Ebay-Aktie: Internetpionier mit Wachstumsflaute

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Ebay-Aktie: Onlinepionier mit Wachstumsflaute. Konkurrenz und hohe Investitionen drücken aufs Geschäft. Aktie rauscht nach Zahlen in den Keller (Foto: JHVE / shutterstock.com)

Auch wenn der Onlinehandel boomt. Eine Garantie für den Erfolg gibt es keine. Das musste auch gerade die Online-Handelsplattform Ebay schmerzlich feststellen. Ein abflauendes Wachstum, höhere Kosten und eine gesenkte Jahresprognose waren der Cocktail, der für einen deutlichen Kurseinbruch sorgte. Alleine am Tag der Bekanntgabe der Zahlen rauschte der Kurs um 10% in den Keller.

Zweites Quartal mit Bremsspuren

Im abgelaufenen zweiten Quartal erzielte der US-Konzern mit seiner Handelsplattform einen Umsatz von 2,64 Milliarden Dollar. Das entspricht zwar immer noch einem Zuwachs um 9%, kann aber nicht an die Wachstumsraten des Vorjahresquartals heranreichen. Hier lag das Plus noch bei 12%. Damit konnte Ebay weder den eigenen Ausblick noch die Erwartungen der Analysten erreichen, die von 2,66 Milliarden Dollar Quartalsumsatz ausgegangen waren.

Im Berichtszeitraum erhöhte sich Anzahl der aktiven Käufer auf den Plattformen um 4%. Damit liegt die Anzahl der weltweit aktiven Käufer laut Ebay bei 175 Millionen. Insgesamt wurden Waren im Wert von 22,6 Milliarden Dollar über die Plattform im letzten Quartal gehandelt.

Unter dem Strich verbesserte sich der Gewinn leicht unterproportional um 7% auf 533 Millionen Dollar.

Nicht nur die Konkurrenz macht Ebay zu schaffen….

Dabei ist es nicht nur die starke Konkurrenz, die für Unmut sorgt. Schon lange muss sich der Konzern gegen die übermächtig scheinenden Rivalen wie Amazon, Alibaba und Co. behaupten. Das kostet Körner. Hohe Investitionen in die Weiterentwicklung der Plattform schlagen ins Kontor.  Unterdessen tritt Ebay auf die Kostenbremse. Gerade wurde eine Entlassungswelle angekündigt. Alleine in Kalifornien müssen 300 Mitarbeiter gehen.

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…..auch der Oberste Gerichtshof sorgt für Unruhe

Aber damit nicht genug. Denn es droht weiteres Ungemach. Der oberste US-Gerichtshof hat nämlich Onlinehändler dazu verpflichtet, in den US-Staaten Umsatzsteuer zu zahlen, auch wenn sie kein Filialgeschäft betreiben. Dies könnte sich im laufenden dritten Quartal erstmals negativ bei der Entwicklung des Bruttowarenvolumens bemerkbar machen.

Konzernführung streicht Jahresziele zusammen

Problembereiche gibt es also mehr als genug. Wenig verwunderlich, dass die Konzernführung bei den Erwartungen auf die Bremse tritt. Trotz hoher Ausgaben für Werbung und die Entwicklung attraktiverer Internetseiten peilt Ebay jetzt nur noch einen Jahresumsatz von 10,75 bis 10,85 Milliarden Dollar an. Bislang war der Amazon-Rivale noch von 10,9 bis 11,1 Milliarden Dollar ausgegangen.

Auch der Online-Tickethändler StubHub entwickelt sich momentan nicht wie erwartet. Die Plattform, auf der Sport- und Konzertkarten weiterverkauft werden können, hinkt hinterher. Vor allem im Sportbereich lief es schlecht. Der Start der Baseball-Saison war enttäuschend und auch beim Basketball und Eishockey wurden weniger Tickets verkauft als erwartet.

Gemischtes Bild bei den Analysten

Nach den schwachen Zahlen notiert die Ebay-Aktie 26% unter ihrem im Februar erreichten Jahreshoch. Trotzdem zeigen sich die Analysten weiterhin skeptisch. Von den 18 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, votieren die breite Mehrheit (15) zum Halten der Papiere. Bei einem erwarteten Gewinn je Aktie von 2,60 Dollar im nächsten Geschäftsjahr ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14. Das durchschnittliche Preisziel liegt mit 47,70 Dollar deutlich über dem aktuellen Kursniveau, dürfte aber mit der Aktualisierung der Schätzungen im Nachgang der Zahlen mit Sicherheit noch etwas sinken.

Es bleibt spannend abzuwarten, was passiert. Positiv ist in jedem Fall das anhaltende Nutzerwachstum. Sollte Ebay diese Dynamik in entsprechendes Gewinnwachstum ummünzen und die Auswirkungen der Umsatzsteuer abgearbeitet haben, dürften sich auf dem Kursniveau bald wieder Käufer für die Aktie finden lassen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.