Dürr: Konzernchef des Anlagenbauers blickt trotz Verlust optimistisch in die Zukunft

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Der Anlagenbauer Dürr rutscht corona-bedingt in die Verlustzone. Doch eine deutlich anziehende Geschäftsdynamik sendet Hoffnungsschimmer. (Foto: Jenson/Shutterstock)

Beim Familienunternehmen hat man das herausfordernde Corona-Jahr bereits abgehakt und blickt optimistisch in die Zukunft. Die Corona-Delle mit dem spürbaren Umsatz- und noch deutlicheren Gewinneinbruch hakte Firmenboss Ralf Dieter bei Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen als vorübergehendes Phänomen ab. Fest steht: In diesem Jahr feiert der Traditionskonzern sein 125-jähriges Firmenjubiläum und peilt die Rückkehr auf den Wachstumspfad an.

Dürr – mehr als nur Lackierroboter

Bevor ich auf die vorläufigen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen noch näher vorstellen. Der Maschinenbauer ist nämlich ein richtiger Traditions-Konzern, der bereits im Jahr 1895 gegründet wurde und sich weiterhin (zu 28,8%) in den Händen der Gründer-Familie befindet.

Das Unternehmen ist bekannt für seine Großserien-Lackierereien und Lackier-Roboter. Mehr als 65% der Umsätze erzielt Dürr mit der Automobil-Industrie. Das Angebot umfasst aber auch ein breites Produkt-Spektrum für den Maschinenbau, die chemische und seit der Übernahme von Homag in 2014 auch die holzverarbeitende Industrie.

Besonders hervorzuheben ist die weltweite Präsenz des Konzerns: Dürr betreibt über 90 Standorte (davon 50 Produktions-Einrichtungen) in 28 Ländern und hat eine hervorragende Präsenz in den Schwellenländern, auf die ~50% des Konzern-Auftragseingangs und ~30% der Belegschaft entfallen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Dürr ist vorwiegend in oligopolistischen Nischen-Märkten mit begrenztem Wettbewerb aktiv. In fast allen Geschäftsbereichen hält der Konzern marktführende Positionen mit einem Marktanteil von oft mehr als 40%. Als unangefochtener Platzhirsch (Marktanteil >50%) in den Schwellenländern ist das Unternehmen gut positioniert, um vom Automobil-Boom in diesen Märkten im Zuge eines anhaltenden Nachhol-Bedarfs zu profitieren.

Gewinnmarge rutscht deutlich in den Keller

Auch wenn der Anlagenbauer im zweiten Halbjahr eine anziehende Geschäftsdynamik verzeichnen konnte, die Bremsspuren der Corona-Pandemie waren im Gesamtjahr deutlich sichtbar. Während der Umsatz um 15,2% auf 3,33 Milliarden Euro zurückging, schrumpfte der operative Gewinn drastisch um 94,3% auf 11,1 Millionen Euro zusammen. Entsprechend stark ging die EBIT-Marge von 5% auf 0,3% zurück. Am Ende rutschte Dürr sogar in die Verlustzone. Nach einem Vorjahresgewinn von 130 Millionen Euro stand nun ein Jahresverlust von 13,9 Millionen Euro in den Büchern.

Rückkehr auf den Wachstumspfad im laufenden Jahr

Für das laufende Jahr sieht Konzernchef Ralf Dieter wieder Licht am Ende des Tunnels. Beim Umsatz erwartet Dieter einen Anstieg auf 3,45 bis 3,65 Milliarden Euro. Zeitgleich soll sich die operative Gewinnmarge (EBIT) wieder auf 3,3 bis 4,3% verbessern.

Hierzu verweist der Konzern auch auf sein eingeführtes Sparprogramm. Zum Hintergrund: Als Reaktion auf die Pandemie hat Dürr auf die Kostenbremse gedrückt. Rund 120 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr eingespart worden. Zudem wurden die Investitionen um ein Viertel auf 76,4 Millionen Euro zusammengestrichen und der Abbau von rund 600 Stellen im europäischen Automotive-Geschäft in die Wege geleitet.

Zukauf soll Abhängigkeit von Automobilindustrie verringern

Darüber hinaus will Dürr die Abhängigkeit von dem stark zyklischen Automobilmarkt verringern. Zuletzt hat der Konzern das Freiberger Automatisierungsspezialisten Teamtechnik übernommen. Die Firma stellt Anlagen für die Montage und Prüfung medizintechnischer Produkte sowie Prüfanlagen für Elektroantriebe her. Auf Teamtechnik-Anlagen werden beispielsweise Einwegspritzen, Nasenspray-Systeme oder Eintages-Kontaktlinsen in hohen Stückzahlen produziert. Die Freiberger erwirtschafteten zuletzt mit 730 Mitarbeitern einen Umsatz von 140 Millionen Euro.

Diesen Bereich will Dürr künftig deutlich ausbauen und sich damit unabhängiger von Konjunkturschwankungen machen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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