Ein Gespenst geht um – Die Halloween-Strategie

Noch 1 Woche, dann ist es soweit: Halloween, der Konsum-Probelauf vor Weihnachten, steht an.

Wenn Sie die folgenden Zahlen lesen, werden Sie verstehen, warum es Halloween auch nächstes Jahr noch geben wird.

Halloween: Umsätze in den USA

  • Der Einzelhandel erwartet an Halloween einen Umsatz von 9,1 Mrd. US-Dollar.
  • Knapp 72% der Amerikaner werden dieses Fest feiern.
  • Im Durchschnitt gibt jeder US-Bürger 86,13 US-Dollar für Halloween aus.

Und diese schier unglaublichen Zahlen steigen sogar seit Jahren.

Ein Blick auf den Chart von statista zeigt, dass wir 2007 „nur“ bei 5 Mrd. US-Dollar lagen, 10 Jahre später ist es fast schon doppelt so viel!

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Weitere Daten und Fakten zu Halloween

Die 9,1 Mrd. US-Dollar Umsatz sind ja nur allgemein die Ausgaben, die der Einzelhandel erwartet. Heruntergebrochen auf die einzelnen Sektoren sieht das wie folgt aus:

  • 3,4 Mrd. US-Dollar für Kostüme
  • 2,7 Mrd. US-Dollar für Dekoration
  • 2,7 Mrd. US-Dollar für Süßigkeiten
  • 300 Mrd. US-Dollar für Tickets für Geisterbahnen und dergleichen
  • 730.000 t Kürbisse werden geerntet.
  • 1,4 kg Kürbis verbraucht der US-Amerikaner am 31.10. pro Kopf.

Die Kürbis-Industrie wäre ohne Halloween sicherlich minimal; ohne dieses Fest am letzten Tag des Oktobers würde Kürbis höchstens ab und zu in einer Suppe landen.

Die Halloween-Strategie für Anleger

Natürlich gibt es an der Börse auch passend zu diesem Event eine entsprechende Strategie – eine, die Sie vermutlich schon kennen werden:

Nach dem Prinzip „Sell in May and go away“ sollen demnach Anleger ihre Aktien im Mai verkaufen und am Tag nach Halloween, also direkt Anfang November, wieder einsteigen.

Der Hintergrund: Aktien steigen im Halbjahr zwischen November und Mai deutlich mehr als in den Sommermonaten. Deshalb ist zu einem Umschichten zu raten.

Dass diese Regel natürlich bereits zahlreiche Ausnahmejahre hatte, können Sie ahnen. Doch ganz von ungefähr kommt diese Strategie auch wieder nicht…

Zumindest in den vergangenen 30 Jahren sieht der Dow Jones Industrial Average ziemlich gut aus, wenn es um die Halloween-Strategie geht.

Der Chart stammt von Dimitri Speck und seinen Seasonal Charts. Sie sehen, dass zwischen Mai und Oktober am Ende ein Verlust zu Buche stehen würde.

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Optimieren wir die Halloween-Strategie nach diesem Chart, müssten wir eigentlich erst Ende Juli verkaufen und dann etwa 1 Woche vor Halloween wieder einsteigen.

Zumindest hätten wir dann im Durchschnitt die große Verlust-Phase von August bis Oktober geschickt umschifft.

2017 – kein Jahr für Sell in May

Die Halloween-Strategie ist dieses Jahr definitiv nicht aufgegangen: Der Dow Jones hatte etwas Leerlauf von März bis Mai und noch einmal im September.

Ansonsten ist er aber extrem stark angestiegen, und gerade jetzt im Oktober wird dieser Trend noch steiler. Dieses Jahr ist also ein Ausreißer.

Alternativ hätten Sie im Mai bei einem Dow Jones-Stand von rund 21.000 Punkten verkauft und müssten jetzt bei knapp 23.500 Punkten wieder einsteigen – keine schöne Aussicht!

Leider wissen wir als Anleger auch nicht vorher, ob ein Jahr für die Halloween-Strategie passt.

Beim DAX wäre die Strategie dagegen dieses Jahr etwas besser gewesen:

  • Im Januar sind wir bei 11.400 Punkten gestartet, bis Mai ging es rauf auf 12.800.
  • Zwischen Juni und September kam dann der große Sturz auf unter 12.000 Punkte.
  • Und inzwischen stehen wir schon wieder bei 13.000.

Auch hier wäre allerdings ein Einstieg nach Oktober teuer geworden: Anfang September startete der DAX – politisch bedingt – nach oben.

Sell in May kommt also fast noch hin. Aber anscheinend lohnt es sich schon, je nach Chart deutlich vor Halloween einzukaufen.

24. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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