Ein DAX-Neuling und ein Börsenbeben

Vonovia feierte am Montag sein Börsendebüt – doch der Abgasskandal um VW überschattete das Geschehen am Parkett. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Volkswagen, der Vorzeige-Autobauer aus Wolfsburg, wurde des Betrugs überführt und hat diesen inzwischen auch eingeräumt.

Demnach wurden Dieselfahrzeuge in den USA derart manipuliert, dass die Software des Bordcomputers Abgastests der Behörden erkannte und die Ergebnisse aktiv verfälschte.

Tatsächlich lag die Schadstoff-Emission offenbar bis zu 40-mal höher als zugelassen.

VW vor einem Scherbenhaufen

Volkswagen steht nun vor einem Scherbenhaufen: Das Image ramponiert, das Vertrauen von Kunden und Anlegern verloren, der Ruf der deutschen Autoindustrie angekratzt.

Ob der eben noch gestärkte Konzernchef Martin Winterkorn unter diesen Voraussetzungen auf eine Vertragsverlängerung hoffen darf, steht in den Sternen.

Zudem steht eine saftige Strafzahlung im Raum, die Rede ist von bis zu 18 Mrd. Dollar. Womöglich müssen auch Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden.

Darüber hinaus könnte eine zivilrechtliche Klagewelle auf Schmerzensgeld und Schadensersatz auf den Konzern zurollen, denn gerade US-Gerichte sind nicht zimperlich, Kunden hohe Summen zuzugestehen, wenn ein Produkt nicht hält, was es verspricht.

VW-Aktie crasht, auch BMW und Daimler werden mitgerissen

Angesichts derart verheerender Aussichten verwundert es kaum, dass die Aktie der Wolfsburger am Montag in die Tiefe rauschte und zwischenzeitlich mehr als 1/5 ihres Wertes verlor.

Auch am Ende stand unterm Strich noch ein Tagesverlust von mehr als 18%. Innerhalb weniger Stunden wurden so rund 15 Mrd. € Börsenwert verbrannt.

Was Sie zur Indexreform wissen müssenSeit gestern präsentieren sich DAX & Co. in neuer Zusammensetzung. Das müssen Sie zur Neuordnung der deutschen Indizes wissen. › mehr lesen

Auch die Konkurrenz wurde durch die Vorwürfe schwer getroffen – denn noch kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass es nicht zu weiteren Manipulationen gekommen sein könnte.

Zumindest steht der Verdacht nun im Raum und es dürfte schwierig werden, das Vertrauen in die Autos made in Germany zurückzugewinnen.

Die BMW-Aktie verlor im Abwärtstaumel 1,5%, Daimler gab um 1,4% nach. Auch Zulieferer Continental wurde mitgerissen, der Kurs sackte um 3,4% ins Minus.

DAX legt leicht zu, Vonovia schwächelt zum Debüt

Auch RWE zählte erneut zu den schwächsten DAX-Werten mit einem Verlust von fast 5%. Konkurrent E.on rettete sich dagegen ins Plus und legte um 0,3% zu.

Auch insgesamt ließ sich der Dax vom VW-Debakel nicht beeindrucken. Unterstützt von einer starken Wall Street kletterte der Leitindex um 0,3% auf 9.948 Zähler und näherte sich damit wieder der 5-stelligkeit.

Spitzenreiter war Fresenius Medical Care mit einem Aufschlag von 3,4%, gefolgt von Lanxess und Merck, deren Papiere um jeweils 3,3% vorrückten.

Der Kölner Chemiekonzern muss sich allerdings aus dem Barometer verabschieden und wird abgelöst von Vonovia, vormals Deutsche Annington.

Die Aktie der Wohnungs-Gesellschaft gab bei ihrem DAX-Debüt allerdings um 0,2% nach.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.