Ehemaliger Chefvolkswirt der EZB warnt vor Umbau der EU zur Transferunion

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Es gibt immer noch kritische Geister, die vor den Folgen des Umbaus der EU in eine unumkehrbare Transferunion warnen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Krise in Europa kommt ja derzeit massenmedial kaum mehr vor. Im Gegenteil, in den Schlagzeilen dominieren die Erfolgsmeldungen über einen angeblich starken und nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung in Europa. Der Aufschwung sei dabei so stark, dass selbst krisengeplagte Staaten wie die Hellenische Republik davon profitieren würden.

Warnung vor Transferunion

Über die massiven internen Probleme, ja Spannungen wird kaum mehr berichtet. Und just jetzt ist es einer der Väter des Euro, der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Prof. Otmar Issing, höchstpersönlich, der massiv davor warnt, die EU zu einer Transferunion zu machen. In einem Interview sagte er nun: „Wer aus der EU eine Transferunion macht, legt die Saat für künftige Konflikte.“

Macron-Ideen im Fokus

Beachtlich in dem Kontext ist jedenfalls, dass Herr Issing auf die Vorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zur Reform der EU hinweist. Der moderne „Sonnengott“ der Franzosen will ja unter anderem eine Sozialunion in Europa etablieren. Herr Issing sieht die Vorschläge des Franzosen aber sehr skeptisch. Er ist der festen Ansicht, dass diese am Ende den Kontinent spalten und die Europäer gegeneinander aufbringen werden. Und zwar in einer Weise und in einem Ausmaß, das es bisher noch nie gegeben habe.

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Warnung vor Europäischem Währungsfonds

Wenig verwunderlich also, dass Herr Issing speziell die Bundesregierung davor warnt, den Euro-Rettungsschirm ESM zu einem Europäischen Währungsfonds auszubauen. Wörtlich sagte er: „Wenn der ESM unter EU-Recht gestellt wird und Beschlüsse über Rettungshilfen nicht mehr einstimmig, sondern mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden, höhlt dies die fiskalpolitische Souveränität der Länder aus.“

Ja, liebe Leser, Prof. Issing stellte klar, dass der Glaube, das Europa eine Rechtsgemeinschaft sei, in der man Verträge schließe, um sie einzuhalten, sich als Illusion erwiesen habe. Folglich sei es vor dem Hintergrund dieser Entwicklung laut Herrn Issing grundsätzlich falsch, noch weiter in Richtung stärkerer Integration, sprich Zentralisierung zu gehen. Das sei insbesondere mit Blick auf den Kernbereich nationaler Souveränität im Bereich der Steuern und Finanzen der Fall.

Für uns ist das alles nicht wirklich neu. Vor Jahren warnten wir ja schon davor, dass die europäische Währung sich zunehmend zu einem Sprengstoff entwickeln würde, der Europa auseinanderzureißen drohe. Der nächste harte Lackmus-Test für den Euro steht ja schon Anfang März mit den Wahlen in Italien an. Selbst die fanatischen Eurokraten wissen, dass mit einer politischen Wende in Italien der Anfang vom Ende des Euro, wie wir ihn heute kennen, eingeläutet wird.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.