Ebay-Aktie: Auktionshaus enttäuscht Anleger mit schwachem Ausblick

Langsam kommt die Berichtssaison so richtig in Fahrt. Dabei schauen die Anleger nicht nur auf die erzielten Ergebnisse, sondern v. a. auf die Zukunfts-Perspektiven der Unternehmen.

Bestes Beispiel ist die Ebay-Aktie: Trotz glänzender Geschäfte im Jahresauftakt-Quartal kommen die Papiere nicht vom Fleck – ganz im Gegenteil:

Die Aktie zeigte im ansonsten freundlichen Marktumfeld deutliche Verluste. Der Grund ist schnell gefunden: Die Anleger hatten sich vom Ausblick nämlich mehr erwartet.

Online-Pionier steigert Umsatz und Nutzerzahl

Soviel vorab: Die vorgelegten Zahlen boten auf den 1. Blick rein gar keinen Grund zum Meckern; der Umsatz stieg in den ersten 3 Monaten um 4% auf 2,22 Mrd. Dollar.

Dabei wurden im 1. Quartal immerhin 20,95 Mrd. Dollar an Waren über die Plattform gehandelt. Auch die Nutzerzahl erhöhte sich um 2 Mio. auf 169 Mio.

Wahrlich beeindruckt sieht auf den ersten Blick der Gewinnsprung von 482 Mio. Dollar auf 1,04 Mrd. Dollar aus.

Allerdings sollten Sie wissen, dass der Grund in einer einmaligen Steuer-Gutschrift liegt: Um diese Extrazahlung bereinigt sank der Gewinn nämlich auf 538 Mio. Dollar (-2% im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum).

Schwacher Ausblick fürs 2. Quartal

Im 2. Quartal soll der bereinigte Gewinn je Anteil bei 0,43 – 0,45 Dollar und der Umsatz bei 2,28 – 2,32 Mrd. Dollar liegen.

Damit kann Ebay nicht an die Erwartungen der Analysten heranreichen, die beim Gewinn bislang noch von 0,48 Dollar je Anteilsschein ausgegangen waren.

Für das Gesamtjahr rechnet der US-Konzern mit einem Umsatz von 9,3 – 9,5 Mrd. Dollar. Beim Gewinn peilt die Handels-Plattform zwischen 1,85 und 2,10 Dollar je Aktie an.

Investitionen belasten Gewinn-Entwicklung

Ein Grund für die schwächere Prognose liegt in den gestiegenen Entwicklungs-Aufwendungen.

Denn um nicht den Anschluss an die nahezu übermächtige Konkurrenz Amazon zu verlieren, muss Ebay tief in die Tasche greifen.

Denn sogenannte Festpreis-Geschäfte von Großhändlern werden auch für Ebay immer wichtiger.

Das Geschäft mit klassischen Auktionen verliert hingegen immer mehr an Bedeutung:

Allein im 1. Quartal stiegen die Entwicklungskosten für neue Produkte auf 278 Mio. Dollar (+16%). Auch die Marketing-Aufwendungen kletterten um 4,5% auf 562 Mio. Dollar in die Höhe.

Marktwachstum ungebrochen

Geht es nach den Aussagen der Marktforscher, dann muss sich Ebay zumindest über das Wachstums-Potenzial keine Sorgen machen.

So schätzen die Experten von EMarketer, dass bis zum Jahr 2021 immerhin 13,9% aller Einzelhandels-Umsätze über Online-Kanäle abgewickelt werden.

Für Sie zum Vergleich: In diesem Jahr dürften es mit rund 9,2% noch deutlich weniger sein.

Um sich ein großes Stück von diesem Kuchen zu sichern, plant Ebay die Einführung einer dreitägigen Liefergarantie für Millionen von Produkten.

Damit liegt die Handels-Plattform zwar immer noch hinter Amazons Lieferzeit, die Kunden müssen aber auch nicht das 99 Dollar teure Amazon-Prime Angebot abonnieren.

Ebay auf Einkaufstour im Ausland

Aber auch der ausländische Markt könnte an Bedeutung gewinnen. So hat Ebay erst kürzlich 500 Mio. Dollar in das Unternehmen Flipkart Online Services investiert.

Das ist Teil einer Partnerschaft mit dem E-Commerce-Führer in Indien, die es Händlern ermöglicht, Produkte auf beiden Websites anzubieten.

Zugleich gewinnt der Event-Ticket-Marktplatz StubHub an Strahlkraft: Der Marktplatz zeigte einen 6%igen Anstieg des Waren-Volumens auf immerhin 916 Mio. Dollar.

Allerdings ist der Vorsteuer-Beitrag, den sie von jeder Transaktion einfahren für StubHub- etwa 3x so groß wie für allgemeine Waren, die auf Ebay verkauft werden.

Analysten sind unentschlossen

Nicht nur die Anleger zeigen sich zurückhaltend bei der Ebay-Aktie, auch die Analysten sind eher unentschlossen:

Mehr als die Hälfte der Experten stufen die Aktie als Halteposition ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 35,53 Dollar rund 10% über dem aktuellen Kursniveau.

24. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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