Durst nach Wasseraktien

Immer noch ist Öl der Rohstoff, der im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit steht und gleichermaßen die Finanzmärkte bewegt. Das wird sich […] (Foto: Tobias Steinert / shutterstock.com)

Immer noch ist Öl der Rohstoff, der im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit steht und gleichermaßen die Finanzmärkte bewegt. Das wird sich sicher so schnell nicht ändern, aber ich denke, dass es gerade in diesen heißen Sommertagen angebracht ist, sich genauer mit einem anderen wichtigen Rohstoff zu befassen. Zukunftsforscher sagen, im 21. Jahrhundert wird Wasser der wichtigste Rohstoff sein. Wasser ist knapp, sehr knapp sogar. Das zeigt nicht nur die aktuelle Dürre im Süden Englands. Wussten Sie, dass nur 1% (!) der weltweiten Wasservorräte als Trinkwasser genutzt werden kann? Alles andere ist Meerwasser oder Eis der Antarktis oder Arktis.

Heute schon haben 20% der Weltbevölkerung keinen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser. Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser dürfte an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Bisher waren Wasserunternehmen für Anleger weniger interessant, die meisten Versorger sind in kommunaler Hand. Doch das ändert sich, die Privatisierung der Branche schreitet voran.

Ein Beispiel ist der britische Versorger Thames Water, zurzeit im Besitz der RWE AG, die seit einiger Zeit versucht ihre Beteiligung zu versilbern. Der Weg an die Börse, ursprünglich beabsichtigt, scheint im Moment versperrt. Denn Thames Water hat leider enorme Probleme. Zunächst muss das Unternehmen  zusätzlich 150 Mio. Britische Pfund zur Behebung von Leckagen im maroden Wassernetz von London zu investieren. Dabei wird Thames Water bis zum Jahr 2010 mehr veraltete Wasserleitungen als ursprünglich angekündigt erneuern. Jetzt sucht RWE einen Finanzinvestor. Einen Börsengang hat RWE bereits für sein US-Wassergeschäft American Water beschlossen. Der Wert von Thames Water und American Water wird auf insgesamt rund 16 Mrd. Euro geschätzt. Ein Verkauf oder IPO dürfte die Kassen von RWE in jedem Fall gut füllen.

Weitere Kandidaten auf unserer Wasseraktienliste sind die französischen Versorger Suez Lyonnaise und Veolia, vormals Vivendi Environment.Vivendi hält noch 20% der Anteile, will sich aber auch von seiner Wassersparte trennen. Beide Aktien haben seit dem Börsentief im Frühjahr schon wieder enorm zugelegt. Neben den Versorgeraktien zählen Ausrüster, hier der größte weltweite Anbieter General Electric, aber auch Wasserproduzenten wie Nestle zu diesem Sektor.

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Reine Wasseraktien wie Veolia sind selten. Aber zusätzliche existieren einige Wasserfonds oder Zertifikate, welche die Wertentwicklung von Aktienkörben nachzeichnen, aber breiter gestreut sind und somit die Risiken besser abfedern.  Beispiele sind der mit einem Anlagevolumen von 1,3 Mrd. Euro größte Fonds, der Pictet Water Fund,  sowie der SAM-Fond der Sustainable Asset Management. Zertifikate emittieren ABN Amro, Société Générale, UBS und die West LB. Wasseraktien sind, wie alle Umweltaktien, etwas für langfristig orientierte Anleger. Auf den großen Boom müssen wir noch eine Weile warten.

Einen erfolgreichen Börsentag wünsche ich Ihnen.

Susanne Schmitt

Autorin „Investor´s Daybreak“


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.