Dürr: Anlagenbauer mit durchwachsenem Zahlenwerk

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

Dürr: Anlagenbauer öffnet seine Bücher. Investoren bemängeln die schwachen Gewinnmargen und schicken die Aktie auf Talfahrt. Einen Hoffnungsschimmer sendet aber das starke Auftragsplus. (Foto: Dürr AG)

Steil abwärts ging es zuletzt mit den Papieren des Weltmarktführers für Lackierroboter Dürr. Nach Vorlage der Ergebnisse für das abgelaufene Quartal sackte die Aktie kurzzeitig auf den tiefsten Stand seit Januar dieses Jahres. Auch wenn sich im Verlauf der Börsensitzung die Verluste wieder etwas verringerten – zufrieden waren die Anleger mit dem präsentierten Geschäftsverlauf keineswegs.

Entsprechend schwach zeigt sich auch der Kursverlauf. Seit Ende April sackte die Aktie um mehr als 20% in den Keller. Inzwischen notieren die Anteilscheine beinahe 44% unter dem Allzeithoch, das im Herbst 2017 erreicht wurde.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Dürr Roboter Lackiereri RED – Dürr AG

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Wachstum vor allem dank Zukauf

Auf den ersten Blick sahen die Ergebnisse gar nicht mal schlecht aus. Immerhin kletterten die Umsätze im Startquartal um 13% auf beinahe 950 Millionen Euro nach oben. Allerdings steuerte das im Oktober 2018 akquirierte Umwelttechnikunternehmen Megtec/Universal einen Großteil zum Wachstum bei. Organisch, also ohne Zukäufe und um Wechselkurseffekte bereinigt, lag das Umsatzwachstum lediglich bei 5,9%.

Hohe Kostenbasis und Wechselkurse sorgen für Gegenwind

Weniger erfreulich fiel das Ergebnis aus. Hier belasteten neben der gestiegenen Kostenbasis vor allem auch negative Währungseffekte. Unter dem Strich sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 48,6 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von 5% und einer Vorsteuergewinnmarge (EBIT) von 5,1%. Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag die EBIT-Marge noch bei 6,1%. Beim Nettogewinn blieben mit 33 Millionen Euro 4,4% weniger übrig als im Vorjahr.

Auftragseingang sendet Hoffnungsschimmer

Wie bereits erwähnt, es gab Licht und Schatten im Zahlenwerk des Anlagenbauers. Gefallen hat den Analysten auf jeden Fall der Auftragseingang, der sich um 8,5% auf 1,1 Milliarden Euro verbesserte. Besonders stark legten die Aufträge im Geschäftsbereich Lackier- und Endmontagelinien für die Autoindustrie zu. Dürr erhielt unter anderem einen Großauftrag in Mexiko für den Bau einer Lackiererei für einen US-Autohersteller und konnte größere Aufträge in Algerien und Indien ergattern.

In der Sparte Homag, die Maschinen und Anlagen für die Möbel- und Holzbauindustrie herstellt, gingen die Aufträge allerdings auf 334,6 Millionen Euro und damit um knapp ein Fünftel zurück. Allerdings müssen Sie wissen, dass der extrem hohe Vorjahreswert durch einen Großauftrag verzerrt worden war.

Firmenchef hält an Prognose fest

Unterdessen bestätigte der Unternehmenschef Ralf Dieter die Prognosen für das Gesamtjahr. So soll der Konzernumsatz auf 3,9 bis 4,1 Milliarden Euro klettern und könnte damit erstmals die magische Milliarden-Marke knacken. Die Vorsteuergewinnmarge soll zwischen 6,5 und 7% liegen. Dabei sollen vor allem Kostensenkungsmaßnahmen zur Ergebnisverbesserung beitragen.

Fazit: Die Anleger zeigten sich vor allem von der schwachen Gewinnentwicklung enttäuscht. Die ohnehin recht niedrigen Prognosen konnten nicht erreicht werden. Positiv stach im Zahlenkranz allerdings das kräftige Plus beim Auftragseingang heraus. Dass die Prognose bestätigt wurde, ist ebenfalls positiv zu werten. Allerdings dürfte das Erreichen vor dem Hintergrund des verhaltenen Jahresstarts keine leichte Aufgabe werden.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.