Drillisch: Jetzt wird auf die Tube gedrückt

Knapp 2 Jahre ist es nun her, dass sich mit der inzwischen vollzogenen Fusion der Mobilfunk-Anbieter O2 und E-Plus der deutsche Markt kräftig umkrempelte.

Aus den Nummern 3 und 4 unter den deutschen Anbietern wurde auf einmal der Konzern mit den meisten Anschluss-Kunden.

Kein Wunder, dass das seinerzeit die Wettbewerbs-Behörden auf den Plan rief, die ihrerseits Bedingungen für den Zusammenschluss stellten.

Um den tariflichen Wettbewerb sicherzustellen, muss ein Teil der gemeinsamen Netzkapazität, die mittlerweile Telefonica Deutschland gehört, einem Drittanbieter zur Verfügung gestellt werden – ebenso wie einen Teil der Ladenlokale.

Drillisch füllt die Lücke

Aus dem Bieterwettstreit ging damals Drillisch hervor, ein hessischer Anbieter von Mobilfunk-Dienstleistungen mit breitgefächertem Marken-Portfolio.

Drillisch war bis dato nur als Online-Anbieter vertreten, hatte also keinerlei Erfahrung im Filial-Geschäft, und verfügt nach wie vor über kein eigenes Netz, sondern nutzt die eben bereitgestellten Kapazitäten von Telefonica Deutschland.

Inzwischen zeigt sich, dass die Hessen die Herausforderungen ganz gut meistern. Im 1. Quartal schoss der Umsatz im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 3/4 in die Höhe auf gut 173 Mio. €, was v. a. auf Zukäufe zurückzuführen ist.

Teurer Schritt in die Innenstädte

Die Erlöse aus den Mobilfunk-Dienstleistungen stiegen um etwa 30% auf knapp 125 Mio. €. Allerdings gibt es auch einen kleinen Kratzer im Lack:

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 11% zurück auf 24 Mio. €.

Das liegt vor allem an der kostenintensiven Umstellung vom Online- aufs Filialgeschäft.

Zur Eroberung der lokalen Fußgängerzonen setzt Drillisch dabei nicht nur auf die von Telefonica Deutschland übernommenen Filialen.

Sondern der Konzern hat darüber hinaus im vergangenen Jahr auch die Kette The Phone House geschluckt, die in erster Linie Geräte verkauft.

Kundenstamm wächst

Trotz des rückläufigen Ebitda hält das Unternehmen an seiner Jahres-Prognose fest, die für 2016 ein Ebitda im Rahmen von 115 bis 120 Mio. € vorsieht, nach gut 105 Mio. € im Vorjahr.

Mittelfristig soll es dann noch steiler bergauf gehen: Für 2017 peilt Drillisch beim operativen Ergebnis 160 bis 170 Mio. € an. Bei den Kunden erfreut sich der Anbieter inzwischen größerer Beliebtheit.

Die Teilnehmerzahl stieg während der ersten 3 Monate im Vergleich zum vorangegangenen 4. Quartal um 119.000, wobei eine Verlagerung hin zu umsatzstärkeren Tarifen erkennbar ist.

Drillisch-Aktie tut sich schwer

Die im TecDax gelistete Drillisch Aktie erholte sich daraufhin wieder etwas und legte in den vergangenen 2 Wochen wieder kräftiger zu. Zuletzt kostete das Papier etwas über 37 €.

Damit ist der Kurs noch ein ganzes Stück entfernt von seinem Allzeithoch: Im vergangenen Herbst kratzte die Aktie kurzzeitig an der 50-€-Marke, seit November ging es dann allerdings erst einmal abwärts bis auf unter 33 €.

Die Einschätzungen der Analysten sind gespalten, die meisten empfehlen allerdings, das Papier zu halten oder zu kaufen.

Die Kurszielspanne liegt bei den neutralen Bewertungen im Rahmen überwiegend zwischen 40 und 45 €, bei den Kaufempfehlungen bewegt sie sich zwischen 50 und 60 €.

Pessimistischer sind die Experten der Commerzbank: Sie prognostizieren einen Absturz auf 30 € und raten zum Verkauf.

2016-05-20 Drillisch

20. Mai 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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