Drillisch AG: Insidertrades nach turbulenter Kursentwicklung

In der laufenden Berichtssaison, die ein eher positives Bild der deutschen Wirtschaftslage zeichnet, haben sich die Transaktionen der deutschen Organmitglieder auf ein Minimum reduziert.

Die guten Zahlen, die in den letzten Tagen von den Unternehmen präsentiert wurden, konnten dabei keine zündenden Impulse für die Börsenentwicklung liefern. Nach wie vor dominieren die Sorgen um die Euro-Krise die aktuelle Marktlage.

Dementsprechend ist die Entwicklung der Aktienmärkte unverändert als unberechenbar einzustufen. In diesem Umfeld, das sich von jeglichen Fundamentalfaktoren losgelöst hat, haben die deutschen Insider in der abgelaufenen Kalenderwoche die Transaktionen nahezu eingestellt.

Betrugsvorwürfe bei Drillisch AG

Unter den 5 gemeldeten Insidertrades stechen diejenigen der Insider der Drillisch AG hervor. Dabei wurden jüngst bei der Drillisch AG, einem Anbieter von Mobilfunkdienstleistungen, Betrugsvorwürfe publik.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe und der durch die Telekom AG erfolgten Strafanzeige befand sich der Aktienkurs der Gesellschaft im freien Fall und hatte innerhalb weniger Stunden rund –58 % einbüßen müssen.

Relativ schnell hat jedoch – nachdem Drillisch eine Stellungnahme veröffentlichte, in der die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen wurden – eine Gegenbewegung eingesetzt. Die Drillisch AG notiert daher derzeit um –27 % unterhalb des ursprünglichen Niveaus.

2 Vorstände haben die niedrigeren Kursniveaus inzwischen genutzt, um massive Käufe zu tätigen.

Dabei können auf das Unternehmen, das als Vertriebspartner für die Telekom fungierte, Schadenszahlungen von mindestens 1,3 Mio. Euro zukommen. Es handelt sich hierbei um Rückzahlungen von Provisionen, die laut Telekom von der Drillisch AG unrechtmäßig in Rechnung gestellt wurden.

Gleichzeitig wurden die Verträge zwischen den beiden Parteien gekündigt.

Kursrückgänge sind zu drastisch ausgefallen

Angesichts der Strafsumme, die im Raum steht, wurden die Kursrückgänge der Drillisch-Aktie von vielen Marktbeobachtern als übertrieben empfunden. In der Spitze hatte sich die Marktkapitalisierung der Gesellschaft um über 250 Mio. Euro reduziert.

Die aktuelle Marktkapitalisierung der Drillisch AG liegt immer noch um über 120 Mio. Euro unterhalb des ursprünglichen Niveaus.

Gemäß den Angaben der Gesellschaft sei dabei aber in den letzten Monaten der Großteil des Neukundengeschäftes nicht mehr mit der Telekom, sondern mit anderen Netzbetreibern generiert worden. Entsprechend erwartet die Gesellschaft, dass mögliche Geschäftseinbußen aus der Vertragsauflösung mit der Telekom keine großen Auswirkungen auf die weitere Entwicklung haben werden.

Laut einem Analystenhaus hätten die derzeit für die Drillisch wichtigen Netzbetreiber Vodafone und O2 bekannt gegeben, dass bei ihren Kundenbeständen keine Ungereimtheiten festgestellt werden konnten. Damit würde sich der Reputationsverlust für die Drillisch ebenfalls in Grenzen halten.

So hat die Gesellschaft die bisherigen Prognosen, wonach das dynamische Unternehmenswachstum in den kommenden Jahren beibehalten werden sollte, jüngst bestätigt.

Nachdem im laufenden Geschäftsjahr 2011, aufbauend auf der guten bisherigen Geschäftsentwicklung, ein EBITDA von über 52 Mio. Euro in Aussicht gestellt wird, erwartet die Gesellschaft für 2012 ein EBITDA von 58 Mio. Euro. Damit werden die bisherigen Erwartungen für 2012 übertroffen.

Sollten die Prognosen eintreffen, wäre die Drillisch aktuell mit einem 2012er-EV/EBITDA von 3,1 sehr attraktiv bewertet.

Die gemeldeten Insidertrades, die im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms getätigt wurden, sind vor diesem Hintergrund als nachvollziehbar zu werten.

14. November 2011

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.

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