Draußen tobt der Terror – und ich soll zum DAX 30 schreiben

Draußen tobt der Terror, drin sitze ich vor der Tastatur und der leeren Seite auf dem Bildschirm.

Der DAX 30 zuckt abwärts.

Ist das wichtig? Soll ich Ihnen davon berichten?

In Brüssel haben die Menschen andere Sorgen. Falsch. „Andere Sorgen“ klingt so, als wäre das Abwärtszucken des DAX 30 mit Sorge zu betrachten. In Brüssel haben die Menschen Sorgen. Das Zucken des DAX 30 ist ein Nichts.

Erst der Anschlag am Brüsseler Flughafen. Dann der weitere Anschlag in der Brüsseler Metro. Anfangs 13 Tote, dann über 20 und schließlich über 30. Weit über 100 Verletzte.

Das Wort „DAX 30“ lässt sich kaum tippen.

Was soll ich berichten? Dass der DAX 30 am Tag des Terrors in Brüssel morgens auf knapp 9.900 Punkte stieg, dann deutlich unter 9.800 Punkte fiel, sich bis mittags auf rund 9.950 Punkten erholte und schließlich auf der elektronischen Börse Xetra mit 9.990 Punkten schloss? Wen interessiert das an so einem Tag?

Soll ich nichts berichten? Eine leere Seite veröffentlichen? Aber hieße das nicht, der Terror siegt?

Auch an der Börse: Der Terror darf nicht siegen …

Sparen Sie ab heute nicht mehr für Ihre Altersvorsorge? Legen Sie ab heute nicht mehr an, um Ihre Familie und sich zu versorgen? Bekommen Ihre Lieben keine Schoko-Osterhasen am kommenden Osterwochenende? Legen Sie nicht an, um zu diversifizieren? Wollen Sie jetzt keine Gewinne mehr? Müssen Sie Ihr Geld jetzt nicht mehr sicher anlegen?

Fragen, deren Antworten sich durch den gestrigen Tag nicht verändert haben. Wie sollten sie auch! Warum sollten sich die Antworten verändern?

Und da es nun einmal keine renditeträchtige Alternative zur Anlage an der Börse gibt, läuft natürlich auch die Börse weiter. Nicht zuletzt gilt auch hier:

Auch an der Börse darf der Terror nicht siegen! Das ist wie im alltäglichen Leben. Börse ist Teil des alltäglichen Lebens.

Der Alltag in Beruf und Freizeit geht weiter. Und sei es auch aus dem Grund, dass wir uns dem Terror nicht beugen.

Die gestrigen Zuckungen des DAX 30, Dow Jones und anderer Börsenkurse kommentiere ich trotzdem nicht. Sie sind nicht der Rede wert.

Ich halte inne und schreibe Ihnen diese Zeilen; meine Gedanken als Börsenkommentator bei seiner Arbeit an einem weiteren Tag des Terrors.

Zum besinnlichen Schluss: Auf den Tag genau vor 116 Jahren, also am 23.03.1900, kam der deutsche Psychoanalytiker Erich Fromm zur Welt. Eines seiner großen Themen war das

„Haben und Sein“

Eine Interpretation auf Wikipedia sagt dazu: Laut Fromm „habe die Produktion der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen.“

Ein besinnlicher Abschluss für den Kommentar über einen Tag, der das Börsengeschehen weit in den Hintergrund gerückt hat.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

23. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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