Ein gutes Jahr für die Flugbranche

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2018 wird das 4. Jahr in Folge sein, in dem die Fluglinien mehr als die Kapitalkosten verdienen können. (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Der Welt-Luftfahrtverband IATA hat seine Gewinnerwartung für 2018 zurückgenommen.

Nachdem die globale Flugbranche 2017 mit Rekordgewinnen abgeschlossen hatte, war IATA noch im Dezember von einem weiteren Gewinnanstieg von 38 auf 38,4 Mrd. $ ausgegangen. Unerwartet hohe Kostensteigerungen für Personal und Kerosin haben den Verband aber veranlasst, die Gewinnprognose um 11% auf 33,8 Mrd. $ nach unten zu korrigieren. Aktuell liegt der Ölpreis je Fass bei 76 $. Im Vorjahr waren es 54,90 $ je Fass. Die Ölpreisentwicklung liegt damit klar über den Erwartungen der IATA. Diese war für 2018 von einem Niveau von 60 $ je Fass ausgegangen.

Trotz der Korrektur wird es dennoch ein gutes Jahr für die Flugbranche. Es wird das 4. Jahr in Folge sein, in dem die Fluglinien mehr als die Kapitalkosten verdienen können. Den größten Teil der Gewinne werden die Fluglinien in den USA abschöpfen. Mit erwarteten 15 Mrd. $ werden sie aber deutlich weniger als im Vorjahr (18,4 Mrd. $) einfliegen. 2017 hatten viele der Fluglinien aber auch von steuerlichen Einmaleffekten profitiert.

Für Europa geht IATA von einem Gewinnanstieg von 8,1 auf 8,6 Mrd. $ aus. Der Anstieg liegt aber klar unter dem zuvor prognostizierten Gewinnniveau von 11,5 Mrd. $. Durch die Pleiten von Air Berlin und Monarch konnten die großen Anbieter ihre Marktposition stärken.

Hinsichtlich der Rentabilität operieren die europäischen Anbieter aber immer noch unter dem Niveau in den USA. In Europa liegt die durchschnittliche operative Marge bei 6,4%; in den USA hingegen bei 9,9%.

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Ölpreisanstieg könnte Konsolidierung in Europa beschleunigen

Es ist aber in Europa von einer anhaltenden Konsolidierung der Branche auszugehen. Viele Fluglinien haben auf Kerosin-Absicherungsgeschäfte verzichtet. Der deutliche Ölpreisanstieg wird die Ertragskraft und Cashflows unter Druck setzen. Die Fluglinien werden wohl nicht umhinkommen, einen Teil der Kostensteigerung an die Fluggäste weiterzugeben und die Ticketpreise zu erhöhen. Der Nachfrage nach Flugtickets soll das keinen Abbruch tun. Die Zahl der Passagiere soll weltweit unverändert mit 6,5% auf 4,36 Mrd. steigen und zu einem Umsatzanstieg von 11% auf 834 Mrd. $ führen. In Europa lässt sich aktuell noch kein Anstieg der Ticketpreise feststellen.

Das 1. Halbjahr war aber auch von vielen Flugausfällen in der Folge von Streiks und Tarifkonflikten beispielsweise bei Ryanair oder Air France geprägt. Ryanair hatte seine Preise im 1. Quartal um 4% gesenkt und kalkuliert, dass die Ticketpreise infolge der Überkapazitäten in Europa unter Druck bleiben werden. Ryanair bleibt für uns ein Topwert in der Flugbranche. Wir gehen davon aus, dass Ryanair seine Kostenführerschaft trotz der Tarifkonflikte behalten wird und einer der Gewinner des Konsolidierungsprozesses in Europa sein wird.

Lufthansa-Chef Spohr erwartet hingegen, dass das Flugangebot in Europa nicht in der gleichen Größenordnung wie zuletzt ausgeweitet wird und die Ticketpreise auch aufgrund der Probleme von Air France anziehen werden. Die Kranich-Fluglinie macht im Modernisierungsprozess gute Fortschritte. Probleme bei der Integration der letztjährigen Übernahmen bei Eurowings belasten die Ergebnisse, sodass wir erwarten, dass die Ertragskraft dieses Jahr leicht unter dem Rekordwert des letzten Jahres bleiben wird. In den USA bleibt Southwest mein Favorit.

Auch Warren Buffett glaubt an den Erfolg des Konzerns und hat sein Engagement auf 9,8% ausgeweitet.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.