E.on Aktie – Halteempfehlung trotz Kursverlust

E.on Aktie nach roten Zahlen des Unternehmens unter Druck. Verkaufen oder halten? Lesen Sie selbst! (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Schlechte Zahlen für den Energieriesen E.on – Auch die E.on Aktie kann nicht punkten und muss Verluste hinnehmen.

Erste rote Zahlen der Unternehmensgeschichte

„Im Zeitraum April bis Juni mussten wir mit einem bereinigten Konzernüberschuss von minus 382 Millionen Euro erstmals in der Unternehmensgeschichte von E.on einen Quartalsverlust ausweisen“, meldete sich Konzernchef Johannes Teyssen im Halbjahresbericht zu Wort.

Lag der Konzernumsatz mit rund 53 Milliarden Euro noch etwa 20 Prozent über dem Vorjahresniveau, erwartet der Konzern nun ein bereinigtes Ebitda zwischen 9,1 und 9,8 Milliarden Euro und einen bereinigten Überschuss von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro.

Bislang hatte der Konzern ein bereinigtes Ebitda von 10,7 bis 11,4 Milliarden Euro prophezeit und einen bereinigten Überschuss von 3,0 bis 3,7 Milliarden Euro.

Als hauptsächlicher Grund für derart schlechte Zahlen, wurden die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genannt, wie sie sich mit der aktuellen Atompolitik der Bundesregierung ergeben haben, so der Konzern.

Aus Sicht der Ökonomin Claudia Kemfert ist jedoch nicht die Atomwende schuld an den Einbußen der großen Energiekonzerne. Vielmehr seien etwa bei E.ON vor allem langfristige Gaslieferverträge für die Verluste verantwortlich, sagte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Ein Blick in die Zukunft

Teyssen schwenkt nun auf einen harten Sparkurs ein. Die Kosten sollen spätestens 2015 jährlich um 1,5 Milliarden Euro niedriger gesenkt werden. E.on belastet aktuell ein Schuldenberg von 33,6 Milliarden Euro – nach Analysten der eigentliche Grund für die aktuell schlechten Zahlen des Unternehmens.

Die Zukunft des Konzerns wird daher vor Allem in klareren, effizienteren und schnelleren organisatorischen Verwaltungsstrukturen gesehen. Ganz in diesem Sinne sollen auch die E.ON Kraftwerke in Hannover und die Münchner Tochter E.ON Energie mit der E.ON AG in Deutschland verschmolzen werden.

”In den letzten Jahren ist es trotz zahlreicher Anstrengungen nicht gelungen, unsere Verwaltung zu vereinfachen. Wir müssen aber einfachere, transparentere und weniger kostenintensive Strukturen schaffen, wenn wir künftig am Markt bestehen wollen.

Wir können uns, nicht nur, aber vor allem in Deutschland keine unnötigen Führungsebenen, Abläufe und Doppelarbeit leisten. Mein Ziel ist eine neue E.ON, die schneller, schlanker und mit erheblich weniger Kosten weltweit erfolgreich ist.

Nur so können wir die erforderlichen Mittel für Zukunftsinvestitionen erwirtschaften, das Vertrauen unserer Anteilseigner, darunter mehr als 500.000 Kleinaktionäre, erhalten und viele wettbewerbsfähige Arbeitsplätze für unsere deutschen und ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft sichern”, gibt Teyssen deutlich zu verstehen.

Gelingt dies, sieht sich der Konzern wieder in der Lage, in seinen Kernbereichen rentabel zu wirtschaften. Neue Chancen im Energiemarkt und wachstumsstarken Energiesegmenten unterstützten eine solche Entwicklung, heißt es weiter.

Mittelfristig solle ein Viertel des Unternehmensergebnisses außerhalb Europas erwirtschaftet werden. Genannt wurden Brasilien, Indien und die Türkei. Mit Blick auf die Erschließung neuer Wachstumsmärkte, so der Konzern, liefe auch weiterhin alles nach Plan.

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Arbeitsplätze in Gefahr

Gleichzeitig aber lässt Teyssen verlauten: ”Gegen negative Veränderungen von Märkten, vor allem aber des politischen und regulatorischen Umfeldes, sind wir nicht gefeit.

Umso mehr müssen wir unseren Handlungsspielraum im Inneren nutzen.“ Im Klartext bedeutet dies einen Freifahrtsschein für weitere Einsparungen – Einsparungen, die durch Verringerung von Sachkosten allein nicht gedeckt werden können.

Im Sinne dieser Optimierung seien, zumindest mittelfristig, weltweit zwischen 9000 und 11000 Arbeitsplätze von der Streichung betroffen. Berührt werden davon wohl besonders Stellen in der Verwaltung. Ebenso aber auch Strategie und Management.

Werden dabei zwischen 50 und 60 Prozent der Stellen in Deutschland abgebaut, wie der Vorstand verlauten ließ, wäre wohl Hannover der Schwerpunkt des Stellenabbaus, ist Hannover doch Steuer- und Verwaltungszentrale für 370 Kraftwerke E.ons in ganz Europa.

Aber auch die E.on Energie AG mit Sitz in München wird wohl betroffen werden – so Medieninformationen.

Konkreter sollen diese Überlegungen innerhalb der kommenden Wochen werden – die Entscheidung des Aufsichtsrates soll im Herbst dieses Jahres fallen.

Kritik am Stellenabbau

„Scheinbar fällt dem Vorstand außer Personalanpassungen und Sparmaßnahmen nichts ein”, sagte Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Er sieht besonders die Gefahr, dass der Konzern seine Wachstumsperspektiven in Deutschland zumindest stark beschneidet.

Auch die Gewerkschaft Ver.di meldet sich zu Wort: “Wir verurteilen, dass der Konzern die anstehenden Veränderungen der Rahmenbedingungen, die durch Ertragseinbußen notwendig geworden sind, überproportional auf dem Rücken der Beschäftigten austragen will”, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott.

Ott, der auch im Aufsichtsrat von E.on sitzt, fordert einen weiteren verbindlichen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 2012 hinaus sowie die Sicherung der Arbeitsplätze an den zur Disposition gestellten Standorten.

E.on Aktie: Kurs und Dividende fallen

Die schlechten Zahlen lassen auch die E.on Aktie nicht unberührt: Sie rutschte um fast zwei Prozent ab und war schwächster Wert im Dax, der knapp ein Prozent zulegte.

Entsprechend verringern die Analysten ihre Gewinnschätzung je Aktie für 2011 von 1,47 Euro auf 1,11 Euro. Die Prognose für 2012 fällt von 1,78 Euro auf 1,64 Euro.

Laut E.on sei es nicht mehr möglich, die für 2011 vorgesehene Mindestrendite von 1,30 Euro pro Aktie zu zahlen. Geplant ist nun dagegen eine Dividende von 1,00 Euro pro Aktie.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.