Düstere Aussichten in der Autoindustrie

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Auch wenn die Produktion allmählich wieder hochgefahren wird, rechnen die Autobauer im laufenden Jahr mit einem deutlichen Absatzeinbruch. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Die Autoindustrie befand sich schon 2019 im Sinkflug. Weltweit gingen die Absatzzahlen um 5% auf 78,8 Mio. Fahrzeuge zurück. Es war der stärkste Rückgang in den vergangenen 20 Jahren. Ursächlich waren vor allem der allgemeine Konjunkturabschwung sowie der Handelsstreit zwischen China und den USA. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Corona-Pandemie hat den Druck, der auf der Branche lastet, noch verstärkt.

In allen Regionen kam die Produktion zum Erliegen. Auch wenn die Produktion allmählich wieder hochgefahren wird, rechnen die Autobauer im laufenden Jahr mit einem deutlichen Absatzeinbruch. Einige werden vermutlich auch in die roten Zahlen rutschen.

Der tatsächliche Umfang der Auswirkungen lässt sich zwar noch nicht abschätzen. So viel dürfte aber schon jetzt klar sein: Das 2. Quartal wird das schwächste des gesamten Jahres, weil erst dann die Auswirkungen der Pandemie voll zum Tragen kommen. Schon fordern die deutschen Hersteller staatliche Hilfen in Form von Kaufprämien für Fahrzeuge auch mit Verbrennungsmotor. Mit einer Entscheidung ist im Juni zu rechnen.

E-Mobilität hat höchste Priorität

Die Autoindustrie befindet sich nach wie vor in einem historischen Umbruch, der die Hersteller vor große Herausforderungen stellt. Um die erforderlichen Investitionen stemmen und die technologischen Probleme lösen zu können, wurden Partnerschaften geschmiedet. Denn wer den Wandel nicht schafft, wird das Nachsehen haben, besonders im wichtigen Markt China. Im laufenden und dem kommenden Jahr werden immer mehr E-Modelle auf den Markt kommen. Das allein reicht aber nicht. Die Fahrzeuge müssen auch lange Reichweiten und kurze Ladezeiten haben, und sie müssen erschwinglich sein.

Das heißt: Das E-Auto muss das Preisniveau eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor erreichen. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden E-Autos den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen. Die E-Mobilität hat aber auch ihre Schattenseiten. Expertenschätzungen zufolge könnten bei den Herstellern und Zulieferern bis 2030 schlimmstenfalls 400.000 Arbeitsplätze verlorengehen. Denn in E-Autos sind deutlich weniger Teile verbaut. Zudem steigt die Automatisierung in der Produktion, und immer mehr Autos werden im Ausland produziert.

Verschärfte Abgasvorschriften

Eine große Herausforderung bleibt auch der CO2- Grenzwert von 95 g/km in der EU. Den Autokonzernen drohen 2021 Geldbußen von insgesamt mehr als 14,5 Mrd. €, wenn sie den Grenzwert nicht einhalten. Denn für jedes Gramm zu viel CO2 werden 95 € fällig. Wer also bei 2 Mio. Zulassungen den Grenzwert um 5 g verfehlt, muss 950 Mio. € zahlen. Schon aus diesem Grund müssen die Fahrzeughersteller die E-Mobilität forcieren.

Fazit

Volkswagen könnte als Sieger aus der Krise hervorgehen. Für den Konzern sprechen die Größe, die Fortschritte in der E-Mobilität und die solide Finanzierung. Ein Risiko bleibt der Dieselskandal. Der könnte für Volkswagen teuer werden. Der BGH kam zu dem Ergebnis, dass eigentlich alle Dieselkunden wegen unzulässiger Abgastechnik sittenwidrig geschädigt wurden und deshalb den vollen Kaufpreis erstattet bekommen müssen. Bei Peugeot und Fiat Chrysler hängt die weitere Entwicklung von einem schnellen Erfolg der Fusion ab. Tesla ist hoch bewertet und nur für Anleger mit starken Nerven interessant.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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