Peugeot Citroën und Fiat Chrysler: Die 2. Reihe der Autobauer

Es sind nicht immer nur die deutschen Autobauer, die international punkten können. Interessant sind derzeit Hersteller aus der 2. Reihe. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Peugeot Citroën (PSA) hat in den ersten 9 Monaten von der Opel-Übernahme profitiert. Der Umsatz stieg um 12,7%.

Die seit August konsolidierte ehemalige GM-Tochter lieferte einen Beitrag von 2,8 Mrd. €.

Der Absatz stieg um 8,9% auf 2,42 Mio. Fahrzeuge, ohne Opel wären es 1,5% gewesen.

In nahezu allen Regionen hat der Konzern mehr Autos verkauft. In China und Südost-Asien brach der Absatz jedoch um 43% auf 242.000 Fahrzeuge ein.

Wichtigste Aufgabe ist jetzt die Restrukturierung von Opel

2020 soll die Marke schwarze Zahlen schreiben. Während bei PSA jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr 35 Autos produziert hat, waren es bei Opel nur 30,4.

Um auf die gleiche Arbeits-Produktivität von PSA zu kommen, müssten bei Opel rund 5.000 Stellen gestrichen werden.

Da aber betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 ausgeschlossen sind, müssen zunächst andere Lösungen gefunden werden.

Nach dem neuen Sanierungs-Plan sollen alle Opel-Fahrzeuge mit der effizienteren Antriebstechnik der PSA-Modelle ausgestattet werden.

Denn mit den Opel-Motoren ist die ab 2020 in der EU geltende Emissions-Obergrenze nicht zu erreichen.

Synergien schaffen Synergien in Milliardenhöhe

PSA kann durch die Opel-Übernahme das Angebot reduzieren und sich auf margenstärkere Fahrzeuge beschränken.

Gleichzeitig werden neue Märkte erschlossen, die Logistik modernisiert, die Elektrifizierung vorangetrieben, der Einkauf gebündelt und die Preispolitik geändert.

Allein durch gemeinsamen Einkauf sowie Zusammenarbeit bei Produktion, Forschung und Entwicklung könnten bis 2026 jährliche Synergien von 1,7 Mrd. € gehoben werden.

Peugeot Citroën (PSA) im Unternehmens-Porträt

Peugeot Citroën (PSA) ist nach Volkswagen der zweitgrößte Automobil-Hersteller Europas. Weltweit rangiert PSA auf Rang 6.

Neben den Automarken Peugeot, Citroën, Opel/Vauxhall und der Modellreihe DS produziert der Konzern Motorroller.

Und er ist außerdem noch in den Geschäftsbereichen Fahrzeug-Ausstattungen (Faurecia) und Finanz-Dienstleistungen aktiv.

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Fiat Chrysler Automobiles hat in den ersten 9 Monaten von Sondereffekten und einem starken US-Geschäft profitiert

Der Umsatz stieg zwar nur um 0,9%, der Gewinn hat sich aber nahezu verdoppelt.

Geholfen haben zum einen eine Versicherungs-Zahlung für eine Explosion in einem chinesischen Werk, zum anderen der Verkauf margenstarker Chrysler-Modelle.

Nach den Wirbelstürmen in den USA mussten viele zerstörte Geländewagen und Pick-ups ersetzt werden.

Dennoch lag der Absatz mit 3,5 Mio. Fahrzeugen nur auf Vorjahres-Niveau, weil der Konzern die Produktion wenig profitabler Pkws zurückgefahren hatte.

Fiat Chrysler will sich offensichtlich als reiner Massen-Hersteller positionieren

Im Rahmen des Konzern-Umbaus plant Fiat Chrysler den Verkauf der Tochter Magneti Marelli, die mit der Herstellung von Autoteilen einen Umsatz von rund 8 Mrd. € erzielt.

Möglich ist auch ein Börsengang, der 5 Mrd. € in die Kasse spülen könnte.

Auch die Premium-Marken Alfa Romeo und Maserati, deren Wert auf 7 Mrd. € geschätzt wird, könnten ausgegliedert werden.

Es wird sogar über eine Übernahme des gesamten Konzerns spekuliert. Interesse wird verschiedenen chinesischen Herstellern nachgesagt.

Hintergrund der Umbaupläne: Fiat Chrysler braucht dringend Geld für die Entwicklung von Elektro-Autos.

Zwar hat sich FCA in der Vergangenheit immer gegen Elektro-Autos ausgesprochen, weil sie nur mit Verlust verkauft werden können.

Jetzt aber fürchtet Fiat Chrysler den Verlust von Marktanteilen, wenn die E-Mobilität nicht forciert wird.

Gerüchte und Umbaupläne haben den Aktienkurs kräftig nach oben getrieben.

Fiat Chrysler im Unternehmens-Porträt

Der 1899 gegründete Fiat-Konzern firmiert jetzt unter dem Namen Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und gehört nach der Fusion mit Chrysler zu den 10 größten Automobil-Herstellern weltweit.

Neben Fiat, Lancia, Alfa Romeo und Chrysler gehören die Luxus-Marken Ferrari und Maserati zum Konzern.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.