Drillisch: Großaktionär überspringt 75%-Schwelle

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Drillisch-Aktie: Großaktionär United Internet nutzt Kursschwäche und stockt Beteiligung weiter auf. Jetzt rückt der 5G-Netzaufbau ins Rampenlicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Aktien der großen Telekommunikationskonzerne zählen zu den klaren Underperformern in diesem Jahr. Während der DAX seit Jahresanfang rund 16% in der Gewinnzone liegt, liegen die Papiere von Telekommunikationsfirmen zum großen Teil im Minus. Während es die Aktie der Deutschen Telekom mit +4% noch knapp ins Plus schaffte, liegen die Aktien von United Internet knapp ein Viertel und die Anteilscheine von Drillisch sogar 30% in der Verlustzone (trotz des jüngsten Kurssprungs).

Vor allem die im Zuge der 5G-Mobilfunk-Frequenzversteigerung anstehenden massiven Investitionen haben zuletzt auf die Stimmung der Anleger gedrückt. Das ermäßigte Kursniveau hat jetzt der Internet- und Mobilfunkanbieter United Internet genutzt, um seine Beteiligung an der Tochter 1&1 Drillisch weiter nach oben zu schrauben. Im Gegenzug kletterte die Drillisch-Aktie von 24,89 Euro auf über 31 Euro in die Höhe.

Drillisch im Portrait

Die 1&1 Drillisch AG ist einer der großen netzunabhängigen Telekommunikationsanbieter in Deutschland mit Sitz im hessischen Maintal. Mit seinen beiden 100-prozentigen Tochtergesellschaften 1&1 Telecommunication SE und Drillisch Online AG bietet Drillisch ein umfassendes Portfolio an Dienstleistungen und Produkten aus dem Bereich leitungsgebundener sowie mobiler Sprach- und Datendienste als auch Content aus einer Hand.

Im Premiumsegment konzentriert sich das Unternehmen dabei auf seine Marke 1&1 als Anbieter von Festnetz-, DSL- und Mobilfunkprodukten. Mit der Marke yourfone, unter der Drillisch mehr als 200 Ladengeschäfte in den Top-Lagen deutscher Innenstädte betreibt, wird das Offline-Segment bedient. Darüber hinaus zählen viele weitere erfolgreiche Mobilfunkmarken zum Portfolio der Drillisch AG, darunter smartmobil.de, simply, sim.de, PremiumSIM, DeutschlandSIM, McSIM, helloMobil, winSIM und discoTEL.

Drillisch wird vierter Netzbetreiber

Mit dem Ende der Frequenzauktion haben sich die Telekommunikationsfirmen in Stellung gebracht, um künftig ultraschnelles mobiles Internet anbieten zu können. Auch Drillisch ist erstmals neben Deutscher Telekom, Vodafone und Telefonica (02) mit von der Partie. Zu Ihrer Information: Das Kürzel 5G steht für die 5. Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, auch LTE genannt. 5G ist wesentlich schneller im Download und verfügt über eine geringere Reaktionszeit (Latenz) – Daten werden praktisch in Echtzeit verarbeitet.

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Die Versteigerung der Lizenzen hat mit 6,6 Milliarden Euro deutlich mehr gekostet als ursprünglich erwartet. 420 Megahertz Spektrum hat die Bundesnetzagentur an vier Firmen verkauft. Die Deutsche Telekom und Vodafone konnten sich jeweils 130 Megahertz sichern, Telefónica 90 Megahertz und der Neueinsteiger Drillisch nur 70 Megahertz. Drillisch musste dafür 1,07 Milliarden Euro auf den Tisch legen.

United Internet stockt auf und sichert sich 5G-Zugriff

Jetzt hat der Drillisch-Großaktionär seinen Anteil von zuletzt 73,3% auf nunmehr 75,1% ausgebaut. Mit mehr als drei Vierteln aller Anteile könnte United Internet einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit der Tochtergesellschaft abschließen und komplett durchregieren. Allerdings betonte die Konzernführung, dass dies nicht geplant sei. Dabei geht es bei dem Deal vor allem auf den gesicherten Kapazitätszugriff.

Sie müssen bedenken: Als die Fusion von Telefónica O2 und E-Plus von der EU Kommission unter Auflagen genehmigt wurde, bekam Drillisch die Möglichkeit, 20% der Kapazität der Telefónica-Mobilfunknetze anzumieten. Durch die Übernahme von Drillisch für über zwei Milliarden Euro hat United Internet sich nicht nur garantierten Zugriff auf diese Kapazitäten, sondern auch Zugriff auf die Mobilfunktechnologie der 5. Generation des spanischen Netzbetreibers gesichert.

Unsichere Zukunft belastet

Nach der Erhöhung der Beteiligung hat die Drillisch-Aktie deutlich positiv reagiert. Wer als Anleger jetzt auf eine schnelle Komplettübernahme setzt, dürfte aber erst einmal enttäuscht werden. Den Zugriff auf die Firma hat United Internet ohnehin und damit eigentlich ihr Ziel erst einmal erreicht. Vor dem Hintergrund der unsicheren Situation auf dem 5G-Markt, bei dem vorrangig erst einmal massiv investiert werden muss und die Monetarisierung noch sehr weit in der Zukunft liegt, dürfte die Aktie daher auch weiter hohen Schwankungen unterliegen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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