Drei große Rückversicherer im Vergleich

2017 war ein schwieriges und schadensreiches Jahr für die Rückversicherer. Dennoch gelang es den Unternehmen profitabel zu bleiben. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Munich Re hat 2017 nach vorläufigen Eckdaten einen Gewinn von 392 Mio. € erzielt.

Dies entspricht nach den hohen Schäden durch die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria der angepassten Jahresprognose (kleiner Gewinn). Im 4. Quartal betrug der Gewinn 538 Mio. €. Vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats und der Hauptversammlung soll wie im Vorjahr eine Dividende von 8,60 € pro Aktie gezahlt werden.

Auf die Dividende von Munich Re ist Verlass

Denn dank der Kapitalstärke hat Munich Re die hohen Schäden aus Naturkatastrophen gut verkraftet. Munich Re erzielte 2017 ein operatives Ergebnis von 1,24 Mrd. €, davon 864 Mio. € im 4. Quartal. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen leicht auf 49,12 Mrd. €. Die Sparte Rückversicherung Leben trug zum Gewinn 596 Mio. € bei. Das versicherungstechnische Ergebnis lag bei 428 Mio. €. Dank eines starken versicherungstechnischen Ergebnisses im 4. Quartal wurden die für 2017 ursprünglich angestrebten 450 Mio. € nur knapp verfehlt und dies obwohl das Ergebnis durch die Ablösung verlustreicher Portfolios in den USA im 2. und 3. Quartal belastet wurde.

Das Ergebnis der Schaden- und Unfall-Rückversicherung sank aufgrund der hohen Schäden aus Naturkatastrophen auf -476 Mio. €. Die Schaden-Kosten-Quote stieg aus demselben Grund von 95,7 auf 114,1%. Das ERGO-Strategieprogramm hat 2017 wichtige Meilensteine genommen.

2018 soll die digitale Transformation entschieden vorangetrieben werden und Chancen für profitables Wachstum auch im traditionellen Geschäft entschlossen genutzt werden.

Unternehmensportrait

Die 1880 gegründete Munich Re ist eine der weltweit führenden Rückversicherungs-Gesellschaften. Sie versichert die Geschäfte von Erst-Versicherungen. Die Munich Re ist durch Beteiligungen an der ERGO-Versicherungsgruppe (Victoria, Hamburg Mannheimer und DKV) auch im Erst-Versicherungsgeschäft tätig. Zudem verwaltet sie im Geschäftsfeld Asset-Management das Vermögen ihrer Kunden.

Hannover Rückversicherung leidet unter hohem Schadensaufkommen

Das Ergebnis der Hannover Rückversicherung war in den ersten 9 Monaten 2017 von einem überdurchschnittlich hohen Großschadensaufkommen geprägt. So blieb der Gewinn mit 548,9 Mio. € knapp 30% unter dem Vorjahreswert. Positiv auf das Ergebnis wirkte der Verkauf des Portfolios börsennotierter Aktien. Das hierdurch freigesetzte Kapital will die Hannover Rückversicherung für die sich bietenden Geschäftsgelegenheiten nutzen.

Die gebuchte Bruttoprämie erhöhte sich um 8,3% auf 13,5 Mrd. €. Bei konstanten Währungskursen hätte das Wachstum 9,5% betragen. Das Angebot für Rückversicherungsdeckungen überstieg auch im 3. Quartal die Nachfrage, sodass der Druck auf Preise und Konditionen anhielt. Dennoch konnte die Hannover Rückversicherung in allen unterjährigen Erneuerungsrunden profitables Geschäft zeichnen und somit weiter wachsen.

Weiterhin auf Wachstumskurs

Nachdem das 1. Halbjahr einen sehr moderaten Großschadenverlauf hatte, war das 3. Quartal durch ein außerordentlich hohes Schadensaufkommen aus 3 Wirbelstürmen sowie zwei Erdbeben geprägt. Die Schaden-Kostenquote erhöhte sich von 95,0 auf 104,4% und konnte damit den Zielwert von 96% nicht erreichen. Für 2017 geht die Hannover Rückversicherung auf Basis des aktuellen Stands der Jahresabschlussarbeiten von einem Gewinn von rund 950 Mio. € aus. Obwohl dieses Ergebnis hinter dem Vorjahresergebnis zurückbleibt, ist es vor dem Hintergrund der Naturkatastrophen dennoch zufriedenstellend.

Auf 2018 blickt die Hannover Rückversicherung optimistisch. Für die unterjährigen Vertragserneuerungsrunden sollten aufgrund der gestiegenen Schadenaktivität weitere Preiserhöhungen möglich sein.

Unternehmensporträt

Die Hannover Rück ist der fünftgrößte Rückversicherer der Welt. Der Konzern betreibt Programmgeschäft sowie alle Sparten der Schaden-, Personen- und Finanz-Rückversicherung und unterhält Rückversicherungsbeziehungen mit rund 5.000 Versicherungen in mehr als 150 Ländern weltweit. Für das Deutschland-Geschäft der Gruppe ist die Tochter E+S Rück zuständig. Der HDI ist mit einem Anteil von über 50% Großaktionär von Hannover Rück.

Swiss Re blickt auf eines der schadenreichsten Jahre der Versicherungswirtschaft zurück

Die zahlreichen Naturkatastrophen wie der Zyklon Debbie in Australien, die atlantischen Hurrikane Harvey, Irma und Maria, die Erdbeben in Mexiko sowie die Waldbrände in Kalifornien ließen den Gewinn im abgelaufenen Jahr von 3,6 Mrd. $ auf 331 Mio. $ einbrechen.

Angesichts des historischen Ausmaßes der Schäden (siehe Value-Telegramm von gestern) ist es als Zeichen der Widerstandskraft zu sehen, dass Swiss Re profitabel blieb und weiterhin eine solide Kapitalposition vorweisen kann. Dies war dem Segment Leben & Gesundheit sowie dem Kapitalanlageergebnis zu verdanken. Die Verluste bei Sach- und Haftpflichtversicherungen sowie im Firmenkundengeschäft wurden somit wettgemacht.

Die bröckelnde Preismacht der Rückversicherer trübt die Aussichten

In Anbetracht der steigenden Schäden ist die Preisentwicklung nicht zufriedenstellend. Die Vertragserneuerungsrunde im Januar brachte lediglich einen Preisanstieg von 2%. Sollte das durchschnittliche Schadenvolumen tendenziell weiter steigen, müssen Profitabilitätseinbußen einkalkuliert werden. Swiss Re begegnet dem schwierigen Marktumfeld mit einer konservativen Zeichnungspolitik.

Auf Basis der Jahresdurchschnittswerte der versicherungstechnischen Schäden und der aktuellen Preis- und Volumenentwicklung gehen wir von einer Erholung der Ertragslage im laufenden Jahr aus. Das Kurspotenzial erscheint jedoch begrenzt. Dafür bleibt Swiss Re als Dividendenwert interessant.

Unternehmensporträt

Swiss Re wurde 1863 in Zürich gegründet und ist heute einer der größten Rückversicherer weltweit und nach der Akquisition der Lincoln Re auch der größte Lebens-Rückversicherer in den USA. Die Swiss Re rückversichert Erstversicherer in den Bereichen Leben, Gesundheit, Schaden-/Sachversicherung, Haftpflicht und Motorenfahrzeuge. Das Unternehmen ist weltweit in mehr als 20 Ländern vertreten.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.