich durch das Nadelöhr 20.000 Punkte passte.

Die Großinvestoren haben das erkannt. Deshalb haben sie gestern weiter eingekauft. Sie vertrauen darauf, dass die „Trumponomics“ etwas in der US-Wirtschaft bewegen werden.

Da ein Bild bekanntlich mehr als Worte sagt, zeige ich Ihnen zum Abschluss noch einmal den Chartvergleich „Dow 10.000 in 1999 / 20.000 in 2017“ aus meinem Beitrag vom 10. Januar – unkommentiert!

dow jones 1999 vs 2017_26-01-2017

Dow Jones 1999 & 2017: Bedeutende Marken mit Geduld und Spucke überwunden

26. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt