Dürr: Aktie des Anlagenbauers knickt nach abgeblasenem Großauftrag ein

Die Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus:

Zum Wochen-Ausklang ging die Dürr-Aktie kräftig in die Knie und purzelte von 79 bis auf 72 € in den Keller, bevor eine leichte Gegenbewegung einsetzte.

Der Grund schien auf den 1. Blick durchaus nachvollziehbar:

Denn wegen Drohungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump verlor der deutsche Anlagenbauer einen Großauftrag mit einem Volumen von rund 100 Mio. €.

Ob der Kursrückgang allerdings wirklich berechtigt ist und wie es um die langfristigen Perspektiven des Konzerns steht, erfahren Sie hier.

Dürr-Konzern im Porträt

Bevor ich auf die Details des verlorenen Deals eingehe, möchte ich Ihnen das Familien-Unternehmen näher vorstellen:

Dürr ist ein Investitionsgüter-Hersteller mit Fokus auf die Automobil-Industrie, die >65% zum Unternehmens-Umsatz beisteuert.

Circa 40% des Geschäfts entfallen auf den Anlagenbau, der Rest auf Maschinenbau.

Der Konzern ist besonders für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter bekannt.

Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau sowie für die chemische und holzverarbeitende Industrie.

Starke Position in Schwellenländern

Bei Dürr handelt es sich übrigens um ein reines Familien-Unternehmen; knapp 29% aller Aktien liegen noch in den Händen der Gründerfamilie.

Mit mehr als 90 Standorten (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern verfügt Dürr über eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die rund 50% des Konzern-Auftragseingangs und etwa 30% der Belegschaft entfallen.

Hoher Marktanteil in Nischenmärkten

Besonders beeindruckend ist die Marktstellung des deutschen Anlagenbauers:

Dürr ist vorwiegend in Nischenmärkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält man marktführende Positionen mit Marktanteilen von oft mehr als 40%.

In den Schwellenländern ist der Konzern mit einem Marktanteil von über 50% sogar der unangefochtene Platzhirsch.

Damit dürfte das Unternehmen besonders von dem Automobil-Boom in den sogenannten Emerging Markets profitieren.

Trumps Politik für verlorenen Ford-Deal in Mexiko verantwortlich

Ein Großteil des Geschäfts-Erfolges ging in den vergangenen Jahren auf das Konto der starken Nachfrage durch die Automobil-Hersteller.

Denn die hoch automatisierten Lackierstraßen erfreuen sich bei der Kundschaft steigender Beliebtheit.

Um solche Lackier-Anlagen ging es auch bei dem Deal mit Ford in Mexiko. Das geplante Ford-Werk in Mexiko hätte ein Auftrags-Volumen von rund 100 Mio. € gehabt.

Aber der Autobauer hat von seinen Plänen Abstand genommen – hierfür dürften nicht zuletzt die angekündigten Strafmaßnahmen von Donald Trump den Ausschlag gegeben haben.

Denn Trump lässt keinen Zweifel daran, dass er die Industrie zum Aufbau von Jobs in den USA zwingen will- zur Not auch durch die Rückkehr zu Zöllen auf Einfuhren aus Mexiko.

Jetzt will Ford seine anderen Fertigungs-Standorte in den USA dafür ausbauen.

Dürr-Management sieht keinen wirtschaftlichen Nachteil

Unterdessen beteuert das Dürr-Management, dass auf Grund des abgeblasenen Deals kein wirtschaftlicher Nachteil entsteht.

Der erwartete Auftrags-Eingang von 3,5 – 3,7 Mrd. € für 2017 bleibt davon vollkommen unberührt.

Der potenzielle Ford-Auftrag hätte sich frühestens ab 2018 ausgewirkt. Zugleich geht der Marktführer für Lackier-Anlagen davon aus, dass der verlorene Umsatz durch Aufträge in den USA kompensiert wird.

9. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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