Drillisch stößt als 4. deutscher Mobilfunkbetreiber in neue Dimensionen vor

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Durch die Fusion von O2 und E-Plus entsteht am deutschen Mobilfunkmarkt eine Lücke. Nun steht fest, wer sie schließen soll: Der Discount-Zwerg Drillisch. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Kennen Sie Drillisch? – Wenn nicht, dürfte sich das bald ändern.

Denn der Mobilfunk-Zwerg wird derzeit hochgerüstet für ein ehrgeiziges Unterfangen: den Preiskampf der deutschen Netzanbieter lebendig zu halten, wenn O2 und E-Plus fusionieren.

EU fürchtet mangelnden Wettbewerb

Der Zusammenschluss der Nummer 3 und 4 auf dem deutschen Markt ist ein Mega-Deal, der die Mobilfunk-Landschaft hierzulande gehörig durcheinanderwirbeln wird.

Gemeinsam sind O2 und E-Plus genauso stark wie die bisherigen Platzhirsche T-Mobile und Vodafone.

Daher befürchtet die EU nachlassenden Wettbewerb, was wiederum zu höheren Preisen für die Endkunden führen könnte.

Um dem entgegenzuwirken, hat Brüssel seine Zustimmung zur Fusion an harte Auflagen geknüpft: Demnach muss es weiterhin einen 4., kleineren Anbieter geben, der mit günstigen Tarifen den Preiswettbewerb in Schwung hält.

Die Lösung lautet: Drillisch

Es wurde lang verhandelt, doch am Ende konnte sich Drillisch durchsetzen. Vor kurzem wurden die Verträge mit Telefónica, dem spanischen O2-Mutterkonzern, unterzeichnet.

Rund 1/4 der Netzkapazitäten sowie ein Teil der etwa 600 Filialen von O2 und E-Plus gehen damit an den Billiganbieter.

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Drillisch muss sich für seine neue Aufgabe praktisch neu erfinden: Bislang setzt das von den Brüdern Paschalis und Vlasios Choulidis gegründete und geleitete Unternehmen ganz aufs Internet, um Neukunden zu gewinnen.

Gemessen daran, dass Drillisch weder in Filialpräsenz noch in klassische Werbung investiert, funktioniert das auch recht gut: Immerhin 50.000 Neukunden verzeichnet der Mobilfunkanbieter pro Quartal.

Bislang setzen insgesamt rund 1,8 Millionen Kunden auf eine der 12 Discount-Marken, die zum Drillisch-Portfolio gehören.

Allerdings ist der Marktanteil mit lediglich 1,2 Prozent am deutschen Mobilfunkmarkt noch deutlich ausbaufähig, ebenso wie der Umsatz von rund 290 Millionen Euro.

Anleger glauben an den Zwerg

Damit der Deal sich lohnt und die Netzkapazitäten, die man von Telefónica übernimmt, auch ordentlich ausgelastet sind, ist ein Kundenstamm von etwa 10 Millionen das erklärte Ziel.

Anleger zeigen sich zuversichtlich, dass Drillisch dieses nicht ganz einfache Unterfangen meistern wird: Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn um mehr als 1/3 zugelegt und liegt derzeit knapp unter 30 Euro.

Geht der Plan auf, wäre das ein Sensationserfolg, den der Nischenanbieter nicht zuletzt der EU zu verdanken hätte.

Profitieren dürften dann neben Drillisch-Anlegern auch die Kunden aller anderen Anbieter – immerhin soll der Mini-Discounter als Gegengewicht zu den 3 Großen agieren und den Preiskampf nach unten hin ausbalancieren.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.