Dow Jones: Pulver schon verschossen? Täuschen Sie sich da mal nicht!

Vom Tief am 4. November bei 17.888 kletterte der Dow Jones bis auf 19.911 Zähler. Das sind 2.023 Punkte oder +11,3% innerhalb von 39 Tagen!

Für die meisten Investoren kommt dies völlig unerwartet:

Schließlich hatte die Mehrheit der Analysten und Fondsmanager doch auf einen Kurseinbruch gesetzt, falls Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten gewählt würde.

Als Leser von Chartanalyse-Trends sollte Sie dies indes nicht überrascht haben. Sie konnten sich im Gegenteil sogar frühzeitig darauf einstellen. Denn:

Am 20. Oktober schrieb ich Ihnen in meinem Beitrag „Gute Nachrichten für Sie: Fonds-Manager haben Angst!“ folgende Zeilen:

„ Wenn viele Marktteilnehmer sich derart ängstigen, wie derzeit die Fondsmanager, dann haben sich diese auf ein Schreckens-Szenario vorbereitet.

Doch ich frage Sie: Wenn sich alle Welt auf die eingangs genannten Schreckens-Szenarien vorbereitet – wer bleibt dann noch übrig, um den Crash auch tatsächlich umzusetzen?

Lassen Sie sich also bitte nicht von den Sorgen der Fondsmanager anstecken: Wenn niemand mehr verkauft, werden die Großinvestoren kaufen MÜSSEN.

Denn die Cash-Reserven liegen aktuell bei 5,8% des von den Fonds verwalteten Vermögens.

Das ist der höchste Wert seit den Terror-Anschlägen vom September 2001 und übrigens auch nach dem Brexit-Votum Ende Juni dieses Jahres!

Wir stehen mithin NICHT vor einem Crash, sondern vielmehr kurz vor einer denkwürdigen, weil für viele überraschenden, Aufwärts-Bewegung an den Aktienmärkten!“

Und nun schauen Sie bitte auf den Dow Jones und genießen Sie:

dow-jones-1_15-12-2016

Dow Jones: 2.023 Punkte oder +11,3% in 39 Tagen!

Das sieht schon ziemlich klasse aus, finden Sie nicht?

Aber ich spüre förmlich, wie sich bei Ihnen Widerstand regt: Nach einer derart furiosen Rallye muss doch jetzt mal eine Gegenbewegung kommen!

Ich wäre da vorsichtig! Und ich sage Ihnen auch warum. Rekapitulieren wir noch einmal:

Die Ausgangslage für die Großinvestoren

Wie Sie im Chart oben sehen, kam der Dow Jones seit Dezember 2014 nicht mehr wirklich voran (blau unterlegt).

Selbst der Ausbruchsversuch im Juli dieses Jahres (roter Ring) lief nicht sehr weit und endete kläglich Anfang September.

Zum Zeitpunkt der US-Präsidentschaftswahl war die Wall Street überverkauft. Das belegt nicht nur der eingangs zitierte Chartanalyse-Trends-Beitrag über die US-Fondsmanager:

Sie erinnern sich sicherlich, dass der S&P 500 kurz vor der Wahl an 9 Tagen in Folge an Wert verloren hatte – eine ähnliche Verlustserie gab es zuletzt im Jahr 1980.

Wenn in einer solchen Situation dann jedoch nicht das eintritt, was alle erwartet hatten (Kursabsturz nach der Wahl von Donald Trump), dann haben Sie als Fondsmanager nur 1 Möglichkeit.

Denn: Auf das „Doch-noch-Eintreten“ Ihrer Fehleinschätzung zu warten, weiterhin nicht zu kaufen und in der Performance hoffnungslos gegenüber der Konkurrenz zurückzufallen ist nämlich keine Option – zumal Sie auf einem Berg von Liquidität sitzen.

Also: Kaufen, kaufen, kaufen Sie! Genau das geschieht gerade. Die Privat-Anleger sind hingegen noch gar nicht großartig engagiert:

Die Ausgangslage für die Privatanleger

Privatanleger reagieren in der Mehrheit nämlich ohnehin regelmäßig zu spät auf bedeutende Marktveränderungen! (Das ist zwar traurig, aber leider wahr!)

Der Grund dafür ist: Privat-Anleger bilden sich gerne eine Meinung oder sogar eine Überzeugung darüber, wie sich der Aktienmarkt entwickeln wird.

Dabei vertrauen sie stark auf die Einschätzungen von Experten wie den Fondsmanagern: Wer mit der Börse seinen Lebensunterhalt verdient, muss doch schließlich wissen, wie die Märkte laufen?!

Nun: Die Bank of America-Umfrage sollte Sie von dieser Fehleinschätzung kuriert haben!

Aber gerade weil die Privat-Anleger sich gerne eine Meinung oder Überzeugung zulegen, können sie mental nur selten den „Schalter umlegen“, wenn sich die Dinge plötzlich komplett andersherum entwickeln, als sie es angenommen hatten.

Während die Privat-Anleger derzeit also noch staunend zusehen, wie die Aktienkurse klettern und klettern, warten sie auf eine Gelegenheit, in einen größeren Rücksetzer hinein auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Doch der Aktienmarkt tut ihnen den Gefallen nicht.

Wenn sie dann irgendwann auf noch höherem Niveau letztlich aufgeben und einsteigen, steht die wilde Fahrt kurz vor einer größeren Pause.

4 Beispiele, wie weit Initial-Rallyes tragen können

Was ich Ihnen soeben beschrieben habe, dokumentieren die nachfolgenden Charts:

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Dow Jones 2012 / 2013: +22,8% bevor es eine ernsthafte Gegenbewegung gab

Im November 2012 startete der Dow Jones, ebenfalls aus einer 11-monatigen Seitwärts-Bewegung heraus, eine Rallye von +22,8%, bevor es eine erste ernsthafte Gegenbewegung gab.

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Dow Jones 1994 / 1996: +26,2% und +20,0% bevor es eine ernsthafte Gegenbewegung gab

Im November 1994 startete der Dow Jones, aus einer 13-monatigen Seitwärts-Bewegung heraus, eine Rallye von +26,2%, bevor es eine erste ernsthafte Gegenbewegung gab.

Im Juli 1996 startete der Dow Jones, aus einer 6-monatigen Seitwärts-Bewegung heraus, eine Rallye von +20,0%, bevor es eine erste ernsthafte Gegenbewegung gab.

Letztes Beispiel:

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Dow Jones 1987: +26,8% bevor es eine ernsthafte Gegenbewegung gab

Im Januar 1987 startete der Dow Jones, aus einer 9-monatigen Seitwärts-Bewegung heraus, eine Rallye von +26,8%, bevor es eine erste ernsthafte Gegenbewegung gab.

Fazit & Empfehlung

Die gezeigten Beispiele aus der Vergangenheit dokumentieren, dass Initial-Rallyes sehr viel weiter tragen können, als es viele für möglich halten.

Das gilt ganz besonders dann, wenn diese Aufwärts-Bewegungen aus langandauernden Seitwärts-Bewegungen heraus starten.

In den meisten Fällen sind die Voraussetzungen ähnlich:

  • Niemand glaubt nach einer langanhaltenden Seitwärts-Bewegung mehr an einen Aufschwung. (Überzeugung!)
  • Der Rallye geht meist eine längere Abwärts-Bewegung voraus: Die Märkte sind überverkauft. (Investoren handeln nach ihrer Überzeugung!)
  • Die Liquidität ist dann ebenfalls meist hoch und sorgt für enorme Nachfrage, die auf nur noch geringes Angebot trifft. (Die meisten Investoren haben ja bereits verkauft!)
  • Wegen ihrer gegenteiligen Markteinschätzung und des Überraschungs-Effektes kräftig steigender Kurse reagieren die Privat-Anleger meist viel zu spät. (Kurse klettern, alle wundern sich!)

Die Wall Street-Rallye kann also noch ein gutes Stück weiter tragen, bevor es eine erste, ernsthafte Gegenbewegung gibt.

15. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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