Dürr Aktie stößt mit Homag in neue Dimensionen vor

Der Autoindustrie geht es gut.

2014 wurden weltweit 86,2 Mio. Pkw und kleine Nutzfahrzeuge produziert. Im laufenden Jahr dürfte sich das Produktionswachstum im Gleichschritt mit dem erwarteten BIP-Wachstum von 3,4% entwickeln.

China steuert sogar auf einen Zuwachs von 9% zu und wird seine Führungsposition im Automobilbau verteidigen. In Europa und Nordamerika ist das Marktumfeld dank niedriger Zinsen und Treibstoffpreise ebenfalls günstig. Aber auch langfristig sind die Aussichten für die Autoindustrie gut.

Branchenexperten rechnen bis 2019 mit einem jährlichen Produktionswachstum von 4,4% auf 106 Mio. Pkw und kleine Nutzfahrzeuge. Als Weltmarktführer sollte es Dürr gelingen, noch stärker zu wachsen.

Dürr erfüllt die 3-Filter- Kriterien

Der Anlagenbauer erfüllt die Kriterien der 3-Filter-Strategie nach James O’Shaughnessy: 1. Seit dem Verlustjahr 2009 hat der Konzern den Gewinn kontinuierlich gesteigert. 2. Bei einem für 2015 geschätzten Umsatz von 3,45 Mrd. € errechnet sich ein KUV von 0,9. 3. Die Aktie hat sich in den vergangenen 12 Monaten besser entwickelt als der Vergleichsindex MDAX.

Starker Auftakt trotz Sonderlasten

Hatte Dürr bereits 2014 dank der guten Autokonjunktur positiv überrascht, gelang auch der Start ins neue Jahr. Im 1. Quartal sorgte die seit Oktober konsolidierte Homag Group für ein Umsatzwachstum von 58% auf 849 Mio. €.

Auftragseingang und -bestand erreichten mit 895,5 Mio. € und 2,9 Mrd. € ebenfalls neue Rekorde. Alle Geschäftsbereiche haben zum Umsatz- und Auftragswachstum beigetragen. Das operative Ergebnis stieg um 7,3% auf 47,4 Mio. €.

Abschreibungen von 11,5 Mio. € im Zusammenhang mit der Homag-Übernahme bremsten die Ergebnisentwicklung. Unterm Strich verdiente Dürr 16,5 Mio. €. Das sind 43% weniger als im Vorjahr. Belastet haben deutlich höhere Zins- und Steuerlasten, die ebenfalls mit Homag zusammenhängen.

Konkrete und realistische Jahresprognose

,Die Autoindustrie dürfte auch in den kommenden Quartalen die Geschäftsentwicklung bei Dürr beflügeln. Aber auch Holzbearbeitungsmaschinen haben in diesem Jahr Konjunktur.

Der Branchenverband VDMA rechnet in diesem Segment mit einem Umsatzwachstum von 3%. Zum Vergleich: Für den gesamten Maschinenbau lau tet die Prognose 2%. Vor diesem Hintergrund hat das Dürr-Management einen optimistischen und vor allem konkreten Ausblick abgegeben.

Der Umsatz soll auf 3,4 bis 3,5 Mrd. €, der Auftragseingang auf 3,2 bis 3,5 Mrd. € und der Auftragsbestand auf 2,4 bis 2,8 Mrd. € steigen. Der Nettogewinn wird ebenfalls etwas höher erwartet. Denn die Sondereffekte werden im weiteren Jahresverlauf spürbar abnehmen. Die viel beachtete operative Marge werde aber von 8,6% auf 7,0 bis 7,5% zurückgehen.

Wir halten die Ziele zumindest für realistisch. Dafür spricht schon die Auftragslage. Im 1. Quartal betrug die Book-to-Bill-Ratio immerhin gute 1,06. Zudem profitiert Dürr von der Euro-Schwäche, da der Großteil der Umsätze außerhalb der Eurozone erwirtschaftet wird.

Wenn also die Geschäfte weiter so gut laufen, könnte der Konzern seine Ziele im 2. oder 3. Quartal durchaus noch höher stecken. Schon in der Vergangenheit hat Dürr oftmals besser abgeschnitten als erwartet. Konservative Prognosen haben bei Dürr Tradition.

Homag wird jetzt auf Rendite getrimmt

Um mittelfristig wieder Margen von mehr als 8% zu erwirtschaften, muss Homag die Rentabilität deutlich steigern. Vor kurzem startete das Optimierungsprogramm FOCUS.

Schwerpunkte sind die Stärkung der Position in den wichtigsten Möbelmärkten China und Nordamerika, der Ausbau des Service-Geschäfts, die Erneuerung der IT-Systeme und die effizientere Gestaltung der Produktionsprozesse. Das Programm verschlingt im laufenden Jahr Einmalkosten von maximal 10 Mio. €.

Ziele sind ein Umsatz von 1,25 Mrd. € und eine operative Marge von 8 bis 10% im Jahr 2020. Im Gesamtkonzern soll der Umsatz bis dahin auf 5 Mrd. € steigen. Davon will Dürr 4 Mrd. € aus eigener Kraft schaffen. Akquisitionen kommen erst dann in Betracht, wenn Homag „verdaut“ ist.

Fazit

2015 ist ein Übergangsjahr mit Sonderbelastungen, wie sie üblicherweise bei Akquisitionen anfallen. Mittelfristig werden sich die Optimierungsmaßnahmen bei Homag auszahlen. Ab 2016 rechnet Dürr mit jährlichen Einsparungen von 2,3 Mio. €.

Eine operative Marge von 8% könnte daher schon im kommenden Jahr wieder Realität werden. Das 2015er-KGV von 20 ist zwar üppig, dürfte sich aber ab 2016 deutlich verringern. Im Übrigen ist ein Bewertungsaufschlag bei einem Weltmarktführer wie Dürr gerechtfertigt.

3. Juli 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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