Dürr-Aktie: Spezialist für Lackierroboter setzt Talfahrt ungebremst fort

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

Dürr: Aktie des Herstellers von Lackierrobotern markiert neues Jahrestief. Kann der Anlagenbauer seine reduzierte Prognose halten? (Foto: Dürr AG)

Wer in Aktien des Spezialmaschinenbauers Dürr investiert hat, braucht nun wirklich harte Nerven. In weniger als sechs Monaten hat sich der Kurs der Papiere nahezu halbiert. Vom dem Kurshoch aus dem Herbst 2017 hat sich die Aktie inzwischen beinahe 65% entfernt.

Dabei wird der Konzern gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: Die Kunden aus der Automobilindustrie zögern ebenso mit Aufträgen wie die Kunden aus der holzverarbeitenden Industrie. Das macht sich auch in der reduzierten Jahresprognose bemerkbar.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

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Dürr muss Prognose reduzieren

Wenig verwunderlich musste der Konzern Ende Juli dann doch bei seiner Jahresprognose zurückrudern. Statt der bisher prognostizierten Vorsteuergewinn-Marge (EBIT) von 6,5 bis 7,0 % wird nun eine Bandbreite von 5,5 bis 6,0 % erwartet. Die neue Zielbandbreite für das EBIT vor Sondereffekten beträgt 6,0 bis 6,5 % (zuvor: 7,0 bis 7,5 %).

Vor allem die sinkenden Margen im Bereich der Holzmaschinen infolge des rückläufigen Marktvolumens sorgen für deutlichen Gegenwind. Hinzu kommen deutliche Umsatzrückgänge im margenstärkeren Chinageschäft und überproportional zum Umsatz steigende Material- und Personalkosten.

Das für 2020 formulierte Ziel für die EBIT-Marge des Konzerns (7,0 bis 8,0 %) wird derzeit vor dem Hintergrund der schwierigeren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen überprüft.

Vorstand kauft eigene Aktien

Trotz der verhaltenen Aussichten zeigte sich nach der Gewinnwarnung der Vorstand von Dürr, Ralf W. Dieter, zuversichtlich und stockte seine Aktienbeteiligung weiter auf. Bei einem Kurs von 27,60 Euro legte er sich Ende Juli 3.600 Aktien ins Depot. Für die Transaktionen musste Dieter 99.360 Euro auf den Tisch legen. Nach dem jüngsten Kursrückgang notieren die Papiere mit 21,43 Euro deutlich unter dem Kaufniveau des Firmeninsiders.

Analysten erwarten Gewinnerholung in 2020

Unterdessen rechnen die Analysten nur mit einem vorrübergehenden Gewinnrückgang. Die Konsensschätzungen gehen von einem Rückgang in 2019 auf 2,05 Euro Gewinn je Aktie (2018: 2,27 Euro) aus. Im 2020 soll dann der Gewinn je Anteilschein wieder auf 2,33 Euro nach oben klettern. Damit läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 9 bei einer Dividendenrendite von rund 4,7%. Sollte sich die konjunkturelle Lage wieder bessern, dürfte sich Geduld für die investierten Dürr-Anleger auf mittlere Sicht auszahlen. Einen ersten Anhaltspunkt dürften die Neunmonatsergebnisse liefern, die der Konzern Anfang November seinen Investoren präsentiert.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.