Drastische Umsatzverluste – IBM gerät unter Druck

Die Umsätze im wichtigen Geschäft mit den Schwellenländern sinken um mehr als 20%. Und IBM-Chefin Ginni Rometty scheint ratlos. (Foto: Julius Kielaitis / shutterstock.com)

Das schwache Geschäft in den Schwellenländern verhagelt IBM die Bilanz und bringt das Management des IT-Riesen in Zugzwang. Um satte 20% sinkt zuletzt der Umsatz in Ländern wie Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Länder) und lässt den Wachstumsmotor von Big Blue stottern.

„Big“ war der weltweite bekannte IBM-Konzern einmal, doch das ist längst Geschichte. Auch wenn die Großrechnergehäuse weiterhin im firmenspezifischen Blau („Blue“) ausgeliefert werden.

Die Nachfrage nach Hardware bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück, klassische Daten-technik wie die Datenspeicherung wird von den Kunden weitestgehend ausgelagert. Und beim Konzentrationsprozess in den riesigen Datencentern werden einfach weniger Großrechner benötigt als in der einzelnen, firmeneigenen IT-Landschaft.

Dachte IBM lange Zeit, die absehbaren Umsatzrückgänge durch die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern, insbesondere in den BRIC-Staaten, kompensieren zu können oder in Summe damit sogar organisch weiter zu wachsen, sieht man seine Erwartungen derzeit bitter enttäuscht.

Die Investitionsbereitschaft der Newcomer sinkt, die Wirtschaftskrise in den USA und Europa strahlt auch auf ihre Investitionsbereitschaft ab.

IBM-Chefin Ginni Rometty ist ratlos

IBM-Chefin Ginni Rometty glänzt durch Abwesenheit bei der Vorstellung der desaströsen Zahlen und zeigt damit ihre Ratlosigkeit  in der Beantwortung der Frage, was man tun muss, wenn das traditionelle Geschäft mit der Hardware, den Großrechnern, so dramatisch wegbricht und man es versäumt hat, sich rechtzeitig darauf einzustellen.

Zwar sind die Umsätze im Dienstleistungsgeschäft nicht schlecht und die Auftragsbücher sind voll. Doch leider reicht das nicht aus, die Scharte im Hardware-Geschäft auszuwetzen. Denn der Consulting- und Dienstleistungsbereich liegt lediglich “im Plan“ und kann die Umsatzrückgänge im Rechnergeschäft nicht auffangen.

Es fehlt die Perspektive für die kommenden Quartale, selbst IBM-Finanzchef Mark Loughridge erwartet keine rasche Besserung in den Wachstumsmärkten.

Wenn selbst der Finanzchef keine positive Prognose wagt und lediglich von „vermutlich wieder mehr Gewinn aus dem Hardware-Geschäft im 4. Quartal“ spricht, worauf sollen dann bitte schön die Aktionäre ihren Mut und ihre Hoffnung gründen und in der IBM-Aktie investiert bleiben oder sie sogar erstmals ins Depot nehmen?

In Beteiligungsgesellschaften investieren lohnt sichIn Beteiligungsgesellschaften zu investieren, die ihrerseits in rentable Unternehmen investieren, ist ein Multi-Investment mit einer Aktie. › mehr lesen

Kein Wunder also, dass der Aktienkurs des Computerpioniers IBM (WKN 851399, Ticker IBM) mit den jüngsten Hiobsbotschaften unter Druck gerät und mit einem Wochenverlust von -6,65% zu den großen Verlierern im Dow Jones Index zählt.

Auch im Point&Figure-Chart haben die bitteren Nachrichten erneut ihre Spuren hinterlassen.

IBM-Chart 21-10-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Zwar bewegt sich die Aktie schon einige Zeit im Abwärtstrend (fallende rote Trendlinie und dünne rote Kreise), doch mit den Donnerstags-Zahlen kam der Kurs weitere unter Druck. Mit einem Tagestiefstand bei 172,57 US-$ wurde ein neues Zwei-Jahres-Tief erreicht und die bisherige Unterstützung bei 178,00 US-$ (rote waagerechte Linie) gebrochen.

Point&Figure-Verkaufssignal mit Kursziel bei 148,00 US-$

Das damit einhergehende neue Point&Figure-Verkaufssignal (dickerer roter Kreis) wird nun sehr wahrscheinlich weitere Kursabgaben nach sich ziehen, die Kurszielberechnung meiner Point& Figure-Software jedenfalls lautet auf vorläufige 148,00 US-$.

Dass die niedrige Bewertung des einstigen Vorzeigeunternehmens nun die ersten Schnäppchen-jäger auf den Plan ruft, ist klar. Doch als Point&Figure-Trader muss ich ausdrücklich davor warnen, hier vorschnell an eine Trendwende zu glauben. Charttechnisch gibt es für mich derzeit keinen vernünftigen Grund, den Beteuerungen des Managements zu glauben, ab 2014 gehe es wieder deutlich aufwärts.

Als Point&Figure-Chart-techniker möchte ich hier erst einmal positive Anzeichen im Chartbild sehen, nämlich neue X-Säulen, die wieder steigende Kurse signalisieren. Und dann erst werde ich mir bei einem neuen Point&Figure-Kaufsignal überlegen, ob ich den Lesern meines Point& Figure-Börsenbriefes mit ruhigem Gewissen  einen Einstieg in die IBM-Aktie empfehlen kann. Vorher jedenfalls nicht.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.