Eckert & Ziegler: Die Aktie des Tages

Der DAX hat heute den achten Tagesverlust in Folge hinnehmen müssen und seit Oktober rund 15% verloren.

Die Aktien aus dem Nebenwertebereich mussten zum Teil sogar noch mehr abgeben.

Angesichts dieser Entwicklung platzte heute morgen einem Vorstands-Boss auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt der Kragen. Die Börsenbewertungen haben seiner Meinung nach nichts mehr mit der wirtschaftlichen Realität zu tun.

Abzüglich der Cash-Reserven wird das von ihm geführte Unternehmen nur noch mit dem dreifachen Jahresgewinn bewertet. Eine Bewertung, die es in der Praxis gar nicht geben dürfte.

Das Pech des Managers: Sein Unternehmen ist zum Teil von der Konjunktur abhängig. Und zyklische Aktien werden in diesen Tagen gemieden wie die Pest.

Da der Wendepunkt an der Börse unklar ist, stelle ich Ihnen heute mit Eckert & Ziegler ein Unternehmen als Aktie des Tages vor, das relativ unabhängig von der allgemeinen Konjunkturentwicklung ist.

Radioaktive Strahlen als Geschäftsgrundlage

Das Geschäftsmodell von Eckert & Ziegler ist in Deutschland einmalig: Das Unternehmen stellt radioaktive Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke her.

In den 4 Segmenten Messen und Regeln, Krebsbestrahlung, Nuklearmedizin und Umweltdienste (Entsorgung schwachaktiver Abfälle) erwirtschaftet Eckert & Ziegler im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich 115 Mio. Euro Umsatz und einen Nettogewinn von gut 10 Mio. Euro (das sind umgerechnet 2 Euro je Aktie).

Gründer und Vorstands-Chef Andreas Eckert betonte in Frankfurt die Stabilität des Geschäftsmodells. Auch in den konjunkturell sehr schwierigen Jahren 2008 und 2009 wurden Umsatz und Gewinn gesteigert.

Eckert begründet das damit, dass die schwach radioaktiven Quellen in der Medizin nicht ersetzt werden können und preislich ebenfalls nicht unter Druck geraten. Eine gewisse Unsicherheit kann es in Krisenphasen nur im Bereich der industriellen Messgeräte geben.

Starke finanzielle Basis

Nicht nur das Geschäftsmodell, auch die Bilanz ist solide. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 50%. In der Kasse schlummern 25 Mio. Euro Cash. Wenn Sie davon die 20 Mio. Euro Schulden abziehen, bleibt ein Nettoguthaben von 5 Mio. Euro.

Während die Staaten von Schuldenkrise zu Schuldenkrise wanken, schwimmen viele Unternehmen im Geld. Das ist ein Grund, warum ich auch in dieser grässlichen Marktphase auf Unternehmensanteile (Aktien) als Depot-Baustein setze.

2012 Gegenwind, 2013 Rückenwind

Da es keine perfekten Unternehmen gibt, müssen auch die Schwachstellen analysiert werden. So sitzt Eckert & Ziegler noch auf Forderungen in Spanien, Portugal, Italien und Russland. Ob das Geld jeweils vollständig gezahlt wird, ist unsicher. Hier können Wertberichtigungen drohen.

Hinzu kommt, dass ein guter Kunde Insolvenz anmelden musste. Eckert & Ziegler konnte zwar einen Ersatz-Kunden finden, aber der gleicht den Umsatzausfall nur aus. Daher wird es in dieser Sparte 2012 wahrscheinlich kein Wachstum geben.

Ein weiterer Belastungsfaktor ist ein neuer Produktionsstandort, der in Polen errichtet wird. 2012 sind hier noch keine Umsätze und Gewinne zu erwarten. Damit kann erst 2013 gerechnet werden.

Unter dem Strich führen diese Faktoren dazu, dass Vorstands-Chef Eckert für das Geschäftsjahr 2012 mit einer Stagnation beim Umsatz und einem leichten Rückgang beim Gewinn rechnet (1,95 statt 2,00 Euro pro Aktie).

Ab 2013 soll dann wieder Vollgas gegeben werden: Neue Produkte, neue Produktionsstandorte und Zukäufe sollen den Umsatz bis Ende 2014 auf 200 Mio. Euro steigen lassen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Radioaktiver Müll als möglicher Gewinntreiber

Ein Überraschungsfaktor ist das Segment  „Entsorgung“. Eckert & Ziegler bietet seinen Kunden als Serviceleistung schon seit vielen Jahren die Entsorgung der schwach radioaktiven Abfälle an.

Daher besitzt das Unternehmen alle Lizenzen, Genehmigungen und auch eine langjährige Erfahrung.

Die Politik hat aus dieser Nische plötzlich ein milliardenschweres Geschäftsfeld gemacht.

Zum einen soll der in Asse gelagerte Müll sicherer als bisher entsorgt werden. Zum anderen sorgt der erzwungene Atomausstieg dafür, dass plötzlich Spezialisten für radioaktiven Müll gesucht werden. Wie oben beschrieben: Eckert & Ziegler besitzt die Genehmigungen und die Erfahrung.

Im laufenden Geschäftsjahr wird dieser Geschäftsbereich nur rund 6 Mio. Euro Umsatz bringen. Wenn das Unternehmen aber auch nur einige Teilaufträge in Asse und beim Rückbau der Atomanlagen enthält, explodiert der Umsatz in diesem Segment.

Da es nur wenige Konkurrenten gibt, stehen die Chancen gut, das Eckert & Ziegler zum Zuge kommt (erste Teilaufträge gibt es bereits). Diese Umsätze und Gewinne sind in den Prognosen noch nicht enthalten.

23. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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