Ein Blick auf Europa

eurokrise

Wie verlief die Bärenmarkt-Rallye eigentlich für unsere europäischen Nachbarn? Ein aufschlussreicher Vergleich. (Foto: isak55/Shutterstock)

Über den Verlauf des DAX und der Wall Street wissen wir in aller Regel gut Bescheid. Doch nach Europa – was uns eigentlich ja viel näher liegt und uns tatsächlich auch mehr tangiert – schauen wir eher selten.

Das Coronavirus hat gravierend unterschiedliche Spuren in den europäischen Staaten hinterlassen. Italien und Spanien, das wissen wir aus den zahllosen Medienberichten, hat die Pandemie besonders hart getroffen.

Wir schauen daher heute einmal auf einige ausgewählte Aktien-Indizes in Europa. Dabei habe ich mich darauf konzentriert, wie gut die Bärenmarkt-Rallye im Vergleich zum DAX (ca. +55% der Abwärtsbewegung aufgeholt) gelaufen ist.

Los geht’s!

Die Schweiz

Um einen schnellen Überblick zu erlangen, habe ich für Sie die Fibonacci-Retracements an den Crash von Februar / März angelegt. So sehen Sie sofort, wie viel von der Abwärtsbewegung in Prozent bis dato aufgeholt werden konnte.

Weiterhin habe ich Ihnen im unteren Teil das On-Balance-Volumen (OBV) eingeblendet. Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Kursänderungen mit den zugehörigen Umsätzen und schreibt diesen Wert fort.

So erlaubt Ihnen das OBV einen Einblick in das Verhalten der Großinvestoren. Beginnen wir mit einem der unmittelbaren Nachbarn, der Schweiz.

SMI (Schweiz): Starke Rallye, hohe Großinvestoren-Beteiligung

Für die Schweizer Aktien ist die Bärenmarkt-Rallye sogar noch etwas besser gelaufen als für ihre deutschen Pendants: Der Swiss Market Index (SMI) hat rund +63% der Crash-Bewegung wieder aufholen können.

Auffällig ist: Der Aufwärtstrend im On-Balance-Volumen wurde in der vergangenen Handelswoche nach unten verlassen. Das Kaufinteresse der Großinvestoren lässt mithin nach.

Frankreich

Der bekannteste Index Frankreichs ist der Cotation Assistée en Continu, kurz CAC 40. Er spiegelt die Entwicklung der 40 führenden Aktiengesellschaften im Nachbarland wider.

CAC 40 (Frankreich): Mittlere Erholung, starke Großinvestoren-Aktivitäten

Der CAC 40 hat bisher fast +44% der Abwärtsbewegung wieder gutmachen können. Damit bleibt er klar unter der Erholung von SMI und DAX.

Die Bärenmarkt-Rallye war von eindrucksvollen Großinvestoren-Aktivitäten begleitet: Das OBV kam in der Spitze fast bis an das Februar-Top heran. Der Aufwärtstrend wurde allerdings soeben nach unten durchbrochen.

Österreich

In Österreich blicken wir auf den Austrian Traded Index (ATX).

ATX (Österreich): Mittlere Aufholjagd, wenig Großinvestoren-Beteiligung

Für den ATX lief es bislang weniger gut: Hier wurden gerade einmal etwas mehr als +40% der Abwärtsbewegung wettgemacht.

Regelrecht negativ ist das OBV zu bewerten: Hier gab es nicht einmal einen Aufwärtstrend: Der Indikator liegt nur geringfügig über dem März-Tief und bewegte sich seitwärts.

Italien

Für Italien schauen wir auf den Milano Italia Borsa (MIB) Index.

MIB (Italien): Schlappe Bärenmarkt-Rallye

Die Erholung bei den italienischen Dividendenpapieren verlief unter den bislang betrachteten Indizes am schwächsten: Hier wurde knapp das Minimalziel der +38,1%-Korrektur der Abwärtsbewegung verpasst.

Beim On-Balance-Volumen sehen wir ein ähnliches Bild wie in Österreich: Die Seitwärts-Bewegung signalisiert Ihnen nur geringe Großinvestoren-Beteiligung.

Spanien

In Spanien analysieren wir den Iberia Index (IBEX 35): Er bildet die Kurse der 35 größten spanischen Aktiengesellschaften ab.

IBEX 35 (Spanien): Kaum erholt, wenig Großinvestoren-Aktivitäten

Falls Sie geglaubt haben, schlechter als Italien ginge nicht mehr, dann muss ich Sie enttäuschen: Dem spanischen Leitindex gelang bis dato lediglich, knapp +33% des Crashs zu kompensieren.

Auch hier ist die Entwicklung des OBV bezeichnend: Wie schon zuvor in Österreich und Italien beobachtet, können wir lediglich eine Seitwärts-Bewegung verzeichnen.

Fazit

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht: Aber mir drängt sich der Eindruck auf, als spiegele sich das Ausmaß der Coronavirus-Pandemie in den einzelnen Indizes unserer europäischen Nachbarn wider.

Die Schweiz und Deutschland haben vor Frankreich die bis dato beste Bärenmarkt-Rallye hingelegt: Hier wurden zwischen +44% und +63% der vorausgegangenen Crash-Bewegung wieder aufgeholt.

Wesentlich schlechter haben sich Österreich, Italien und Spanien geschlagen. Hier waren zudem nur geringfügige Großinvestoren-Aktivitäten zu beobachten. Überdies bewegte sich das On-Balance-Volumen bei den Leitindizes dieser Staaten lediglich seitwärts.

Bezeichnend ist, dass die Aufwärtstrends im OBV (Deutschland, Schweiz und Frankreich) inzwischen nach unten durchbrochen wurden. Das bestätigt zusätzlich meine gestern gemachte Einschätzung, dass die Bärenmarkt-Rallye in ihren letzten Zügen liegen dürfte.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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