Draghi öffnet die Geldschleuse: Übernahmen jetzt noch billiger

Gestern war wieder „Draghi-Tag“.

Es wurde erwartet, dass der Chef der Europäischen Zentralbank EZB die Geldschleuse weiter öffnet und der Schleusen-Wärter machte die Tore weit auf.

Überrascht von der riesigen Menge ging es zunächst am Aktienmarkt nach oben, dann wieder runter.

Über Nacht wurde noch einmal überlegt, was das denn jetzt bedeutet und heute entschieden sich die Anleger zuzugreifen.

Ob die Maßnahmen die europäische Wirtschaft stimulieren können und die Inflationsrate endlich ansteigt, bleibt aber höchst fraglich.

Einig sind sich die Analysten dagegen, dass Sparer weiterhin die Dummen sind und falsche Anreize für die Kredit-Vergabe gesetzt wurden.

Wirtschaft einmal anders: Je höher die Zeche, desto kleiner der Zins

Ein Blick auf die DAX-Tafel lässt vermuten, dass heute die Unternehmen am stärksten zulegen, die am höchsten verschuldet sind. Die Aktie des Industrie-Konzerns ThyssenKrupp verteuert sich um 8%.

Eigentlich wenig verwunderlich, dass billigeres Geld bei einer Eigenkapitalquote von unter 10% den Kurs treibt.

Gewinner sind heute auch die Banken, deren Refinanzierungs-Kosten mit steigender Kredit-Vergabe sinken. Ja: Je mehr verliehen wird, desto besser für die Banken!

Wenn Sie bislang eine Investition zurückgestellt haben oder Ihnen vor 2 Jahren ein Kredit verweigert wurde, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um bei Ihrer Hausbank vorzusprechen.

Finanz-Investoren jubeln über Niedrig-Zins

Für das Übernahme-Geschäft ist der aktuelle Niedrigzins sowie der Anreiz der Banken, Kredite zu vergeben, ein Geschenk.

Finanz-Investoren werden eingeladen, mit minimalem Eigenkapital-Einsatz auf die Jagd nach Übernahme-Kandidaten zu gehen. Je niedriger der Zins, desto mehr Übernahmen lohnen sich.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in diesem Jahr in Europa etliche Milliarden-Deals sehen, bei denen Finanz-Investoren sich zusammenschließen und mit hohen Krediten Übernahmen durchführen.

Wohin mit den Kohlen? Übernahmen als Antwort auf Geldsorgen

Deals lohnen sich aber auch für die Unternehmen. Gerade Unternehmen mit hohem Cash-Bestand könnten ihre Reserven für mehr Deals einsetzen.

Das wäre dann auch im Interesse der Anleger, die wollen, dass das Geld im Konzern „arbeitet“. Wenn es nicht gebraucht wird, dann könnte es ansonsten auch ausgeschüttet werden.

Mit einer Übernahme lässt sich ein Konkurrent ausschalten, neues Wachstums-Potenzial erwerben und die Kostenstruktur verbessern. Und je eher man zuschlägt, desto größer ist die Auswahl an Kandidaten.

Wer zu spät reagiert, muss sich häufig mit B-Lösungen zufrieden geben, weil die attraktivsten Ziele schon weg sind.

Kein Deal ist auch keine Lösung

So gut der Niedrig-Zins auch für das Übernahme-Geschäft ist: Niedrige Zinsen verleiten auch dazu, falsche Deals zu tätigen.

Wenn die Refinanzierung ansteht und der Zins nicht mehr nahe 0 ist, kommt dann die Quittung für die „damals einmalige Chance“.

Auch verschiedene deutsche Konzerne, die übereifrig am Übernahme-Rad gedreht hatten, mussten hinterher feststellen, dass der Deal doch nicht so gut war wie angenommen.

Firmen-Bosse müssen aufpassen, was sie kaufen und wann sie es kaufen. Die Vorsicht darf aber auch nicht dazu führen, dass man annimmt, lieber gar nichts zu machen.

Wer Chancen liegen lässt oder nicht reagiert, um seinen Marktanteil zu verteidigen, der ist im globalen Wettbewerb plötzlich nicht mehr auf der Seite der Jäger, sondern auf der Seite der Gejagten.

11. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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