Dürr-Aktie: Wie es nach der Gewinnwarnung weitergeht

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Dürr-Aktie: Kurssprung nach Gewinnwarnung. Hoher Auftragseingang und Sparmaßnahmen bei Holztochter Homag lassen Anleger hoffen (Foto: Jenson/Shutterstock)

Eine beeindruckende Kursrally hat die Aktie des Anlagenbauers Dürr in den vergangenen vier Wochen aufs Parkett gelegt. Unter dem Strich legten die Papiere um beinahe 50% an Wert zu. Das erscheint vor dem Hintergrund der erst kürzlich reduzierten Gewinnprognose auf den ersten Blick etwas merkwürdig.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Drittes Quartal weniger schlimm als befürchtet

Im dritten Quartal verbuchte der Dürr-Konzern einen Umsatz von rund 994 Millionen Euro. Das war ein Plus gegenüber dem Vorjahresquartal von 0,9%. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich um 13,6% auf 58,9 Millionen Euro. Bereinigt ging es um 6,6% auf 64,6 Millionen Euro zurück. Nach Steuern verdiente der Anlagenbauer mit 38,4 Millionen Euro 8,8% mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit lagen die Ergebnisse durchweg über den Schätzungen der Analysten.

Maschinenbauer lässt den Rotstift kreiseln

Schwach läuft es hingegen weiter bei der Tochter Homag, die den starken Gegenwind auf Grund der schwachen Nachfrage in der Möbelindustrie zu spüren bekommt. Sie müssen wissen: Die Homag Group stellt Maschinen und Anlagen für die Möbel- und Holzbauindustrie her.

Daher greift das Management jetzt durch und will bis zum Jahr 2020 rund 350 der deutschlandweit 4 100 Stellen streichen. Der Vorstand wies auch auf ein Missverhältnis zwischen dem Anteil der Beschäftigung in Deutschland und dem Umsatz hin – Den Angaben zufolge arbeiten zwei Drittel der Homag-Belegschaft in Deutschland, aber 80% des Umsatzes werden im Ausland erzielt.

Prognose wird abermals gekappt

Die Folge ist die zweite Gewinnwarnung im laufenden Jahr. Das Nettoergebnis 2019 soll nur noch zwischen 115 und 130 Millionen Euro liegen und damit deutlich unter der bisherigen Prognose. Für Sie zum Vergleich: Bislang peilte Dürr eine Spanne zwischen 145 und 160 Millionen Euro an. Dementsprechend wird auch die operative Gewinnmarge nach Sondereffekten zusammenschmelzen. Der Vorstand rechnet mit 4,4 % bis 4,9 % statt 5,5 % bis 6,0 %. Ursprünglich war der Konzern mit dem Ziel einer operativen Marge von 6,5 % bis 7 % ins Jahr gestartet.

Vor allem die Einmalkosten für den Personalabbau dürften mit 40 Millionen Euro deutlich ins Kontor schlagen. Allein im laufenden Geschäftsjahr sollen 37 Millionen Euro verbucht werden. Zusätzlich drückt eine außerordentliche Wertberichtigung wegen eines laufenden Rechtsstreits die Ergebnisse um 6 Millionen Euro nach unten.

Fazit: Die jüngste Kursrally dürfte den im Vorfeld der Zahlen deutlich gedämpften Erwartungshaltung der Anleger geschuldet gewesen sein. Mit einer operativ soliden Entwicklung und einem überraschend robusten Auftragseingang konnte Dürr bei den Anlegern punkten. Dem Problembereich Homag begegnet der Konzern mit deutlichen Sparmaßnahmen, die mittelfristig die Profitabilität steigern werden. Kurzfristig dürften es jedoch an positiven Impulsen mangeln und das zusätzliche Potenzial vor dem Hintergrund der starken Kursrally eher begrenzt sein.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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