Dürr-Aktie: Roboterhersteller mit Gewinnrückgang – Aktie dennoch im Haussemodus

Der Weltmarktführer für Lackierroboter Dürr ist trotz Gewinnrückgang im Haussemodus. Der hohe Auftragsbestand sorgt für Zuversicht. (Foto: Dürr AG)

Aktionäre von Dürr hatten in diesem Jahr wenig zu lachen. Zwischenzeitlich lag der Kursrückgang seit Jahresanfang bei deutlich über 30%. Doch jetzt scheint sich zumindest charttechnisch eine Stabilisierung abzuzeichnen. Nach den gerade vorgelegten Zahlen startete die Aktie eine kräftige Erholungsbewegung und schloss mit 41 Euro deutlich über ihrem Juli-Tief von 35,60 Euro.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Dürr ist ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet. Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen  Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Umsatz hui Ergebnis pfui

Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal konnte Dürr die Umsätze um mehr als 5% auf knapp 910 Millionen Euro steigern. Allerdings sorgten Liefer- und Produktionsprobleme bei dem Tochterunternehmen Homag für Gegenwind. Sie müssen wissen: Homag profitiert vom weltweiten Boom zu individuell entworfenen Küchen. Hier hatten hohe Aufträge die Firma zuletzt an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht.

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Auf Grund der Homag-Probleme sank der Vorsteuergewinn (EBIT) auf 54,9 Millionen Euro (-17,5%). Damit lag die bereinigte EBIT-Marge bei „nur“ 6% und damit deutlich unter der angepeilten Zielmarge von 7,5%.

Dürr mit hohem Auftragsbestand

Allerdings gab es im Zahlenwerk auch einen Lichtblick. So lag der Auftragsbestand am Ende des zweiten Quartals bei 2,75 Milliarden Euro. Alleine in Deutschland verzeichnete Dürr ein Auftragsplus von 56% auf 373 Millionen Euro. Die Aufträge sind breit gefächert. Neben zwei Fahrzeugherstellern, die ihre bestehenden Werke modernisieren hat die Tochter Homag einen Großauftrag von einem hiesigen Küchenhersteller an Land gezogen.

Besonders erfreut zeigte sich der Konzern auch über einen Großauftrag für Lackiertechnik eines japanischen Konzerns in den USA. In der Regel werden solche Aufträge meist konzernintern vergeben. Daher schreibt der Dürr-Konzern dem Auftrag auch eine „Signalfunktion“ zu.

Jahresziele ambitioniert, aber erreichbar

Trotz des Gewinnknicks im zweiten Quartal hält der Automatisierungsspezialist an seinen Zielen fest. Mit einem Jahresumsatz zwischen 3,7 und 3,9 Milliarden Euro könnten die alten Rekordwerte (3,77 Milliarden Euro) geknackt werden. Bei der Vorsteuermarge strebt Dürr weiterhin eine Range zwischen 7,4 und 7,8% an, auch wenn das Ziel laut Konzernführung zunehmend ambitioniert ist.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.