DWS mit holprigem Börsenstart

Der größte deutsche Vermögensverwalter geht an die Börse. Kritik wird laut über die gewählte Rechtsform. Zu Recht. (Foto: Deutsche Börse AG)

Eine Woche nach Siemens hat am vergangenen Freitag mit der Deutschen Bank ein weiterer DAX-Konzern eine Tochtergesellschaft an die Börse gebracht: Die DWS, weltweit agierender Vermögensverwalter: Anvertrautes Kapital: Rund 700 Milliarden Euro.

Minimalziel erreicht

Mit 32,50 Euro lag der Ausgabepreis der DWS-Aktien unter der Mitte der ursprünglichen Preisspanne von 30 bis 36 Euro. Dennoch wurde der Börsengang von Unternehmensvertretern – wenig verwunderlich – als Erfolg bezeichnet. Dabei hatte sich die Deutsche Bank noch zu Beginn der Zeichnungsperiode einen wesentlich höheren Erlös erhofft: Doch vom ersehnten Wert DWS von 8 Mrd. Euro ist die Aktie mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 6,5 Mrd. Euro weit entfernt.

Mitverantwortlich für den Bewertungsabschlag ist die gewählte Rechtsform des Börsenkandidaten. Die DWS firmiert nämlich als DWS Group GmbH & Co. KGaA. Hinter diesem sperrigen Firmennamen steht eine Gesellschaftsform, die Kommanditgesellschaft auf Aktien, die den Aktionären weit weniger Rechte gewährt als die gängige AG oder auch die  SE, die Societas Europaea, beliebte Rechtsform für Aktiengesellschaften in der Europäischen Union.

Keine aktionärsfreundliche Gesellschaftsform

Die Bei der KGaA handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, bei der an Stelle eines Vorstandes eine persönlich und voll haftende Gesellschafterin, die Komplementärin, steht. Der Aktionär übernimmt die Funktion des Kommanditisten, der für die Kapitalbeschaffung verantwortlich ist. Daher ist die KGaA bei vielen geschlossenen Fonds gängige Rechtsform.

Durch ihre unbegrenzte Haftung besitzen die Komplementäre eine wesentlich stärkere Stellung als der Vorstand in der AG: So ist deren Zustimmung bei allen außergewöhnlichen Geschäftsführungsmaßnahmen und Grundlagengeschäften erforderlich. Kurzum: Gegen den Willen der persönlich haftenden Gesellschafterin können keine unpopulären Entscheidungen getroffen werden.

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Was bei einem persönlich haftenden Kaufmann, der mit seinem gesamten Privatvermögen und damit seiner persönlichen Existenz für seine Entscheidungen haftet, nachvollziehbar ist, wird bei einer GmbH & Co. KGaA zur Farce. Denn dort ist der voll haftende Komplementär eine GmbH, deren Haftung, wie der Name schon sagt, beschränkt ist.

Wer im Glashaus sitzt

Delikat wird die Rechtsform bei der DWS aber aus einem ganz anderen Grund: Denn die DWS ist als Asset Manager selbst Großaktionärin bei börsennotierten Gesellschaften und verlangt in dieser Funktion von den Vorständen angemessene Mitspracherechte – die sie wiederum ihren eigenen Aktionären nicht zugestehen will.

Vielmehr wird die Kontrolle der DWS auch in Zukunft alleine bei der Deutschen Bank liegen – und zwar unabhängig von der Zahl der Aktien, die sie an der Vermögensverwaltungstochter hält. Ein demokratisches Aktionärsbewusstsein sieht anders aus. Und sie ist auch nicht mehr zeitgemäß: Eine derartige Ungleichbehandlung von Aktionären entspricht nicht den heutigen Anforderungen an gute Unternehmensführung, neudeutsch Corporate Governance genannt.

Hohe Quote für Privatanleger

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die institutionellen Investoren mit einer Zeichnung der DWS-Aktien schwergetan haben. Zwar wurde die Zurückhaltung zu einem „ungewöhnlich starken Zuspruch“ schönformuliert, den die DWS-Aktien bei Privatanlegern gefunden haben. Doch die kritischen Stimmen mehren sich: So kurz nach dem Börsengang ist dies: ungewöhnlich.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.