Ein Blick auf die Saisonalitäten

Wenn Sie sich mit der Börse beschäftigen, treffen Sie immer wieder auf gern zitierte Börsenweisheiten. Bestes Beispiel: „Sell in May and go away“.

Solche Weisheiten sollten Sie grundsätzlich mit Vorsicht genießen. Auch die Empfehlung, sich im Mai von den Aktienmärkten zu verabschieden und erst im Herbst wieder zu investieren, kann ich so nicht unterschreiben. Dennoch ist es interessant, einen Blick auf die Saisonalitäten an der Börse zu werfen.

August und September sind die schlechtesten Börsenmonate

Nun ist der Mai bereits vorüber – ohne Folgen. Für den DAX brachte er ein zu vernachlässigendes Minus von 0,35%. Langfristig ist der Mai – statistisch gesehen – dagegen ein positiver Börsenmonat.

Seit 1988 steht im Schnitt ein durchschnittliches Plus von knapp 1% zu Buche. Auch der Juni, der nun begonnen hat, bringt im langjährigen Vergleich leicht positive Renditen. Der Juli ist mit einem durchschnittlichen Zuwachs von fast 2% sogar ein sehr guter Börsenmonat.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht ratsam, sich bereits im Mai vom Aktienmarkt zu verabschieden. Dennoch hat die Börsenweisheit eine gewisse Berechtigung. Denn der August und der September sind die statistisch schlechtesten Börsenmonate. In beiden Monaten gab der DAX im Schnitt um mehr als 2% nach.

Danach folgt von Oktober bis zum Jahresende die saisonal stärkste Börsenphase. Im Oktober und November verzeichnete der DAX seit 1988 durchschnittliche Zugewinne von jeweils gut 2%. Im Dezember legte der deutsche Leitindex im Schnitt sogar um 3% zu.

In den Sommermonaten sind die Umsätze relativ gering

Wenn Sie sich diese saisonale Entwicklung anschauen, wird klar: Eigentlich sollte es nicht „Sell in May“ heißen, sondern „Sell in Summer“. Tatsächlich gibt es an den Börsen häufig eine Art Sommerloch. Zu dieser Zeit sind viele Anleger im Urlaub. Dementsprechend sind die Handelsumsätze in dieser Phase vergleichsweise gering.

Das muss aber nicht immer heißen, dass die Kurse in dieser Zeit fallen. Im vergangenen Jahr legte der DAX im August und September um rund 1% zu. 2013 war der September mit einem Gewinn von gut 6% sogar der mit Abstand beste Börsenmonat des gesamten Jahres. Anlegern, die diesen Monat verpasst haben, ist bei der Performance einiges entgangen.

Tatsächlich ist es so, dass es aufgrund der geringeren Handelsumsätze oft zu größeren Kursausschlägen kommt. Manchmal eben auch nach oben.

Der Trend an den Aktienmärkten zeigt weiter nach oben

Was heißt das nun für Sie als Anleger? Ich kann Ihnen nur empfehlen, nicht sklavisch solchen Statistiken zu folgen. Stattdessen sollten Sie vielmehr das „große Bild“ im Auge haben.

Zeigt der Trend an den Aktienmärkten nach oben, wäre es geradezu fahrlässig, sein Aktien-Depot komplett zu leeren. Zudem sollten Sie auch die Transaktionsgebühren nicht vergessen, die dabei anfallen.

Dies gilt auch in der aktuellen Situation. Gerade weil die Konsolidierung nun schon längere Zeit andauert, schätze ich die Gefahr für massive Abschläge eher gering ein. Auf der anderen Seite spricht nichts dagegen, etwas Pulver trocken zu halten, um sich ergebende Kaufgelegenheiten nutzen zu können.

3. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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