Eigenkapitalforum: Grammer auch ohne Übernahme-Chance einen Blick wert

Grammer ist seit dem Einstieg von Ningbo Jinfeng kein Übernahme-Kandidat mehr. Warum ein Einstieg dennoch attraktiv ist, lesen Sie hier: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Noch bis Mittwoch Nachmittag findet in Frankfurt das Deutsche Eigenkapitalforum 2017 statt.

Es ist die wichtigste SmallCap-Konferenz des Jahres, und dementsprechend groß ist auch in diesem Jahr wieder Andrang.

Weit über 100 Konzerne stellen Analysten, Investoren und Finanz-Fournalisten ihr Geschäftsmodell vor und erklären, welche Strategie in den kommenden Jahren erwartet werden kann.

Wir waren für Sie vor Ort und haben uns natürlich in 1. Linie die Präsentationen der Firmen angeschaut, bei denen das Thema Übernahme groß geschrieben wird – oder bei denen es noch groß werden kann.

Hastor verliert Machtkampf um Grammer

Direkt zur Eröffnung der Konferenz gab der Automobil-Zulieferer Grammer einen tieferen Einblick in das Unternehmen.

Top-Thema der Präsentation war allerdings natürlich auch der ungeliebte Aufstieg des umstrittenen bosnisch-herzegowinischen Investors Nijaz Hastor zum größten Einzel-Aktionär.

Die Unternehmer-Familie Hastor erhöhte ihre Beteiligung nach und nach auf 22,6%.

Schließlich wollte sie dann auf der Grammer-Hauptversammlung sowohl den Vorstand absetzen als auch den Aufsichtsrat neu besetzen.

Doch dank einer ungewöhnlich hohen Anwesenheits-Quote von fast 70% konnte das Management den Machtkampf für sich entscheiden.

Ningbo-Jifeng-Einstieg macht feindliche Grammer-Übernahme sinnfrei

Heute Morgen bedankte sich der Grammer-Referent Ralf Hoppe noch einmal bei den Aktionären, dass der angestrebte Kontrollwechsel des Minderheits-Aktionärs scheiterte.

Ein Wiederaufflammen des Machtkampfes oder gar eine feindliche Übernahme ist inzwischen auch so gut wie sicher vom Tisch.

Denn seit Oktober dieses Jahres ist nicht mehr Hastor, sondern der chinesische Partner Ningbo Jifeng der größte Einzelaktionär Grammers.

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Ningbo Jifeng hält mit 25,51% ein Sperrminorität, was einen größeren Einstieg – oder eine feindliche Mehrheits-Übernahme – für die Hastors unattraktiv macht.

Hoppe erklärte, dass für wesentliche strategische Firmen-Entscheidungen über 75% Zustimmung erforderlich sind, doch mit Jifeng im Rücken kann Hastor die nicht bekommen.

Nach Machtkampf: Grammer konzentriert sich wieder auf das Wesentliche

Das „Übernahme-Szenario Hastor“ aus dem Vorjahr ist endgültig vom Tisch.

Doch nur weil Grammer nicht mehr heißer Übernahme-Kandidat ist, ist eine Investition noch lange nicht uninteressant – ganz im Gegenteil:

Hoppe erklärte, dass sich Grammer jetzt wieder voll auf das Geschäft konzentrieren kann und trotz der zeit- und kostenaufwendigen Querelen, die natürlich die Ergebnisse schmälerten, eine operative Gewinnspanne (EBIT) über dem Vorjahres-Niveau erwartet.

Grammer-Aktie mittelfristig chancenreich

Für die kommenden Jahre zeigt sich das Unternehmen ebenfalls optimistisch:

Basierend auf den Schätzungen zur Automobil-Produktion will Grammer den Umsatz im Bereich Automotive bis 2021 um 30% steigern.

Der Konzern will zudem viel profitabler werden.

Während die operative Gewinnspanne in der Branche 2016 bei durchschnittlich 4,7% (EBIT) lag, wähnt man sich dank Kosten-Optimierung und Portfolio-Management im Jahr 2021 bei 7%.

Sollte es dem Unternehmen gelingen die Mittelfrist-Ziele zu erreichen, dann stehen die Chancen für weitere Aktienkurs-Steigerungen gut.

Und wer weiß: Ein feindliches Übernahme-Szenario ist zwar vom Tisch.

Doch vielleicht will zu einem späteren Zeitpunkt Branchen-Kollege Ningbo Jifeng mehr als nur eine Partnerschaft und hat für Grammer Pläne, die das Management als attraktiv einstuft.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.