eBay: Übernahmegerüchte sorgen für Kurssprung

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eBay: Der Onlinepionier gerät ins Fadenkreuz des Börsenbetreibers ICE. Gerüchte über 30 Milliarden Dollar-Offerte machen die Runde und hauchen der gebeutelten Aktie wieder Lebensenergie ein (Foto: Studio Stock / shutterstock.com)

Kaum hatten die Anleger die schwachen Zahlen des Weihnachtsquartals verarbeitet und mit deutlichen Kursabgaben quittiert, folgt nun der nächste Paukenschlag – dieses Mal aber mit positiver Wirkung: Laut dem stets gut informierten Wall Street Journal soll der Börsenkonzern Intercontinental Exchange, der unter anderem die New York Stock Exchange betreibt, ein Auge auf den Marktplatzbetreiber eBay geworfen haben. Die Aktionäre freut’s – im späten Handel zogen die Papiere deutlich um mehr als 8% an.

Ebay – der Pionier der Online-Auktion

Bevor ich auf die Gerüchte eingehe, möchte ich Ihnen noch ein paar Hintergründe zu eBay liefern: eBay ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das einen der größten Online-Marktplätze betreibt. Es wurde am 3. September 1995 von Pierre Omidyar in San José (Kalifornien) unter dem Namen AuctionWeb gegründet. Auch in Europa, etwa in Deutschland, der Schweiz und Österreich, bietet das Unternehmen seine Dienstleistungen an. Bis zum 17. Juli 2015 gehörte auch der Bezahldienst PayPal zum Unternehmen.

Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Angebot von einem Consumer-to-Consumer-Marktplatz mit flohmarktähnlichem Charakter zu einer Business-to-Consumer-Plattform, das heißt, es wird Neuware von kommerziellen Händlern angeboten, im Unterschied zu den Gebrauchtwaren privater Anbieter.

Mit weiteren Plattformen wie Half.com, Fashion und mobile.de hat sich das Unternehmen in spezifischen Branchen mit vertikalen Shopping-Seiten etabliert. Darüber hinaus bietet eBay maßgeschneiderte E-Commerce-Lösungen für andere Unternehmen an.

Die Wachstumsgeschichte lässt zu wünschen übrig

Mit seinen jüngsten Quartalszahlen sorgte der US-Konzern bei seinen Anlegern für lange Gesichter. Das wichtige Weihnachtsgeschäft fiel schlichtweg enttäuschend aus. Unter dem Strich gingen mit 2,8 Milliarden Dollar 2% weniger an Umsatz durch die Bücher als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Insgesamt sank der Bruttowarenumsatz sogar um satte 5%.

Noch drastischer sah die Gewinnentwicklung aus: Am Ende erzielte eBay mit 558 Millionen Dollar nämlich 27% weniger Gewinn als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Wenigstens waren die Nutzerzahlen ein Lichtblick: Zum Ende des Jahres kann eBay auf 183 Millionen Nutzer zurückblicken. Das entspricht einem kleinen Zuwachs von 2%.

Bietet ICE 30 Milliarden Dollar für eBay?

Trotz der schwachen Entwicklung scheint der der Börsenkonzern Intercontinental Exchange (ICE) den Marktplatzbetreiber ins Visier zu nehmen. Gespräche gab es in der Vergangenheit bereits öfter. Laut informierten Kreisen soll das Deal-Volumen bei über 30 Milliarden Dollar liegen. Für Sie zum Vergleich: Der aktuelle Marktwert des Konzerns liegt nach dem Kurssprung mit 29,80 Milliarden Dollar nur noch knapp unter diesem Niveau.

ICE hat unterdessen sein Interesse an einer Übernahme bestätigt. Insidern zufolge sei der Börsenkonzern aber nur an dem Marktplatz-Geschäft von Ebay interessiert und nicht an dem Kleinanzeigen-Portal Classifieds.

Hedgefonds machen Druck

Auf den Verkauf des Kleinanzeigen-Portals drängt allerdings der eBay-Großaktionär Starboard Value. Das machte er vor wenigen Tagen unmissverständlich in einem Brief an das Führungsgremium des Konzerns deutlich. Seine Forderung: Classifieds soll abgespalten und profitables Wachstum der Kernsparte Marketplace aggressiver verfolgt werden.

Bereits seit längerem sieht sich der Online-Pionier mit aggressiven Hedgefonds konfrontiert. Im vergangenen Jahr hatte eBay auf Druck von Starboard und dem Hedgefonds Elliott die Online-Ticketbörse StubHub für 4,05 Milliarden Dollar veräußert. Für das Kleinanzeigengeschäfts taxiert Elliot den Wert auf 8 bis 12 Milliarden Dollar.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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