Kreditgespräch: Richtig vorbereitet ist halb gewonnen

Ihre Gewinn- und Verlustrechnung oder Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird beim Kreditgespräch richtig „zerlegt“. J
ede einzelne Position sieht sich die Kreditabteilung Ihrer Bank sehr genau an. Nach der Prüfung der einzelnen Positionen müssen Sie auf alle diese Fragen eine plausible Antwort haben:

Sofern Sie als Freiberufler oder Kleingewerbetreibender Ihre Gewinne durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, erfassen Sie Ihre Umsätze erst mit dem Geldeingang. Diesen können Sie in gewissen Grenzen genauso wie Ihre Ausgaben steuern.

Leicht kann so eine Umsatzsteigerung durch einen größeren Geldeingang entstehen, obwohl die Leistung und die Kosten bereits im Vorjahr angefallen sind.

  • Haben sich in der Struktur Ihres Absatzes besondere Veränderungen ergeben?

  • Sind Sie Händler: Welche Warengruppen liefen besonders gut? Wie haben sich Import- oder Exportanteile entwickelt?

  • Welche Leistungen oder Produkte waren besonders gefragt und welche nicht?

  • Welche Umsätze sind in Ihre Zahlen eingeflossen?

Andererseits können Sie Ihrer Bank als Freiberufler oder Kleingewerbetreibender einen vermeintlichen Umsatzeinbruch gut erklären, wenn die Zahlung einer größeren Lieferung oder Leistung erst im Folgejahr erfolgt.

Die Kosten sind dann bereits in Ihre Zahlen eingeflossen und stellen so Ihre Rentabilität schlechter dar, als sie in Wirklichkeit ist.

Wie hat sich Ihr Rohertrag im Vergleich zum Vorjahr und zum Durchschnitt Ihrer Branche entwickelt?

Sofern Sie Händler sind, wird Ihre Bank Ihre Handelsspanne und Ihren Rohertrag genau unter die Lupe nehmen und mit den Werten Ihrer Branche abgleichen.

Veränderungen können darauf hindeuten, dass Sie in Ihrem Warenlager stille Reserven gebildet oder aufgelöst haben. Kontrolliert Ihre Bank diese Werte nicht, entgeht ihr unter Umständen, dass Ihr Geschäft schlechter läuft, als Sie es darstellen, da Sie unbemerkt im Warenlager vorhandene stille Reserven auflösen können.

Veränderungen in Ihrem Wareneinsatz können die folgenden Ursachen haben (beachten Sie auch die anschließenden Fragen!):

  • Sie konnten günstiger einkaufen.

  • Sie haben in Ihrem Warenlager stille Reserven angelegt oder aufgelöst.

  • Sie haben bessere Verkaufspreise erzielt.

  • Sie hatten Schwund durch Verderb, Diebstahl oder Ausschuss.

  • Wie erklären Sie die Bestandsveränderungen in Ihren Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und dem Warenlager?

  • Haben Sie als Handwerker Bestandserhöhungen, insbesondere in Ihren halbfertigen Erzeugnissen, schmälern diese Ihren Betriebsertrag in Prozent Ihrer Gesamtleistung, da Sie, genau wie andere produzierende Unternehmen, die noch nicht realisierten Gewinnanteile nicht bilanzieren dürfen.

Ihre Bank analysiert auch Ihre Abschreibungen, die Sie als AfA in Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung geltend machen. Interessant ist, ob Sie linear oder degressiv abschreiben und ob Sie Sonderabschreibungen vorgenommen haben.

Haben Sie beispielsweise ganz oder teilweise Abschreibungen oder auch Wertberichtigungen auf Ihr Umlaufvermögen unterlassen, stellen Sie Ihre wirtschaftliche Situation günstiger dar, als diese in Wirklichkeit ist.

Sind die von Ihnen vorgenommenen Investitionen über mehrere Jahre niedriger als Ihre Abschreibungen, geht Ihre Bank davon aus, dass Ihre Betriebsausstattung nicht mehr dem neuesten Stand entspricht.

Ein Indiz dafür ist auch, falls Ihre Gewinn- und Verlustrechnung verhältnismäßig höhere Kosten, beispielsweise bei Personal oder Fremdleistungen, aufweist.

Bei Inanspruchnahme der degressiven AfA reduziert diese in den ersten Jahren, nach Fertigstellung der Investition gerechnet, Ihren Gewinn überproportional. In späteren Jahren jedoch wird Ihre Gewinn- und Verlustrechnung im Vergleich zur linearen AfA entlastet.

So beurteilt die Bank Ihre Kapitalverhältnisse

Ihre Bank erwartet von Ihrem ordentlich geleiteten Unternehmen, dass die Höhe Ihres Eigenkapitals in einem „vernünftigen“ Verhältnis zum von Ihnen aufgenommenen kurz-, mittel- und langfristigen Fremdkapital sowie Ihren geschäftlichen Risiken und Volumina steht.

  • Wie hat sich Ihre Kostenstruktur im Vergleich zu Ihrer Branche oder gegenüber dem Vorjahr verändert?

  • Wichtig ist insbesondere Ihr Fixkostenanteil an Ihren Gesamtkosten und dessen Veränderung.

  • Wie hoch ist Ihr Unternehmerlohn, sofern Sie eine Personengesellschaft oder Einzelfirma führen? Da er bei der GmbH in der Gewinn- und Verlustrechnung regelmäßig enthalten ist, wird Ihre Bank die Höhe Ihrer Entnahmen zu statistischen Vergleichszwecken berücksichtigen.

  • Wie hoch ist Ihr Umsatz je beschäftigte Person und wie dessen Veränderung gegenüber den Vorjahren?

Am besten fragen Sie Ihre Bank, von welchen Richtsätzen sie ausgeht.

Nicht immer steht Ihr wirkliches Kapital auch in Ihrer Bilanz. Haben Sie beispielsweise Ihrer GmbH ein Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt, indem Sie Ihre Gewinne nicht ausgeschüttet haben?

Dieses Darlehen kann Ihre Bank als Eigenkapital berücksichtigen, wenn Sie für die seitens Ihrer Bank an Ihre GmbH gewährten Kredite die Bürgschaft übernommen haben.

Ihr Gesellschafterdarlehen wird auch als Eigenkapital bewertet, falls Sie dazu erklärt haben, dass Sie mit Ihrer Forderung im Insolvenzfall im Rang hinter die Forderungen aller anderen Gläubiger Ihrer GmbH zurücktreten (qualifizierter Rangrücktritt).

Auch stille Reserven können Ihrem Eigenkapital zugerechnet werden. Haben Sie zum Beispiel Ihr Betriebsobjekt mit 300.000 € bilanziert, dieses aber zweifelsfrei 500.000 € wert ist, besteht eine stille Reserve in Höhe von 200.000 €. Diese kann Ihre Bank – zumindest teilweise – gedanklich Ihrem Kapital zurechnen.

Sind Sie Einzelunternehmer, zählt auch Ihr Privatvermögen, netto nach Abzug Ihrer privaten Schulden, zum für Ihre Bank haftenden Kapital.

Das gilt auch, wenn Sie Gesellschafter einer OHG oder Partnerschaftsgesellschaft oder Komplementär einer KG sind. Absetzen hingegen wird Ihre Bank von Ihrem Bilanzkapital in diesen Fällen Ihre privaten Schulden, beispielsweise Ihre Einkommensteuerverbindlichkeiten, von Ihnen privat aufgenommene Kredite, Ihre für Dritte übernommenen Bürgschaften.

Sollten Sie Ihrer Bank lediglich eine Einnahmen-Überschuss- Rechnung vorlegen, wird Sie Ihre Bank dennoch nach Ihren Waren- und Forderungsbeständen sowie Ihren Betriebsschulden fragen.

Sie wird diese neben Ihrem Privatvermögen und Ihren Privatschulden in einer „Hilfsbilanz“ erfassen und dann die Zahlen auswerten.

Die Bank interessiert, ob sich das Kapital in Ihrem Unternehmen auch rentiert

Ihre Bank berechnet, ob das in Ihrem Unternehmen gebundene Kapital auch rentabel arbeitet. Sie ermittelt die Rentabilität Ihres Gesamtkapitals sowie Ihre Eigenkapitalrentabilität.

Ihre Eigenkapitalrentabilität muss mittelfristig höher sein als der Zinssatz für langfristige Geldkapitalanlagen. Außerdem brauchen Sie einen angemessenen Zuschlag von mindestens 50% auf diesen Zinssatz für Ihr Unternehmerrisiko.

Ihre Bank möchte wissen, wie Sie sich die Zukunft Ihres Unternehmens vorstellen

Es gilt wenig, wenn Sie in der Vergangenheit als erfolgreicher Unternehmer rentabel gearbeitet haben, sofern Ihre Zukunft auf Grund konjunktureller oder branchenbedingter Umstände schwarz aussieht.

Für Ihre Bank, die ja in Zukunft ihr Geld mit Zinsen von Ihnen zurückhaben will, ist wichtig, dass Sie auch in den kommenden Jahren erfolgreich sind. Deswegen reichen Ihre guten Zahlen aus der Vergangenheit allein nicht aus, damit Ihre Bank ihre Taschen für Sie weiterhin geöffnet hält.

Sie kommen im Zeitalter des Ratings nicht mehr daran vorbei, Ihrer Bank Finanzpläne vorzulegen.

Benchmarking: Sie werden von Ihrer Bank an den Vergleichszahlen Ihrer Branche gemessen

Ihre Geschäftszahlen werden im EDV-System Ihres Kreditinstituts gespeichert und mit den Zahlen anderer Unternehmen Ihrer Branche verglichen. Außerdem gibt es, in der Zusammensetzung wechselnd, „Krisenbranchen“, die Ihr Kreditinstitut als solche definiert hat und in denen es sich mit Kreditgewährung zurückhält.

Bei deutschen Banken „beliebte“ Krisenbranchen sind beispielsweise immer wieder:

  • Bauträger

  • Bekleidungshersteller

  • Diskotheken

  • Einzelhandelsbetriebe wechselnder Branchen, beispielsweise: Boutiquen, Computerläden, Dritte-Welt-Läden

Wenn Sie nun das Pech haben, einer Branche anzugehören, die gerade von Ihrer Bank als „Risikobranche“ eingeschätzt wird, dann müssen Sie trotz guter Zahlen immer und immer wieder bei Ihrem Banker Überzeugungsarbeit leisten.

Hinzu kommt, dass gerade auch kleine und mittlere Unternehmen (Umsatz/Gesamtleistung bis zirka 25 Mio €) als überdurchschnittlich krisenanfällig gelten. Das liegt wohl auch daran, dass nach den einschlägigen Statistiken, beispielsweise durch den Verband der Vereine Creditreform, Kleinbetriebe mit wenigen Beschäftigten anteilig die meisten Pleiten verursachen.

Fragen Sie Ihre Bank nach Branchenvergleichszahlen

Falls Sie mit Ihren Geschäftszahlen im Branchenvergleich Ihrer Bank schlechter abschneiden, was ja auch Einfluss auf Ihr Rating hat, sollten Sie unbedingt hinterfragen, wie das Datenmaterial Ihrer Bank zu Stande gekommen ist. Nur dann können Sie einen Eindruck von der Qualität des Zahlenmaterials Ihres Kreditinstituts erhalten:

  • Gastronomie allgemein

  • Gesundheitsbranche, von Ärzten bis Masseuren

  • Reisevermittler

  • Softwareunternehmen im weitesten Sinne

  • Sonnenstudios, Fitness-Center

  • Textilhandel

  • Videotheken

  • Zyklische Branchen wie die Bauwirtschaft und ihre Zulieferer

  • Erfasst Ihre Bank nur die Jahresabschlüsse der eigenen Kreditkunden oder auch alle Kundenbilanzen der Institutsgruppe (beispielsweise Volksbanken oder Sparkassen)?

  • Wie viele Betriebe sind aus Ihrer Branche in der Statistik vertreten?

  • Legt Ihr Kreditinstitut die veröffentlichten Zahlen aus den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank zu Grunde?

  • Falls die Zahlen von Branchenverbänden stammen: Aus welchem Jahr ist das Material?

Ob Ihre Bank auf 5.000 oder nur auf fünf Vergleichsabschlüsse zurückgreifen kann, ist für Sie von großer Bedeutung. Zweckmäßigerweise sollte Ihre Bank Sie mit Betrieben nicht nur Ihrer Branche, sondern auch der gleichen Größenordnung vergleichen.

Berücksichtigen Sie auch, dass Ertragszahlen von Einzelunternehmern oder Personengesellschaften auf den ersten Blick optisch besser aussehen als die eines vergleichbaren Betriebs in der Rechtsform der GmbH.

Bei Ihnen als Einzelunternehmer ist der Unternehmerlohn in den Personalkosten nicht enthalten. Sie müssen diesen kalkulatorisch berücksichtigen, wenn Sie sich mit einer GmbH vergleichen wollen, in der die Kosten des Geschäftsführers in der Ertragsrechnung bereits enthalten sind.

Der Kreditsachbearbeiter in Ihrer Bank wird, wenn er nicht über spezielles Material bezüglich Ihrer Branche verfügt, Ihre Geschäftszahlen mit denen Ihrer Branchenkollegen vergleichen, soweit diese bei der gleichen Bank Kunde sind.

Abweichungen wird er klären und dann daraus seine Schlüsse ziehen. In jedem Fall ist Ihr Banker sehr stark auf Ihre Aussagen und Einschätzungen angewiesen. Es ist also wichtig für Sie, dass Sie Ihre Zahlen glaubhaft kommentieren können.

Wenn Ihre Bank Sie an den globalstatistischen Zahlen, welche die Deutsche Bundesbank jährlich herausbringt, misst, sollte sie klugerweise berücksichtigen, dass statistische Durchschnittswerte nur einen Orientierungswert darstellen.

Die Deutsche Bundesbank bereitet ihr Material aus den ihr eingereichten Jahresabschlüssen von deutschen Unternehmen auf.

Aber nicht alle Betriebe sind hier erfasst. So fallen fast alle „Kleinunternehmer“ durch dieses statistische Netz. Die Branchenaufgliederung besteht lediglich aus einem groben Raster.

Deswegen können diese Zahlen für Sie und Ihre Bank nur als Richtwerte dienen.

Fragen Sie aber auch Ihre Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder Ihren Branchenverband nach detaillierteren Vergleichszahlen.

Wie die Bank Ihre Qualität als Kreditkunde bewertet

Die Banken sind dazu übergegangen, alle über Sie vorliegenden Daten, nicht nur Ihre Geschäftszahlen, statistisch zu verarbeiten. Der Fachbegriff dafür ist „Kreditscoring“ oder „Kreditrating“. Kreditrating hat sich im Vorgriff auf Basel II inzwischen in der Bankenszene etabliert.

Ein wichtiger Ratingfaktor: Statistisch ist erwiesen, dass „junge“ Unternehmen leichter in Konkurs gehen als solche, die mehr als 10 Jahre bestehen.

Unstrittig ist auch, dass Kleinunternehmen insolvenzanfälliger sind als mittlere oder große Unternehmen.

Die wesentlichen Bereiche, die beim Rating berücksichtigt werden

Wir haben für Sie Beispiele zusammengestellt, nach welchen Kriterien Ihre Bank Ihr Management, Ihre Bilanzpolitik, Ihre Position im Markt beurteilen kann.

  • Firmenrisiko (Unternehmen, Management, Organisation)

  • Bilanzanalyse, Finanzen, Planung

  • Bankbeziehung, Kontodatenanalyse

  • Branchen- und Marktbewertung

  • Kreditsicherheiten

Die Ratingnote, die Ihre Bank zu Ihrem Kreditengagement ermittelt, entscheidet nicht nur darüber, ob Sie Ihren Kredit bekommen oder nicht. Je besser die Ihnen von Ihrer Bank zugewiesene Ratingnote ist, umso günstiger sind auch die Konditionen, die Ihnen Ihre Bank einräumt.

Mit anderen Worten: Sie sparen viel Geld, wenn Ihre Bank das Risiko aus Ihrem Kreditengagement geringer bewertet und deshalb auf einen Risikozuschlag auf den Ihnen berechneten Zinssatz verzichtet. Außerdem ist es für Sie leichter, künftig weitere Kredite zu erlangen.

So funktioniert die Kreditüberwachung

Wenn Ihre Bank Ihnen Ihre Kredite und/oder Darlehen ausgezahlt hat, ist die Arbeit der Kreditabteilung in Ihrer Bank noch lange nicht getan.

Während der Laufzeit des Kreditengagements unterliegen Sie der „Kreditüberwachung“. Ihre Bank möchte sicher sein, dass Sie auch künftig ein „guter“ Kunde bleiben und Ihren Verpflichtungen aus dem Kreditengagement immer prompt nachkommen können.

Deswegen wird die Kreditabteilung Ihrer Bank permanent ein wachsames Auge auf Ihr Unternehmen werfen. Sie wird alle Veränderungen Ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse und die Aussichten Ihrer Branche beobachten.

Besonderen Stellenwert genießt die jährliche Auswertung Ihres Jahresabschlusses oder Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung und Ihrer Vermögensunterlagen. Außerdem werden Sie alljährlich neu geratet oder zwischendurch, wenn sich gravierende Änderungen in Ihrem Kreditengagement ergeben.

Grundsätzlich untersucht und vergleicht Ihre Bank immer die letzten drei Jahresabschlüsse nach den Kriterien Rentabilität, Liquidität, Kapitalstruktur, um sich über positive oder negative Trends in der Entwicklung zu informieren. Außerdem wird anhand Ihrer Zahlen ein Branchenvergleich vorgenommen.

Weichen Ihre Zahlen deutlich vom Branchendurchschnitt ab, müssen Sie sich kritische Fragen gefallen lassen, sofern diese Abweichung negativ ist.

Ändern sich Ihre rechtlichen Verhältnisse, weil Sie beispielsweise Ihre Einzelfirma in eine GmbH umwandeln, tun Sie gut daran, dieses vor Vollzug Ihrer Maßnahmen mit Ihrer Bank zu besprechen.

Dann sind Sie sicher, dass Ihnen Ihre Kredite erhalten bleiben. Sehr sorgfältig wertet Ihre Bank alle Schuldnerlisten, Wechselprotestlisten, Handelsregisterveröffentlichungen, Mitteilungen der Industrie- und Handelskammern, Presseveröffentlichungen und Branchenberichte aus.

Die Kreditabteilung Ihrer Bank kontrolliert auch, ob Sie eventuelle Kreditauflagen erfüllen und sich an Ihre kreditvertraglichen Vereinbarungen halten.

Dazu gehört auch die periodische Einreichung verlangter Kreditunterlagen, wie bei variablen Sicherheiten periodische Sicherheitenmeldungen, Planungsunterlagen und Quartals- oder Jahresabschlüsse.

Auch die von Ihnen zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten kommen von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand. Verschlechtern sich die Vermögenswerte, wird Ihre Bank von Ihnen Sicherheitenverstärkung oder entsprechende Kreditrückführung verlangen.

Haben Sie Grundschulden als Sicherheit hergegeben, wird Ihre Bank die beliehene Immobilie von Zeit zu Zeit wertmäßig neu einschätzen.

Liegen Bürgschaften vor, überprüft Ihre Bank periodisch die Vermögensverhältnisse des oder der Bürgen durch Anforderung aktueller Vermögensaufstellungen.

Bei variablen Sicherheiten, also Warenlagerübereignung und Forderungsabtretungen, müssen Sie periodisch Bestandsmeldungen und Forderungslisten einreichen. Von Zeit zu Zeit nehmen Mitarbeiter Ihrer Bank dann bei Ihnen Sicherheitenprüfungen vor.

Dabei werden auch der ausreichende Versicherungsschutz des übereigneten Warenlagers und die Höhe der auf Ihrem Warenbestand lastenden Lieferantenrechte überprüft. Auch auf „Ladenhüter“ achten die Bankprüfer. Größere Kundenforderungen werden ebenfalls bonitätsmäßig überprüft.

Ihr Konto: Wichtiger Informant Ihrer Bank

Die Art und Weise, wie Sie Ihr Konto sowie Ihr Kreditengagement führen, sagt Ihrer Bank oft mehr als umfangreiche Gespräche oder ein Wust von Unterlagen.

Wichtige Daten und Fakten liefern Ihre Umsatztätigkeit, Ihre Durchschnitts-Kreditinanspruchnahmen, Ihre Durchschnittsguthaben, eventuell vorkommende Überziehungen. Auch die Einsicht in Belege Ihres Zahlungsverkehrs ermöglicht Ihrem Kreditinstitut tiefe Einblicke in Ihre Unternehmensabläufe.

Besonders interessiert Ihre Bank natürlich, wie sich Ihr Kontoumsatz im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr entwickelt. Dabei wird insbesondere auf Ihre Habenumsätze geachtet, da diese Ihre Geldeingänge darstellen.

Ihre Habenumsätze werden mit Ihrem in Ihrer Einnahmen-Überschuss- oder Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Umsatz verglichen. So kann Ihre Bank sofort sehen, welcher Anteil der Umsätze über Ihr Konto bei dieser Bank läuft, sofern Sie mit mehreren Banken arbeiten.

Die Höhe Ihrer Kontoumsätze muss in einem gesunden Verhältnis zu Ihrer Kreditinanspruchnahme auf Ihrem Kontokorrentkonto stehen.

Ihre Kreditlinie sollte sich jährlich so oft umschlagen wie Ihre Kundenforderungen, gemessen jeweils am Kontoumsatz beziehungsweise an Ihren Geschäftsumsätzen.

Je höher die Umschlagskennziffer ist, umso günstiger werden Sie in diesem Punkt beurteilt. Bewegt sich Ihre Kreditinanspruchnahme stets an der Obergrenze Ihres Kreditlimits, nutzen Sie Ihren Kredit also fast immer voll aus, schließt Ihre Bank daraus, dass Ihre Liquidität schwach ist, besonders, falls es auch zu Überziehungen kommt.

Überziehen Sie Ihr Konto des Öfteren mit höheren Beträgen und laufen diese Überziehungen nur sehr zäh zurück, wird Ihre Bank Sie sicherlich bald auf Ihre „ungeordnete“ Kontoführung ansprechen.

Sind Sie kreditwürdig, sollten Sie schnell auf der Grundlage Ihres Liquiditätsplans gemeinsam mit Ihrer Bank das Kreditengagement ordnen und ein höheres Limit vereinbaren, das Sie dann flexibel in Anspruch nehmen können.

Gute Karten haben Sie bei Ihrer Bank, wenn Ihre Mindest- und Höchst-Kreditinanspruchnahmen sehr weit auseinander liegen und Sie das Konto auch des Öfteren ins Haben bringen und wenn gleichzeitig Ihre Habenumsätze im Vorjahresvergleich steigende Tendenz aufweisen.

Schlecht sind ständig steigende Durchschnitts-Kreditinanspruchnahmen, verbunden mit sinkenden Habenumsätzen. Wenn Sie Steuerzahlungen erst verspätet leisten und Ihre Lieferantenrechnungen nicht mehr unter Ausnutzung von Skonti bezahlen, sondern vielleicht durch Wechselhergabe, wird Ihre Bank ebenfalls misstrauisch. Kommen dann noch Lastschrift- oder gar Scheck- und Wechselretouren mangels Deckung hinzu, läuten die Alarmglocken.

Ihr Ruf und Ihre Kreditwürdigkeit sind dann in Gefahr. Sie werden kaum noch höhere Kredite erhalten. Das gilt auch, falls Ihr Geschäftsvolumen stagniert oder rückläufig ist oder Ihre Bank Ihre Unternehmensverluste und eventuell noch Ihre Privatentnahmen finanzieren soll.

Falls Ihre Bank vermehrt Bankauskünfte über Sie erteilen soll, kann auch das für Ihr Kreditengagement bedeutsam sein.

Nehmen Sie Kredite in Millionenhöhe in Anspruch, muss Ihre Bank alle Ihre Inanspruchnahmen periodisch an die Bundesbank melden. Anhand einer Rückmeldung der Bundesbank kann Ihre Bank ersehen, ob und gegebenenfalls bei wie vielen anderen Banken Sie ebenfalls Millionenkredite in Anspruch genommen haben.

Durch eine statistische Aufbereitung dieser Daten kann Ihre Bank periodisch kontrollieren, wie sich Ihre Gesamtverschuldung entwickelt und welchen Anteil Ihre einzelnen Banken daran haben.

Aber auch Ihre persönlichen Verhältnisse interessieren Ihre Bank. Das fängt bei überhöhten Privatentnahmen an und hört auch bei einer eventuell anstehenden Ehescheidung mit der dann folgenden Vermögensauseinandersetzung nicht auf.

Bedeutsam für Ihre Bank wären auch anstehende Gerichtsverfahren gegen Sie auf Grund strafrechtlicher Verfehlungen. Diese können Ihre Arbeitsleistung für Ihr Unternehmen stark beeinträchtigen.

Mit Sofortmaßnahmen Ihrer Bank müssen Sie rechnen, wenn längere Zeit bei Ihren Darlehen Tilgungsrückstände bestehen, Wechselproteste oder Scheck- und Lastschriftrückgaben vorkommen oder wenn trotz mehrfacher massiver Anforderung erforderliche Kreditunterlagen nicht eingereicht wurden.

Beispielsweise fordert Ihre Bank dringend Ihre Jahresabschlüsse an, falls deren Einreichung überfällig ist.

Checkliste: Wie die Banken bei ihrer Analyse Ihr Unternehmen „auseinander nehmen“

  •  Informieren Sie sich über die Arbeitsabläufe in der Kreditabteilung Ihrer Bank und stellen Sie sich darauf ein.
  • Besorgen Sie sich von Ihrem Branchenverband die Betriebsvergleichszahlen, die von der Bank als Benchmarkwerte herangezogen werden
  • Eine Beobachtungsquelle Ihrer Bank ist Ihr Konto. Richten Sie die Art Ihrer Kontoführung so ein, dass sich daraus keine nachteiligen Erkenntnisse für Ihre Bank ergeben.
  • Beachten Sie, dass in der Bank sofort nach der Auszahlung des Kredits die Kreditüberwachung einsetzt, die Ihr Unternehmen und die Verwendung des Kredits ununterbrochen „verfolgt“.
  • Liefern Sie Ihrer Bank qualitativ hochwertige Unterlagen, die jeglicher Prüfung standhalten.
  • Geben Sie Ihrer Bank zusätzlich zu den Bilanzzahlen noch Informationen über wichtige Bilanzpositionen, so dass die Bank auch zu einer zutreffenden Bewertung Ihrer Bilanzzahlen kommen kann.
  • Beachten Sie, dass sich Ihre Bank auch über die Zukunft Ihres Unternehmens Gedanken macht.
  • Erfragen Sie, mit welchem Ergebnis Sie im Rahmen der Kreditprüfungen „geratet“ wurden.

24. Juli 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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