E.ON und RWE legen nach Atom-Stresstest deutlich zu

RWE und E.ON: Ist jetzt der Startschuss für das große Comeback gefallen? (Foto: Tobias Steinert / shutterstock.com)

Zum heutigen Wochenstart standen die Versorger E.ON und RWE einsam an der Spitze des deutschen Leitindex DAX mit Kurssprüngen von zwischenzeitlich sogar 13,5 beziehungsweise 10%.

Die Anleger reagierten damit auf den erfolgreich abgeschlossenen Atom-Stresstest. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte am Wochenende die Ergebnisse eines Atom-Stresstests bei den großen Versorgern E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW veröffentlicht.

Die Wirtschaftsprüfer, die den Test durchgeführt haben, kommen zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Milliarden-Rückstellungen und die Vermögen der Energieversorger groß genug seien, um den Atomausstieg ohne fremde Hilfe stemmen zu können.

Konkret bedeutet das, dass die großen Versorger in Deutschland nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer über genügend eigene finanzielle Mittel verfügen, um sowohl den Abriss der Atom-Reaktoren als auch die Endlagerung des Atommülls bezahlen zu können.

In einem “Worst-Case”-Szenario – also im schlimmsten Fall – müssten die Konzerne jedoch in den kommenden Jahrzehnten ihre Rückstellungen von aktuell 38,3 Mrd. Euro auf bis zu 77,4 Mrd. Euro vergrößern. Dies würde verglichen mit dem heutigen Wert mehr als eine Verdoppelung bedeuten

Sowohl der Wirtschaftsminister Gabriel als auch die Energieversorger halten das tatsächliche Eintreten dieses “Worst-Case”-Szenarios jedoch für äußerst unwahrscheinlich.

Analysten stufen E.ON und RWE deutlich hoch

Die ersten Reaktionen der Analysehäuser ließen nach Bekantwerden der erfreulichen Ergebnisse des Atom-Stresstests nicht lange auf sich warten und fielen durchweg positiv aus.

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So stufte beispielsweise der Analyst Lüder Schumacher von der französischen Großbank Societe Generale die RWE-Aktie von “Halten” auf “Kaufen” und erhöhte das Kursziel um 40% von 10 auf 14 Euro.

Begründet hat er diesen Schritt damit, dass die RWE-Aktie nun von immensen Unsicherheiten befreit sei und er wegen der wieder zunehmenden Risikoneigung an den Aktienmärkten deutlich anziehende Kurse erwarte.

Ähnlich positiv sehen auch die Analysten der Deutschen Bank und von der Investmentbank Equinet die Zukunft von RWE und von E.ON. Sie hoben die Kursziele für die beiden im DAX gelisteten Energieversorger ebenfalls deutlich an.

Eine Anaylstin von Bernstein Research äußerte sogar, dass den extrem pessimistischen Szenarien, die zuletzt an der Börse gespielt worden seien, mit den guten Ergebnissen des Atom-Stresstests jetzt die Grundlage entzogen wurde.

Herbe Verluste seit Jahresanfang

Die Kurssprünge vom heutigen Tag und die bereits vorher begonnene Kurserholung der beiden Versorger RWE und E.ON ändern aber nichts an dem unterm Strich nach wie vor katastrophalen Ergebnis seit Jahresbeginn.

Die E.ON-Aktie kommt auf ein Minus von 32% seit Anfang 2015 und bei RWE beläuft sich das Minus sogar auf rund 47%. Damit ist die zuletzt positive Kursentwicklung der beiden Versorgeraktien erst einmal nur ein wenig Balsam für die Seelen derjenigen Aktionäre, die bereits seit einigen Monaten oder gar Jahren RWE- und/oder E.ON-Aktien besitzen.

Durch den positiven Ausgang des Atom-Stresstests ist jetzt jedoch hoffentlich der Weg in eine bessere – und vor allem gesicherte – Zukunft der Versorger frei. Denn: Der Stresstest hat gezeigt, dass der Atomausstieg nicht zu einer Existenz bedrohenden Gefahr für die Versorger werden kann. Dies sollte RWE- und E.ON-Aktionären Hoffnung geben.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.