Ehemaliger Start-up-Liebling Homejoy schließt die Pforten

Der deutsche Aktienmarkt ist mit Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Der Leitindex DAX stieg um 0,5% auf 11.735 Punkte. Das Thema „Grexit“ verschwindet langsam aus den Köpfen der Anleger.

Aber nicht überall ist jetzt Ruhe angesagt. Während der Aktienmarkt insgesamt fair bewertet ist, erreichen die Bewertungen einiger Jungunternehmen, die noch nicht an der Börse notieren, aber schon jetzt in Finanzierungsrunden wie Großkonzerne bewertet werden, schwindelerregende Höhen. Die ersten Träume vom schnellen und großen Geld zerplatzen aber wie Seifenblasen.

Der US-amerikanische Putzdienst-Vermittler Homejoy schließt zum 31. Juli 2015 – also Ende des Monats – seine Pforten. Dies teilte das kalifornische Start-up (= Jungunternehmen) jetzt per Internet-Eintrag mit. Nach nur 3 Jahren endet damit eine Episode, die ursprünglich als eine der kommenden Internet-Erfolgsgeschichten gefeiert wurde.

Im Jahr 2012 gründeten die beiden Geschwister Adora und Aaron Cheung das Unternehmen Homejoy als App (= Computerprogramm), mit der Unternehmen und Privatpersonen zu günstigen Konditionen an Reinigungskräfte kommen sollten.

Investoren gaben Homejoy 40 Mio. US-Dollar

Das Versprechen, über Provisionen und eine spätere globale Verbreitung einen Milliardenmarkt zu erschließen, bescherte Homejoy großes Interesse zahlreicher Investoren. Zu den namhaften Geldgebern zählten beispielsweise Google Ventures oder der Paypal-Mitbegründer Max Levchin. So kamen insgesamt rund 40 Mio. US-Dollar zusammen.

Zudem führten die Vorschusslorbeeren dazu, dass schnell Konkurrenz entstand. Hier sind beispielsweise der US-Konkurrent Handy oder die deutsche Kopie der 3 Samwer-Brüder (die Rocket-Internet-Gründer) mit dem Namen Helpling zu nennen.

Kritik am Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell der Online-Putzdienstvermittler sieht wie folgt aus: Ein Unternehmen oder eine Privatperson sucht eine möglichst günstige Putzkraft und kann diese über eine entsprechende App anfordern. Die Putzkraft erhält einen niedrigen Lohn und muss davon noch einen Teil an den Vermittler abgeben.

Der aggressive Preiskampf ging einher mit Debatten über die Arbeitsbedingungen. So sollen einige der Reinigungskräfte, die offiziell als Freiberufler agieren, so arm sein, dass sie in Obdachlosenheimen leben.

Jetzt sollen Klagen der Hauptgrund dafür gewesen sein, dass die Homejoy-Gründer aufgeben. Denn: 4 offiziell als freiberufliche Dienstleister beschäftigte Reinigungskräfte hatten auf die Anerkennung einer Festanstellung geklagt.

Dieses Problem haben viele junge Internet-Unternehmen, die zu sehr günstigen Konditionen Dienstleistungen vermitteln. Ähnliche Klagen wie gegen Homejoy laufen derzeit auch gegen die Privattaxi-Anbieter Lyft und Uber oder die Lieferdienste Instacart und Postmates. Erst im Juni hatte die kalifornische Arbeitsbehörde einer Uber-Fahrerin Schadenersatz zugesprochen, weil diese als offizielle Mitarbeiterin zu gelten habe.

In dieser Woche veröffentlichte schließlich das US-Arbeitsministerium ein Dokument, das die Bundesbehörden anweist, Unternehmen genauer auf mögliche Scheinselbständigkeit zu untersuchen. „Einige Mitarbeiter können absichtlich falsch klassifiziert worden sein, um Kosten zu sparen und Arbeitsgesetze zu umgehen“, heißt es.

Fazit: Sie als Anleger sollten auf Bewährtes setzen

Diese Beispiele zeigen, wie schnell ein Geschäftsmodell durch erfolgreiche Klagen in Frage gestellt werden kann. Da Homejoy noch in einem relativ frühen Stadium war, wurden hier keine allzu großen Werte vernichtet.

Anders könnte es bei dem US-amerikanischen Privattaxi-Anbieter Uber aussehen: Das Jungunternehmen wird derzeit mit gigantischen 41,2 Mrd. US-Dollar bewertet! Wenn die Klagewelle gegen Uber weiter rollt, könnte sich ein Großteil des derzeitigen Wertes schnell in Luft auflösen.

Daher sollten Sie mit Ihrem Geld auf Bewährtes setzen und in Unternehmen investieren, die über Jahre oder gar Jahrzehnte bewiesen haben, dass ihr Geschäftsmodell tragfähig ist und nachhaltig Gewinne abwirft. Junge Start-ups eignen sich nur für Investoren, die das Geschäftsmodell bewerten können und auch mögliche juristische Fallstricke erkennen.

20. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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