Dürr-Aktie mit kräftiger Kurserholung

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

Der Anlagebauer Dürr profitiert von den Impfstoffhoffnungen. Es sind leichte Erholungstendenzen im dritten Quartal zu erkennen. (Foto: Dürr AG)

Die Geduld der Dürr-Anleger wurde in diesem Jahr auf eine harte Probe gestellt. Wenig überraschend hat der Maschinen- und Anlagenbauer die Auswirkungen des Coronavirus deutlich zu spüren bekommen. Dürr baut unter anderem Lackieranlagen und Endmontagesysteme für die Autoindustrie sowie Maschinen und Anlagen für die Holzbearbeitung unter der Marke Homag. Der Geschäftsverlauf wurde vor allem durch den Lockdown in China und die Nachfrageschwäche im Automobilsektor negativ beeinflusst.

Doch im dritten Quartal konnte der Konzern sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn positiv überraschen. Darüber hinaus sorgten die Impfstoffhoffnungen für einen Stimmungsumschwung bei den Anlegern. Seit Ende Oktober schnellte der Dürr-Aktienkurs um ein Viertel nach oben. Damit haben die Papiere seit dem Jahreswechsel wieder die Nulllinie erreicht.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Gewinneinbruch im ersten Halbjahr….

In der ersten Jahreshälfte machte sich die Corona-Pandemie deutlich bemerkbar: Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 14,1 % auf 1,6 Milliarden Euro. Das operative EBIT erreichte 23,7 Millionen Euro – auch nach Sondereffekten in Höhe von -17,1 Mio. € war das EBIT mit 6,6 Millionen Euro noch leicht positiv, lag aber 93,1% unter dem Vorjahresniveau.

….aber Lichtblick im dritten Quartal

Nach dem Einbruch in der ersten Jahreshälfte verzeichnete der Bietigheim-Bissinger Konzern im zurückliegenden Quartal wieder einen Aufwärtstrend. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden die nach wie vor eher mauen Geschäfte aber weiter deutlich. Das Bestellvolumen ging um 12% auf 826,3 Millionen Euro zurück, der Umsatz sank um 18% auf 815,3 Millionen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 39,9 Millionen Euro um 38,3% unter Vorjahr, fiel aber deutlich besser aus als von Analysten geschätzt. Nach Steuern machte Dürr mit 15,8 Millionen Euro 58,8% weniger Gewinn.

Jahresprognose im Blick

Unterdessen bekräftige Dürr-Firmenboss Ralf W. Dieter seine Jahresziele, sofern die Corona-Auswirkungen nicht wieder deutlich an Dynamik zulegen. Der Auftragseingang dürfte 2020 zwischen 3,1 bis 3,4 Milliarden Euro liegen, sofern der zuletzt positive Trend anhält. Den Umsatz sieht Dürr zwischen 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,9 Milliarden Euro). Das Ziel bei der operativen EBIT-Marge liegt zwischen 2,5 und 2,8%. Im Vorjahr erzielte der Anlagenbauer noch eine operative Gewinnmarge von 6,7%.

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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