Dürr-Aktie stemmt sich gegen den schwachen Trend

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

Die Dürr-Aktie ist im Aufwind und liefert ein zweistelliges Kursplus nach den Zahlen - die Elektromobilität beflügelt die Geschäfte. (Foto: Dürr AG)

Die Anleger waren nach zwei Gewinnwarnungen im zurückliegenden Jahr auf eine schwache operative Entwicklung bei Dürr eingestellt. Dass es nun nicht ganz so schlimm wie befürchtet kam, hat der Aktie in einem extrem schwachen Marktumfeld sogar kurzfristig Auftrieb verliehen. Vor allem die Geschäftsentwicklung in den USA durch den Hype bei E-Mobil-Herstellern dürfte die Anleger gefreut haben.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Geschäft in den USA brummt

Im vergangenen Jahr legte Dürr beim Umsatz leicht um 1,3% auf 3,9 Milliarden Euro zu. Vor allem die Geschäfte in den USA sorgten mit einem Absatzplus von 70% für Rückenwind. Da dort immer mehr E-Mobil-Hersteller neue Fabriken bauen, kann Dürr dort mit seinen Lackieranlagen punkten. Rund 10% der Erlöse stammen mittlerweile aus dem Elektromobilsegment. Allein im zweiten Halbjahr brachte der Konzern drei Großaufträge im Lackiertechnik-Bereich in trockene Tücher. Inzwischen hat Dürr die Milliardenmarke beim Umsatz in den USA geknackt.

Probleme in der Möbel- und Holzindustrie

Deutlich schlechter lief es allerdings bei der Tochtergesellschaft Homag, die für massive Bremsspuren sorgte. Nachdem die Nachfrage bei Maschinen für die Holz- und Möbelindustrie eingeknickt war, ließ Dürr den Rotstift kreiseln und baute über 8% der Belegschaft ab. Ein Teil der Restrukturierungskosten fiel bereits in 2019 an und belastete das Ergebnis. Unter dem Strich schmolz das operative Ergebnis auf 196 Millionen Euro zusammen (-16%), der Nettogewinn ging sogar knapp 20% auf 133 Millionen Euro in den Keller.

Coronavirus sorgt für Gegenwind

Im laufenden Geschäftsjahr peilt Dürr wieder eine Vorsteuergewinnmarge von 5,2 bis 5,7% an. Auch wenn bislang keine Aufträge storniert wurden, rechnet der Konzern mit einer Belastung durch das Coronavirus: Unter dem Strich soll die Virus-Welle im laufenden Quartal 50 bis 70 Millionen Euro Umsatz und 10 Millionen Euro operatives Ergebnis kosten. Das liegt hauptsächlich an den Quarantänemaßnahmen in China, die dafür sorgen, dass zu wenig LKW-Fahrer zur Verfügung stehen.

8% Vorsteuergewinnmarge bis 2023 geplant

Für das laufende Jahr liegt die Prognosespanne beim Umsatz zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden Euro. Zugleich soll sich die Vorsteuergewinnmarge (EBIT) von 5% in 2019 auf 5,2 bis 5,7% verbessern. Auf mittlere Sicht will Dürr dann sogar die 8%-Marke knacken.

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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