Dynegy-Übernahme: Deal steht nach On-Off-Gesprächen

Dynegy wird nach monatelangen Verhandlungen von Vistra übernommen. AmericanTargets-Leser sind erneut mit von der Partie. Hier mehr dazu: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Manchmal brauchen Übernahme-Verhandlungen mehrere Anläufe bis zum Durchbruch:

Seit Mai dieses Jahres soll der US-Energie-Erzeuger Dynegy mit dem größeren Branchen-Kollegen Vistra Energy über einen Deal verhandelt haben.

Doch erst jetzt steht die Übernahme: Vistra Energy kauft Dyngey für 1,74 Mrd. Dollar.

Werden die Dynegy-Schulden oben drauf gepackt, hat die Transaktion ein Volumen von rund 10 Mrd. Dollar.

Es ist der 5. Milliarden-Deal in der US-Energie-Branche – und wahrscheinlich auch nicht der letzte…

Schiefergas-Förderung zwingt Energie-Unternehmen zu Deals

Die US-Stromerzeuger stehen unter Druck – und zwar seit Jahren. Ein 1. Höhepunkt der Krise lag im Jahr 2011:

Damals brach die von Finanz-Investoren größte kreditfinanzierte Übernahme in der Branche unter einem gigantischen Schuldenberg zusammen.

Der Aufstieg der Schiefergas-Förderung, auch Fracking genannt, und Atomstrom-Subventionen sorgten bei Stromnetz-Betreibern und anderen Energie-Firmen anschließend für eine Preis-Erosion.

Viele der Energie-Konzerne, die noch bis heute noch nicht übernommen worden sind, ächzen unter einem riesigen Schuldenberg.

Andere Branchen-Spieler sind aus einer früheren Insolvenz hervorgegangen und nicht weniger hoch verschuldet; Schulden-Quoten vom 5-Fachen des operativen Gewinns sind der Standard.

Vistra Energy nimmt das Heft des Handelns in die Hand

Dynegy ist ebenfalls hoch verschuldet und die Profitabilität lässt zu wünschen übrig:

In den vergangenen 4 Quartalen musste ein Verlust ausgewiesen werden, die Erwartungen wurden 4x in Folge verfehlt.

Bei Bieter Vistra Energy dagegen läuft es ein wenig besser:

Zwar wurde auch dort im 2. Quartal die Analysten-Prognose verfehlt, doch das Unternehmen hat wenigstens Geld – oder besser gesagt: ist untypisch niedrig verschuldet.

Dies bot Vistra Handlungs-Spielraum und der Betrieb wusste, dass es schwierig wird, wenn auf die Konsolidierungs-Welle und die niedrigen Margen nicht reagiert wird.

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Dynegy, dessen Aktie selbst nach dem Übernahme-Angebot und inklusive Prämie vor 2,5 Jahren noch mehr als doppelt so viel wert war, kam da genau recht.

Übernahme bringt enorme Steuer-Vorteile und Synergien

Denn Vistra kommt durch die Übernahme in den Genuss großer Steuer-Vorteile dessen Wert auf 500 – 600 Mio. Dollar taxiert wird.

Durch eine breite Streuung der Aktivitäten soll das Risiko reduziert werden.

Zudem geht Vistra davon aus, dass man dank hoher Synergien weiterhin zu den effizientesten Firmen in der Branche gehören wird.

Und man weist seitens Vistra darauf hin, dass die Verschuldung (gemessen am operativen Gewinn) noch immer unterdurchschnittlich ist.

Der Deal ist also sehr positiv.

2 Dutzend Übernahmen –AmericanTargets-Leser erneut mit von der Partie

Die Vistra-Aktionäre sind da jedoch geteilter Meinung:

Nach dem Durchsickern der Übernahme-Pläne in der Vorwoche stieg die Aktie zunächst, gibt die Gewinne allerdings heute schon wieder ab.

Anders Dynegy: Obwohl die Aktie letzte Woche bereits einen Kurssprung von 17% vollzogen hat, geht es heute weitere 13% nach oben.

Wer in der Vorwoche zugriff, so wie die Leser meines Börsendienstes AmericanTargets, hat nach 4 Tagen ein Übernahme-Angebot incl. ca. 20%-Prämie auf dem Tisch.

Es lohnt sich also, die Augen im Übernahme-Geschäft offen zu halten.

Und wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, dann ist der nächste Treffer in der Energie-Branche nicht weit weg.

Dort vermute ich kanadische Käufer, die bereits im Vorjahr und zu Beginn dieses Jahres in den USA zugegriffen hatten.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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