Dürr-Aktie: Hoffnung auf Besserung in Sicht

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

Anlagenbauer nach starkem Schlussquartal im Aufwind. Dürr erreicht angepasste Jahresziele und peilt für 2019 wieder höhere Gewinnmargen an. (Foto: Dürr AG)

Dürr-Anleger haben harte Zeiten hinter sich. Immerhin hatte sich die Aktie vom Herbst 2017 bis Dezember letzten Jahres zwischenzeitlich mehr als halbiert. Vor allem die Krise in der Automobilindustrie (einer der großen Dürr-Kunden) hatte für kräftigen Gegenwind gesorgt. Doch jetzt scheint es zumindest Licht am Ende des Tunnels zu geben. Mit einem starken Schlussquartal konnte der Robotik-Konzern seine im Oktober nach unten revidierten Jahresziele noch erreichen.

Die Anleger reagierten sichtlich erleichtert und schickten die Papiere nach den Zahlen um mehr als 5% nach oben. Damit hat die Aktie seit dem Dezembertief wieder ein Drittel an Wert zulegen können.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Umsatz rauf –  Ergebnis runter

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei Dürr mit 3,87 Milliarden Euro 4,2% mehr an Umsatz durch die Bücher als im Vorjahr. Allerdings sorgten Schwierigkeiten im Lackieranlagengeschäft für Bremsspuren, was sich in einer sinkenden Gewinnspanne bemerkbar machte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag mit 233,5 Millionen Euro fast ein Fünftel unter dem Vorjahreswert. Die EBIT-Marge ging auf 6% zurück. Im Vorjahr waren noch 7,7% erzielt worden.

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

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Dürr hatte bereits angekündigt, dass Produktionsengpässe bei Homag, die Einstellung des Mikrogasturbinengeschäfts und zusätzliche Beratungskosten negativ zu Buche schlagen würden. Insgesamt fielen Sonderaufwendungen von 41,4 Millionen Euro an.

Sonderkosten sinken spürbar

Für das laufende Jahr rechnet die Konzernführung von Dürr mit „nur“ noch 25 Millionen Euro an Sonderkosten. Die Planung in konkreten Zahlen: Der Umsatz soll zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Zugleich peilt der Anlagenbauer wieder eine höhere Profitabilität an. Unter dem Strich soll die Vorsteuergewinnmarge (EBIT) wieder auf 6,5 bis 7% nach oben klettern.

Dürr profitiert von Elektroautos….

Rückenwind erwartet sich der Konzern vor allem auch durch den Boom bei Elektroautos. Größere Aufträge gab es zuletzt beispielsweise von den chinesischen E-Autobauern Sokon und Future Mobility Corporation. Zusätzlich sieht Dürr Chancen im Bereich der industriellen Abluftreinigung. Auf Grund schärferer Emissiongrenzwerte zieht die Nachfrage spürbar an.

Durch die Übernahme der US-Unternehmen Megtec und Universal im vergangenen Jahr ist Dürr Weltmarktführer und hat den Umsatz in der Abluftreinigungstechnik auf gut 400 Millionen Euro verdoppeln können.

…..aber Stagnation bei Homag

Enttäuschend ist hingegen die Entwicklung beim Holzmaschinenbauer Homag, der größten Sparte neben den Lackieranlagen. Da in den letzten beiden Jahren von den Kunden viel investiert wurde, rechnet Dürr hier erst ab 2021 wieder mit deutlichem Wachstum.

Analysten sehen moderates Kurspotenzial

Nach Vorlage der neuen Jahresplanung haben auch die Analysten ihre Kursziele überarbeitet. Im Durchschnitt taxieren die Banker den Firmenwert auf 39,30 Euro je Aktie. Damit liegen die Konsensschätzungen nur moderat über dem aktuellen Kursniveau von 36,50 Euro.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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