E.ON-Aktie: Energie-Konzern rüstet sich gegen feindliche Übernahme

Die Talfahrt des Energie-Konzerns E.ON ist im Moment nicht zu stoppen:

Seit Jahresanfang verloren die Papiere gut 1/3 an Wert. Auf 5-Jahres-Sicht summieren sich die Verluste mittlerweile auf fast 70%.

Damit sind die Zeiten längst vorbei, als der Energie-Riese aufgrund seiner üppigen und konstanten Dividenden-Politik noch zu den Lieblingen der Anleger gehörte.

Jetzt hat sich das Bild komplett gewandelt: Nach der Abspaltung des Kraftwerk-Betreibers Uniper bringt es der DAX-Konzern gerade einmal auf einen Börsenwert von gut 12 Mrd. €.

Hedgefonds schielen auf E.ON

Damit rutscht der einstige Energie-Riese auch immer stärker in das Visier von potenziellen Käufern.

Das Ziel v. a. von Hedgefonds dürfte klar sein: Die Zerschlagung des Konzerns könnte deutlich mehr einbringen als der gesamte Konzern aktuell an der Börse wert ist.

Besonders mit dem Verkauf von Unternehmens-Bereichen wie dem Netzwerk-Geschäft oder der Ökostrom-Sparte könnte der Kaufpreis schnell wieder reingeholt werden.

Bereits im Frühjahr machten einzelne Investoren Druck und forderten vom Management eine Aufspaltung.

Zuletzt hielten sich auch hartnäckig Spekulationen, dass der aktivistische Investor Cevian aus Schweden an einem Einstieg interessiert sei.

Verteidigungs-Maßnahmen werden erneuert

Kein Wunder also, dass sich E.ONs Firmenriege in Stellung bringt:

Vorstands-Chef Johannes Teyssen hat ein neues Abwehrteam aus Banken und Anwälten zusammengestellt, um für einen möglichen feindlichen Übernahme-Versuch gewappnet zu sein.

Zugleich spielte Teyssen die Maßnahme in der Presse herunter und bezeichnete die Aktion als gewöhnliche Risiko-Vorsorge ohne einen konkreten Anlass.

E.ON schreibt Milliarden-Verlust

Warum der Börsenwert des Energie-Riesen in den Keller gerutscht ist, liegt auf der Hand. Denn operativ läuft es bereits seit Langem nicht mehr rund:

Alleine in den vergangenen 2 Jahren summierten sich die Verluste auf über 10 Mrd. € – und das bei gut 115 Mrd. € Jahres-Umsatz.

Auch nach der spektakulären Aufspaltung des bis dahin größten Energie-Konzerns Deutschlands läuft es weiter schleppend.

Dabei sollte die Abspaltung des notleidenden Geschäfts mit Kohle- und Gaskraftwerken im neuen Uniper-Konzern für E.ON einen Neustart in der Energiewelt ermöglichen.

Unterdessen wurden die Anleger mit den 9-Monats-Zahlen eiskalt überrascht. Denn nach der Trennung musste E.ON die Uniper-Beteiligung (E.ON hält immer noch 47% an dem Konzern) drastisch abschreiben.

Da das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken und dem Großhandel noch mit 15 Mrd. in der Bilanz bewertet war, mussten nach dem Börsengang mal eben 6,1 Mrd. € abgeschrieben werden.

Damit stieg der Fehlbetrag auf stolze 9,3 Mrd. €.

Altlasten belasten das Ergebnis

Dabei lief es im neuen Kerngeschäft mit einem Vorsteuer-Ergebnis von 1,9 Mrd. € (+13%) gar nicht einmal schlecht.

Aber notwendige Anpassungen bei den Pensions-Verbindlichkeiten und Kosten für den Atom-Ausstieg lasten weiter auf den Ergebnissen.

Auch für das Gesamtjahr ist Firmenchef Teyssen wenig optimistisch: Um gut 1/4 könnte das bereinigte Vorsteuer-Ergebnis einbrechen.

Die Aussichten sind also alles andere als rosig. Vor diesem Hintergrund erscheint ein schneller Deal mit einem Firmenjäger eher unwahrscheinlich.

2. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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