Ein hochprozentiger Brexit-Gewinner

Viele Aktien in Großbritannien sind jetzt preiswert. Das trifft insbesondere auf Aktien von Unternehmen zu, denen der Brexit nicht schadet, sondern im Gegenteil nutzt. (Foto: Matteo Gabrieli / Shutterstock.com)

Viele Aktien in Großbritannien sind jetzt preiswert. Das trifft insbesondere auf Aktien von Unternehmen zu, denen der Brexit nicht schadet, sondern im Gegenteil nutzt. Mit Diageo habe ich für Sie so einen Brexit-Gewinner mit Sondervorteil ausgemacht. Denn nur 11% des Umsatzes entfallen auf Großbritannien.

Diageo genießt zollfreien Zugang zu den wichtigsten Märkten

Weil die anderen 89% auf den Rest der Welt verteilt sind, bedeutet die Aufteilung auch, dass sich jeder Cent im Pfund-Dollar-Wechselkurs in einem höheren Gewinn niederschlägt. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern besitzt Diageo noch einen riesigen Vorteil. Der Konzern genießt zollfreien Zugang zu den wichtigsten Märkten in den USA und Europa. Die Spirituosenbranche profitiert vom Freihandelsabkommen mit diesen Ländern. Geht es um Hochwertiges und Hochprozentiges, ist Diageo eine erste Adresse.

Johnnie Walker und Guinness kennt jeder

1997 aus einer Fusion von Grand Metropolitan und Guinness entstanden, verfügte Diageo zunächst noch über die beiden Sparten alkoholhaltige Getränke und Lebensmittel. Inzwischen liegt der Schwerpunkt ausschließlich auf den Getränkebereich. Heute ist Diageo einer der weltweit führenden Anbieter von Spirituosen bekannter Marken wie Johnnie Walker, Guinness, Smirnoff, Baileys, Tanqueray Gin oder Captain Morgan. Der Konzern produziert und vermarktet eine große Bandbreite an alkoholischen Getränken.

Solide Halbjahreszahlen

Der Umsatz stieg um 3,3% und der Gewinn um 31%. Geholfen hat ein positiver Steuereffekt von 360 Mio. £ in den USA. Das operative Ergebnis stieg um 6,1% auf 2,19 Mrd. £. Entsprechend verbesserte sich die Marge von 21,5 auf 22%. Profitabel gewachsen ist Diageo in Europa und Asien. In Nordamerika lagen Umsatz und Rentabilität auf Vorjahresniveau. Hohe Absatzzuwächse erzielte Diageo aber mit Tequila. Verantwortlich war die 1 Mrd. $ schwere Übernahme der Tequila-Marke Casamigos.

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Aktuell gehört Tequila zu den am stärksten wachsenden Spirituosen. Zudem hat Diageo den deutschen Wermut-Hersteller Belsazar übernommen und damit eine Lücke im Angebot geschlossen.

Qualität statt Quantität

Auf dem Biermarkt gilt Diageo noch als Nischenanbieter. Allerdings hat sich der Getränkekonzern mit der irischen Traditionsmarke Guinness eine beachtliche Position am Markt erarbeitet: So sieht sich Diageo dank Guinness als weltweite Nr. 1 bei den irischen Bieren, und in Deutschland sogar an der Spitze im Bereich Import-Zapfbiere. Aber auch in Großbritannien und Irland konnte sich Diageo besser am Markt positionieren.

Guinness wuchs vergleichsweise besser als der gesamte Markt. Diageo betont dabei immer wieder den hohen Qualitätsanspruch. Daher empfindet Diageo die jüngsten Zusammenschlüsse unter den Großbrauereien nicht als Bedrohung. „Wir fühlen uns weder isoliert noch unter Druck“, so CEO Ivan Menezes. Es sei eben nicht Maxime, „mehr Flüssigkeit abzufüllen“.

Burggraben sichert Wettbewerbsvorteil

Die Diageo-Aktie überzeugt durch ihre vielen bekannten Marken, mit sinnvollen Akquisitionen, kontinuierlichen Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufen. Konsumenten, die gerade bei einem alkoholischen Getränk auf den Geschmack gekommen sind, verhalten sich markentreu. In Verbindung mit der Größe und der starken Marktmacht trägt dies dazu bei, dass Diageo für Mitbewerber schwer angreifbar ist. Die Investorenlegende Warren Buffet spricht in diesem Zusammenhang gerne von einem sogenannten „ Burggraben“.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.