Easy Software erhält Übernahmeofferte von Finanzinvestor

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Ehemaliger Neuer Markt-Liebling könnte bald den Besitzer wechseln. Heidelberger Finanzinvestor legt Angebot für Easy Software auf den Tisch (Foto: Jinning Li)

Das Übernahmekarussell dreht sich immer weiter. In der Presse erfahren Sie aber meistens nur von den großen, spektakulären Milliardendeals. Doch auch bei den kleinen Firmen im deutschen Mittelstand geht es ordentlich zur Sache. So hat mit der Easy Software gerade ein ehemaliger Star des Neuen Marktes eine Übernahmeofferte auf den Tisch gelegt bekommen. Bieter ist der Heidelberger Finanzinvestor Deutsche Balaton AG.

Vielleicht ist Ihnen das Softwareunternehmen noch ein Begriff. Zum Höhepunkt des Börsenhypes kosteten die Papiere von Easy Software um die Jahrtausendwende noch 60 Euro, nur um zwei Jahre später bis auf 10 Cent in den Keller zu rutschen. Geht es nach der Heidelberger Beteiligungsfirma, soll jetzt die Mehrheit der Aktien für 4,90 Euro den Besitzer wechseln.

Easy Software im Portrait

Easy Software aus Mühlheim an der Ruhr bezeichnet sich selbst als einen führenden europäischen Entwickler und Anbieter computergestützter Archivierungs- und Dokumenten-Management-Systeme (DMS).

Seit der Gründung im Jahr 1990 konzentriert sich das Unternehmen auf den DMS-Wachstumsmarkt. Bei Archivsystemen, deren Basis die Volltext-Recherche-Technologie ist, sieht sich das Unternehmen als weltweiter Marktführer. Diese Volltext-Recherche-Funktion entspricht der Technologie von Suchmaschinen im Internet. Es lassen sich damit – auch aus einer Vielzahl von Dokumenten – Vorgänge sekundenschnell und einfach herausfinden und auf dem Bildschirm des Arbeitsplatzcomputers abbilden.

Von Beginn an legte der Konzern die strategische Ausrichtung auf die Entwicklung von Standardsoftware für alle Unternehmensgrößen und präferierte den indirekten Vertrieb.

Großaktionär legt Übernahmeofferte auf den Tisch

Jetzt präsentiert die kleine Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton AG eine Übernahmeofferte. Je Aktie bietet der Finanzinvestor, der bereits 15% aller Firmenanteile hält, 4,90 Euro je Aktie. Die Papiere des Softwarespezialisten reagierten daraufhin deutlich positiv und zogen in der Spitze bis auf 5,28 Euro an.

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Zurück auf den Wachstumspfad

Die zurückliegenden Jahre waren für die Mühlheimer nicht ganz einfach, zumindest was das Wachstum betrifft. Zuletzt lagen die jährlichen Erlöse mit 42,74 Millionen Euro nur geringfügig über dem Niveau von 2014 (41,15 Millionen Euro). Zeitgleich verbesserte sich allerdings die Gewinnspanne von 2,04 auf 4,52%. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 1,93 Millionen Euro.

Easy Software im Shopping-Modus

Zukünftig will die Firma nicht nur organisch, also aus eigener Kraft, wachsen. Mit Hilfe einer Kapitalerhöhung hat der Digitalisierungsspezialist aus Mülheim erst kürzlich die Mehrheit an Apinauten mit Sitz in Leipzig übernommen. In einem ersten Schritt erwirbt der Konzern 72,3 % der Anteile – die volle Integration wird im nächsten Jahr angestrebt.

Apinauten beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und dürfte im letzten Jahr einen Umsatz von 2,3 Millionen Euro erzielt haben. Besonders interessant: Die Hälfte der Erlöse mit äl6000 Endkunden wurde mit wiederkehrenden und langfristig kalkulierbaren Gebühren für die Nutzung von Software in der Cloud erzielt.

Mit der Übernahme will sich Easy Software noch stärker im Cloud-Geschäft positionieren und die Gewinnmargen weiter steigern. Auf Sicht der nächsten Jahre peilen die Mühlheimer eine zweistellige Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen an. Für Sie zum Vergleich: Zuletzt wurde eine EBITDA-Marge von 7% erzielt.

Von den Großinvestoren hängt alles ab

Ob die Übernahme durchgeht, hängt vor allem von den Großaktionären ab. Das größte Aktienpaket (25,1%) liegt bei der Investmentgesellschaft Global Derivative Trading GmbH. Unter den weiteren Aktionären ist auch die Frankfurter Fondsgesellschaft Lupus Alpha mit 6,4 % zu finden. Die übrigen Anleger scheinen momentan davon auszugehen, dass der Deal durchgeht oder sogar nachgebessert wird. Anders ist der Aufschlag auf den Übernahmekurs nicht zu erklären.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.