Ein Blick über den Tellerrand

Hand Aktienkurse Handy – shutterstock_281485052 solarseven

Der Aktienmarkt ist mehr als DAX und Dow Jones: Wir schauen uns einmal Segmente an, die weniger oft im Fokus stehen. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Wir sind es gewohnt, unsere Aktienmarkt-Einschätzung immer an den großen Indizes auszurichten: Dow Jones, S&P 500, Nasdaq 100 oder DAX.

Dabei gibt es andere Segmente, die durchaus ähnlich spannend sind. Gemeint sind Indizes, die eben nicht die Kursentwicklung der großen Standardwerte abbilden, sondern die der kleinen oder mittleren Unternehmen.

Wir schauen daher heute und an den nächsten beiden Tagen einmal gemeinsam auf 3 der bekanntesten Indizes der DAX-Familie.

Was glauben Sie? Wie viele Mitglieder hat die DAX-Familie?

Die DAX-Familie ist weit größer, als Sie vielleicht denken: Klar, die meisten von Ihnen kennen den MDAX (MidCap-Index = mittelgroße Konzerne), den SDAX (SmallCap-Index = kleinere Gesellschaften) und den TecDAX (Technology-Index = Technologieaktien).

Möglicherweise fällt Ihnen noch der eine oder andere ein. Ich sage Ihnen gleich, wie viele es wirklich sind. Sitzen Sie gut? Ok, dann los!

In ihrem Fact-Sheet zum 30. Geburtstag des DAX am 1. Juli 2018 nannte die Deutsche Börse AG eine Zahl von satten 3.513 Indizes (Stand: 31.12.2017), die der Familie angehören! Allein 859 davon sind reine Aktien-Indizes.

Erst mal der Überblick!

Nichtsdestotrotz beschäftigen wir uns heute mit einem Index, den Sie gewiss kennen: Dem TecDAX.

Und wie Sie das hier in Chartanalyse-Trends gewohnt sind, schauen wir zuerst auf einen Monats-Chart, um uns einen Überblick über die langfristigen Trends zu verschaffen.

Das empfehle ich Ihnen übrigens immer dann zu tun, wenn Sie einen Markt nicht kennen oder ihn schon längere Zeit nicht mehr auf dem Schirm hatten.

Hier also der Monats-Chart des TecDAX, in den ich Ihnen im unteren Teil den 14-Monats-Relative-Stärke-Index (RSI) eingeblendet habe.

TecDAX: RSI warnt schon seit Oktober 2018

Relative-Stärke-Index so wie ich ihn nutze

Sie kennen das schon: Ich nutze den RSI nicht in der traditionellen Verwendung, um überkaufte (Werte über 70%) bzw. überverkaufte (unter 30%) Marktphasen zu erkennen. Warum?

Ganz einfach: Weil solche Phasen sehr lange andauern können (siehe im Chart die Jahre 2001 bis 2005) und Ihnen dadurch keine konkreten Kauf- oder Verkaufssignale liefern.

Als sinnvollste Verwendung habe ich vor langer Zeit die Integration in den Monats-Chart für mich entdeckt: Anhand von Trendbrüchen generiert der RSI hier für Sie langfristig andauernde Kauf- und Verkaufssignale.

Hand Aktienkurse Handy – shutterstock_281485052 solarseven

TecDax: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einzelner Aktien renditestarkKGV von weniger als 10 ist oft Einstiegsgrund für institutionelle Investoren › mehr lesen

Das sieht nicht wirklich gut aus!

3 Dinge fallen hier dem geneigten Betrachter ins Auge:

  1. Der Relative-Stärke-Index hat seinen seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend im Oktober des vergangenen Jahres nach unten verlassen. Die Entwicklung bis in den April 2019 hinein erwies sich als der in der Charttechnik häufig gesehene Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Trendlinie (gelber Kreis).
  2. Seit dem Jahr 2014 hat der TecDAX eine Divergenz (Abweichung) ausgebildet: Während der Index weiter neue Hochs markieren konnte, bildete der RSI tieferliegende Tops aus.

Mit einer Divergenz (Abweichung) verhält es sich so ähnlich wie mit den überkauften oder überverkauften Marktphasen: Sie zeigen Ihnen eine Anomalie an, aber Sie können daraus keine konkreten Signale ableiten.

Die Divergenz ist eher eine Art Warnfunktion, die Sie auf einen in der Zukunft anstehenden Trendwechsel hinweist.

  1. Die zunehmende Schwäche des TecDAX offenbart sich darin, dass der Aufwärtstrend in den vergangenen Monaten mehrfach penetriert wurde (blaue Pfeile).

Auch das Momentum macht keine Hoffnung

Schauen wir uns zum Abschluss noch einen Tages-Chart an, bei dem ich Ihnen zusätzlich das 50-Tage-Momentum eingeblendet habe:

TecDAX: Auch das Momentum macht keine Hoffnung

Auch hier finden wir wieder eine Divergenz (Abweichung), die sich seit April dieses Jahres aufgebaut hat. April? Da war doch was? Richtig:

Im Monats-Chart sahen Sie, dass der RSI des TecDAX in diesem Monat das Top seines Pull-Backs (Rücksetzer) markierte.

Das Momentum zeigt Ihnen, dass die Index-Bewegung seit April „Augenwischerei“ war: Während der TecDAX noch einige Zeit aufwärts strebte, blieb der Trend im Schwung-Indikator abwärts gerichtet.

Damit nicht genug: Seit August bewegt sich das Momentum im Minusbereich. Der TecDAX baut somit – trotz der Rallye – negative Dynamik auf!

Fazit

Falls Sie gehofft hatten, der TecDAX würde Ihnen eine freundlichere Einschätzung liefern als der DAX, dann habe ich Sie vermutlich heute enttäuschen müssen.

Wie der Monats-Chart Ihnen zeigte, hat der deutsche Technologieaktien-Index seinen seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend bereits im Oktober 2018 nach unten verlassen. Die Entwicklung seither war nichts anderes als ein Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Trendlinie.

Das Momentum im Tages-Chart macht deutlich, dass es um die Charttechnik des TecDAX nicht sonderlich gut bestellt ist: Der Schwung-Indikator befindet sich bereits seit April im Abwärtstrend und seit August wird obendrein noch negative Kursdynamik aufgebaut.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz