Ebay-Aktie: Online-Handelsplattform vor der Trendwende?

Drei, zwei, eins,…meins. Mit dem Werbeslogan brannte sich der Pionier im Online-Auktionsgeschäft in die Köpfe der Internetnutzer ein.

Die Werbung suggerierte, dass man auf der Online-Plattform Ebay wirklich alles findet und zudem noch Dank der Auktionen, ordentlich Schnäppchen machen kann.

Von dem einstigen Flohmarkt- und Gebrauchthändler-Image ist aber nicht mehr viel übrig geblieben.

Profi-Verkäufer bestimmen das Bild

Heutzutage nutzen immer weniger Privatanbieter Ebay, um ihre gebrauchten Sachen loszuwerden. Vielmehr bestimmen Gewerbe-Treibende mit Festpreis-Angeboten das Bild.

Während früher der Anteil der Auktionen bei über 70% lag, sind es seit einigen Jahren deutlich unter 20%. Dafür dürften auch die ansteigenden Gebühren ihren Teil beigetragen haben.

Denn Ebay hat die Verkaufs-Gebühren zunächst von 8 auf 9 und anschließend auf 10 % angehoben. Gerade, wenn man mit seinen Artikeln keinen hohen Preis erzielt, lohnt sich der Aufwand kaum noch.

Damit hat sich das Geschäftsmodell gewandelt und Ebay tritt immer stärker in Konkurrenz zu klassischen Online-Händlern wie dem Online-Riesen Amazon.

Beeindruckendes Wachstum gehört der Vergangenheit an

Der Erfolg des ehemals so beliebten Verkaufsportals war zweifellos beeindruckend. Die Erlöse explodierten regelrecht von 749 Millionen Dollar im Jahr 2001 bis auf 17,9 Milliarden Dollar in 2014. Auch die Gewinnentwicklung konnte sich durchaus sehen lassen.

Bis 2011 stieg der Gewinn auf 3,22 Milliarden Dollar – damit erreichte die Gewinnmarge mit 27,7% den höchsten Wert der Firmengeschichte. Allerdings war das Wachstum primär durch den Zahlungs-Anbieter Paypal getrieben, der bis zum vergangenen Jahr noch zu Ebay gehörte.

Die 2002 übernommene Gesellschaft wurde allerdings in 2015 über einen Börsengang wieder komplett veräußert. Vor diesem Hintergrund müssen Sie auch den Umsatz-Rückgang um 52% auf 8,59 Mrd. Dollar im letzten Jahr sehen.

Geschäftsmodell wird angepasst

Im letzten Jahr hatte Ebay mit der übermächtigen Konkurrenz Amazon und dem starken Dollar zu kämpfen. Immerhin stammen mehr als die Hälfte der Erlöse aus dem Ausland.

Damit belastet die starke Heimatwährung den Konzern, da nach Umrechnung die Erlöse in US Dollar weniger wert sind.

Daher versucht Ebay mit einer Neugestaltung des Internet-Auftritts zu kontern und sich wieder auf Kleinverkäufer zu fokussieren – offenbar mit Erfolg. Denn im 1. Quartal stieg die Zahl der aktiven Kunden um 4% auf 162 Mio.

Auch die eingeführte sogenannte „Ebay Plus“-Mitgliedschaft dürfte Kunden angelockt haben. Damit erhalten Mitglieder Versand- und Rückgabevorteile bei Bestellungen. Zudem wurde eine Versand-Flatrate eingeführt.

Verheißungsvoller Jahresstart

Nach einem schwachen Weihnachts-Quartal hat Ebay zum Jahresbeginn wieder einen Gang hochgeschaltet. Die Umsätze kletterten auf 2,1 Mrd. Dollar (+4%).

Auch bei den Gewinnen zeichnet sich eine Stabilisierung ab: Der Überschuss sank zwar um 6%  auf 550 Mio. Dollar oder 47 Cent je Aktie. Doch das war mehr als von den Analysten erwartet – diese waren im Vorfeld lediglich von 45 Cent je Aktie ausgegangen.

Zudem müssen Sie wissen: der Rückgang ist primär auf den Abgang der Bezahltochter PayPal zurückzuführen, die vom Konzern abgespalten worden war. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft stieg nämlich um 7%  auf 482 Mio. Dollar.

Ausblick wird leicht angehoben

Der Konzern peilt einen Umsatz von 8,6 bis 8,8 Mrd. Dollar; das ist am unteren Ende etwas besser als die bisher angepeilten 8,5 bis 8,8 Mrd Dollar.

Auch die Analysten zeigen sich wieder optimistischer: Für dieses Jahr liegen die durchschnittlichen Gewinnschätzungen bei 1,86 Dollar je Aktie.

In 2017 gehen die Experten von einem Anstieg auf 2,05 Dollar aus. Damit wird der Online-Pionier gerade mal mit dem 11-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet.

Wenn dem Konzern wirklich die nachhaltige Trendwende gelingt, könnte die Aktie schnell wieder in den Fokus der Anleger treten.

4. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rene König. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt