EDAG-Aktie: Profiteuer der Elektromobilität

Noch gar nicht lang ist es her. Vor gut einem halben Jahr wagte der Börsenneuling EDAG den Sprung auf das Parkett. Damals platzierte der Großaktionär, die Beteiligungsfirma Aton, rund 40% ihrer Anteile.

Hinter Aton steckt übrigens die Familie Helmig, welche die Helios-Kliniken gegründet hat. Edag ist ein Dienstleister, der neue Fahrzeuge im Kundenauftrag entwickelt. Die Wiesbadener beschäftigen sich zudem mit Leichtbau, Elektromobilität und vernetzten Fahrzeugen.

Die Aktien wurden im Dezember 2015 am unteren Ende der Preisspanne mit 19 Euro an den Markt gebracht. Im Zuge der Abgasaffäre konsolidierten die Papiere seither und notieren mit 18,18 Euro weiterhin unter dem damaligen Ausgabepreis.

Es ist also an der Zeit, die operative Entwicklung der Technologiefirma unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, warum die Aktie nicht in die Gänge kommt.

EDAG zählt zu den Top 3 Entwicklungsdienstleistern

Der Ingenieurdienstleister entwickelt mit mehr als 8.000 Mitarbeitern im Auftrag von Auto- und Lkw-Herstellern sowie Zulieferern ganze Fahrzeugmodelle oder Komponenten und konzipiert zusätzlich den Produktionsablauf. EDAG gehört dabei zu den drei größten deutschen Outsourcing-Dienstleistern für die Autoentwicklung.

Der Rivale Bertrandt ist bereits seit Jahren an der Börse notiert und wird dort mit gut 1 Milliarde Euro (vs. EDAG: 454 Millionen Euro) bewertet. EDAG hat das erste fahrbare Auto in Originalgröße produziert, das aus dem Drucker kommt und aus einer Mischung aus Kunststoff und Metall besteht. Bezogen ist das Ganze mit einer Stoffaußenhaut von Jack Wolfskin, angetrieben wird es von einem Elektromotor.

Die Kundenliste umfasst eine Vielzahl von Automobilkonzernen, darunter alle deutschen Produzenten. Aber auch Toyota, Fiat, Chrysler, GM, Ford, die Jaguar-Muttergesellschaft Tata Motors oder die chinesischen Hersteller Brilliance und Chery sowie der Elektroautopionier Fiskers zählen zu der illustren Kundenschaft.

2015 war bestes Jahr in der Firmengeschichte…..

Oft erleben Sie als Anleger nach dem Börsengang einer Firma eine herbe Enttäuschung, wenn sich herausstellt, dass die Prognosen mal wieder zu optimistisch waren. Nicht so bei EDAG. Denn der Börsenneuling hat mit einem Umsatzanstieg auf 722 Millionen Euro (+13,7%) in 2015 das beste Jahr der Firmengeschichte hingelegt.

Auch der Vorsteuergewinn EBIT konnte sich durchaus sehen lassen. Mit einem EBIT von 73 Millionen Euro erreichte EDAG eine Rekordmarge von 10,1%.

…..Erstes Quartal 2016 aber unter den Erwartungen

Den Jahresstart verpatzte der Konzern aber. Denn der Umsatz kletterte „nur“ um 5% zum Vorjahr und lag damit deutlich unter der Gesamtjahresprognose von +7 bis 10%. Ebenso enttäuschend war das Vorsteuerergebnis, das um ein Viertel nachgab (vs. Gesamtjahresplanung: „moderates Wachstum“).

Neuer Auftragsvergabeprozess bei VW bremst die Geschäfte aus

Unter anderem hat sich ein neuer Auftragsvergabeprozess bei VW negativ auf die Auslastung ausgewirkt. Denn ab dem 01. Januar 2016 müssen sämtliche externe Aufträge der Marke VW vom Einkauf genehmigt werden. Früher hatten F&E Manager Aufträge unter Generalverträgen vergeben.

Dementsprechend ist das Erteilen von Aufträgen komplexer und zeitaufwändiger geworden, weshalb der rege Strom an Neuaufträgen vorübergehend zum Erliegen kam. Die Auswirkungen waren dementsprechend heftig. Sie müssen wissen: Der VW-Konzern ist mit 38% der Gesamtumsätze der mit Abstand größte Einzelkunde.

Starkes Standbein bei Elektroautos

Unterdessen zeigt sich die Konzernführung optimistisch. Vielleicht könnte die Dieselkrise sogar eine Chance für den Konzern sein. Denn EDAG dürfte von der schnelleren und durch Subventionen unterstützten Einführung von Elektroautos und Hybridfahrzeugen profitieren.

Denn diese tendieren meist zu hohem Gewicht. EDAG ist mit seinem Leichtbau auf sinkenden Energiebedarf spezialisiert. Das hat der Konzern mit diversen Konzeptfahrzeugen bereits unter Beweis gestellt. Auch im Bereich Konnektivität ist das Unternehmen mit einer Vielzahl von Telematik- und Kommunikationsprojekten bestens aufgestellt.

Analysten zeigen sich zuversichtlich

Die Analysten stufen die Probleme des Startquartals als vorübergehend ein. Für 2016 rechnen die Experten mit einem Gewinn je Aktie von 1,65 Euro, für das kommende Jahr dann von 1,90 Euro.

Damit werden die EDAG-Papiere mit dem knapp 10-Fachen der Gewinne bewertet. Zugleich zahlt der Technologiekonzern eine Dividende von 0,75 Euro. Das entspricht immerhin einer Dividendenrendite von knapp 4%.

Vom Umsatz trennen EDAG nur noch 20% zur Nummer Eins (Bertrandt), beim Börsenwert hinkt die Firma aber noch abgeschlagen hinterher. Sollte das Management wie erwartet liefern, könnte sich diese Schere in Zukunft schließen.

6. Juni 2016

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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