eBay: Tot gesagte leben länger

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Die Online-Plattform eBay entpuppt sich als heimlicher Corona-Profiteur. Das Management hebt die Prognose an und lässt Anleger jubeln. (Foto: George Sheldon / Shutterstock.com)

Lange Zeit machten die Anleger um die Aktie des Onlineportals Ebay einen großen Bogen. Doch seit sich einige renommierte Hedgefonds bei dem Konzern positioniert haben und auf strukturelle Veränderungen drängen, hat sich die Lage deutlich geändert. Zudem entpuppt sich der Internethändler als ein Profiteur der Corona-Krise. Die Geschäfte der Plattform laufen wesentlich besser als ursprünglich erwartet und die Konzernführung hat gerade sogar den Jahresausblick nach oben geschraubt.

Das Ergebnis lässt sich bereits im Aktienkurs ablesen. Nach den Zahlen schossen die Ebay-Papiere um 6% in die Höhe. Seit dem Jahreswechsel summiert sich der Wertzuwachs inzwischen auf beachtliche 35%.

Ebay – der Pionier der Online-Auktion

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen noch ein paar Hintergründe zu eBay liefern: eBay ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das einen der größten Online-Marktplätze betreibt. Es wurde am 3. September 1995 von Pierre Omidyar in San José (Kalifornien) unter dem Namen AuctionWeb gegründet. Auch in Europa, etwa in Deutschland, der Schweiz und Österreich, bietet das Unternehmen seine Dienstleistungen an. Bis zum 17. Juli 2015 gehörte auch der Bezahldienst PayPal zum Unternehmen.

Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Angebot von einem Consumer-to-Consumer-Marktplatz mit flohmarktähnlichem Charakter zu einer Business-to-Consumer-Plattform, das heißt, es wird Neuware von kommerziellen Händlern angeboten, im Unterschied zu den Gebrauchtwaren privater Anbieter.

Mit weiteren Plattformen wie Half.com, Fashion und mobile.de hat sich das Unternehmen in spezifischen Branchen mit vertikalen Shopping-Seiten etabliert. Darüber hinaus bietet eBay maßgeschneiderte E-Commerce-Lösungen für andere Unternehmen an.

Anzahl der Käufer konstant

Im ersten Quartal weist Ebay in seinem Quartalsbericht 174 Millionen aktive Kunden aus. Das sind Kunden, die mindestens einmal in den vorherigen 12 Monaten einen Kauf über die Plattform getätigt haben. Die Anzahl ist übrigens erstaunlich konstant und verharrt nunmehr 3 Quartalen in Folge auf dem gleichen Niveau. Insgesamt ging ein Umsatz von 2,37 Milliarden Dollar durch die Bücher (-2% zum Vorjahresquartal). Unter dem Strich erzielte Ebay einen Gewinn von 586 Millionen Dollar und lag damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (590 Millionen Dollar).

Management schraubt Ausblick nach oben

Mehr Kunden, mehr Händler, mehr Handelsvolumen – die Corona-Krise beschert dem Online-Marktplatz Ebay ein gutes zweites Quartal. Vom Corona-Boom profitieren alle wichtigen Produktsegmente, darunter Heim und Garten, Elektronik, Mode, Autoteile und Sammlerstücke.

Auch die Händlerzahlen auf dem Marktplatz steigen. Seit März haben mehrere Zehntausend vornehmlich kleine Händler auf Ebay Accounts angelegt, um sich während des Shutdowns einen neuen Absatzmarkt zu erschließen.

Entsprechend optimistisch zeigt sich die Konzernführung und hat gerade den Ausblick angehoben. Der Konzern erwartet nun im zweiten Jahresviertel einen Umsatz zwischen 2,75 und 2,80 Milliarden Dollar. Für Sie zum Vergleich: Zuvor war der Konzern von einem Umsatz zwischen 2,38 bis 2,48 Milliarden Dollar.

Damit käme der Konzern auf ein Wachstum von 13 bis 16 % im Jahresvergleich. Beim Gewinn je Aktie rechnet das Online-Auktionshaus inzwischen mit 1,02 bis 1,06 Dollar pro Aktie. Das ist deutlich mehr als 0,73 bis 0,80 Dollar, die bislang angepeilt wurde und stellt einen Zuwachs von 54% auf 60% zum Vorjahr dar.

Für das Gesamtjahr geht Ebay davon aus, dass der Umsatz wohl über der Ende April prognostizierten Spanne von 9,56 bis 9,76 Milliarden Dollar liegen wird.

Verkauf von eBay Kleinanzeigen im Visier

Neben einem erhöhten Ausblick könnten demnächst auch strukturelle Veränderung bei dem Konzern anstehen. Offenbar steht das Segment rund um eBay Kleinanzeigen zum Verkauf und könnte laut Insidern 8 bis 12 Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Zu der Sparte gehört auch die Autoplattform Mobile.de, auf deren Verkauf seit längerem der US-Hedgefonds Elliot drängt.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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