Dreifacher Hexensabbat: Der Tag der Abrechnung

Am dreifachen Hexensabbat geht es an der Börse oft rund. Heute haben die DAX-Bullen die Marke von 7.200 Punkten angegriffen. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Heute war es wieder soweit: Zum ersten Mal im Börsenjahr 2012 schlug der „dreifache Hexensabbat“ zu.

Der DAX startete bei 7.150 und wurde in den Mittagsstunden auf 7.194 Punkte hochgezogen (genau in dieser Phase wurden auch die Terminkontrakte abgerechnet).

Die 7.200-Punkte-Marke wurde bei der Abrechnung nur hauchdünn verfehlt.

Danach war die Luft aber raus. Der DAX sank wieder auf das Startniveau. Am Ende blieb ein kleines Plus von 0,2%. Der DAX ging mit 7.157 Punkten in das Wochenende.

Stichtag: Dritter Freitag im dritten Monat des Quartals

Der dreifache Hexensabbat ist auch als großer Verfallstag bekannt, denn an diesem Tag verfallen weltweit drei gleiche Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes.

Der große Verfallstag ist jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember.

Der Hexensabbat ist der Tag der Abrechnung. Das war auch heute so.

Denn: Viele Fonds, Hedgefonds und Investmentbanken sind in Terminkontrakten investiert, die heute um 12 Uhr abgerechnet wurden. Im Vorfeld wird daher versucht, die Basisindizes (DAX, Dow Jones) durch Käufe und Verkäufe in die gewünschte Richtung zu schicken.

Wenn sich sehr viele große Investoren oberhalb einer gewissen Verfallsmarke positioniert haben, dann kann der Markt auch ohne fundamentale Nachrichten oder charttechnische Signale durchstarten.

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Starke Schwankungen vorprogrammiert

In der Woche vor dem großen Verfallstag sind an den Aktienmärkten erfahrungsgemäß hohe Kursschwankungen und ein großes Handelsvolumen zu beobachten.

In dieser Woche drehte sich alles um die Frage, ob der DAX nach mehreren Fehlschlägen doch noch die 7.000-Punkte-Marke knacken kann. Diese Hürde hat der DAX im Wochenverlauf souverän übersprungen. Daher konnten die Bullen heute sogar die Marke von 7.200 Punkten angreifen.

Griechenland-Anleihen werden ins Depot gebucht

Zeit der Abrechnung ist in diesen Tagen auch für die Besitzer der Griechenland-Anleihen. Wer vorher eine Griechenland-Anleihe im Depot hatte, entdeckt jetzt plötzlich ein volles Depot mit 2 Dutzend neuen Anleihen. Der Schuldenschnitt sorgt dafür, dass über 20 neue Anleihen ins Depot wandern.

Das Problem: Es handelt sich jeweils um Mini-Einheiten, die fast wertlos sind. Da einige Banken für den Umtausch auch noch Gebühren verlangen, wird das Minus immer größer.

Und der Ausstieg ist auch nicht leicht: Wer die neuen Anleihen einzeln an der Börse verkauft, kommt leicht auf dreistellige Order-Kosten. Für viele Privatanleger mit kleinen Positionen bedeutet das: Nach Abzug der Transaktionskosten bleibt vom Verkaufserlös praktisch nichts übrig.

Bitteres Fazit: Am Ende steht faktisch ein Totalverlust.

Das Finanzamt akzeptiert die Verluste

Es ist zumindest ein kleiner Trost: Die Politik hat überraschend schnell und unbürokratisch gehandelt. Man kann sich fragen, ob hier einige Politiker ein schlechtes Gewissen hatten…

Die Finanzministerien von Bund und Ländern haben beschlossen, dass die Verluste, die mit Griechenland-Anleihen entstanden sind, mit anderen Kapitaleinkünften verrechnet werden können. Bedingung: Die Anleihen müssen nach Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 gekauft worden sein.

Tipp: Da durch die vielen neuen Anleihen ein Chaos im Depot entsteht, können Depot-Bank und Finanzamt schnell den Überblick verlieren. Steuerzahler, die vom Zwangsumtausch betroffen sind, sollten die entsprechenden Steuerunterlagen sehr genau prüfen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.