Ein neuer Autoriese wird geschaffen

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Durch den immer höher werdenden Wettbewerb aus China und dem Wandel zum Elektroauto steigt der Druck auf die Automobilbauer sich zu vereinen. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Der massive Wandel in der Autoindustrie zwingt die Hersteller zum Handeln. Der Konsolidierungsdruck steigt zudem durch die zunehmende Stärke chinesischer Konkurrenten wie Geely und BYD. Um die milliardenschweren Investitionen in alternative Antriebstechniken, autonomes Fahren, Digitalisierung und neue Mobilitätsdienste stemmen zu können, reichen aber Kooperationen oder Allianzen wie zwischen Volkswagen und Ford, Daimler und BMW sowie Renault und Nissan nicht aus.

Um im Wettbewerb bestehen und die hohen Entwicklungs- und Produktionskosten senken zu können, ist eher Größe gefragt. Peugeot und Fiat Chrysler wollen daher den Weg der Fusion einschlagen. Beide Konzerne hinken in der Elektromobilität hinterher, und bei Fiat Chrysler ist obendrein die Modellpalette überaltert. Gelingt der Plan, entsteht der weltweit viertgrößte Autokonzern mit einem Absatz von 8,7 Mio. Fahrzeugen, einem Umsatz von rund 185 Mrd. € und einem operativen Ergebnis von 11 Mrd. €, legt man die Zahlen von 2018 zugrunde.

Beide Konzerne dürften von einem Zusammenschluss profitieren: Peugeot bekäme Zugang zum wichtigen US-Markt, und Fiat Chrysler könnte die moderne Plattform von Peugeot nutzen und damit seine Position in Europa verbessern. Die jährlichen Synergien werden auf 3,7 Mrd. € geschätzt und sollen nach etwa 4 Jahren realisiert werden. Andererseits werden Einmalaufwendungen von 2,8 Mrd. € anfallen, unter anderem für Abfindungen. Werksschließungen sind nicht geplant. Ein Problem bleibt aber der chinesische Markt.

Dort läuft es für Peugeot schlecht, und Fiat Chrysler ist in China so gut wie gar nicht vertreten. An dem neuen Konzern, der in den Niederlanden gegründet werden soll, sollen die Aktionäre von Peugeot und Fiat Chrysler je zur Hälfte beteiligt sein. Weil aber Fiat Chrysler der größere Konzern mit mehr Umsatz ist, sollen dessen Aktionäre zum Ausgleich eine Sonderdividende von 5,5 Mrd. € erhalten. Die Leitung soll der CEO von Peugeot übernehmen, und John Elkann soll wie bei Fiat Chrysler an der Spitze des Aufsichtsrats stehen.

Offen ist, wie sich die Wettbewerbsbehörden verhalten werden. Angesichts des Handelsstreits mit China könnte die 12,2%-Beteiligung von Dongfeng die Zustimmung der US-Behörden erschweren. Es gibt allerdings Gerüchte, Dongfeng wolle seinen Anteil verkaufen, weil sich das Joint Venture DPCA nicht so gut entwickelt wie erhofft. In Frankreich dürfte es dagegen kaum Probleme geben, zumal der Staatsanteil von Peugeot keine strategische Bedeutung hat. Vielmehr erfolgte die Beteiligung vor 2 Jahren, um Peugeot vor dem Untergang zu retten.

Branchenkrise als Chance

Nicht nur in Deutschland schwächelt die Autoindustrie. Weltweit schrumpfen Produktion und Absatz. Vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt geht die Nachfrage zurück. Zum einen belastet der Handelskonflikt mit den USA, zum anderen sind steuerliche Vergünstigungen bei einem Autokauf ausgelaufen. Zudem gehen Branchenexperten davon aus, dass die Konsumenten mit dem Kauf eines neuen Fahrzeugs abwarten bis feststeht, welche Antriebsart sich durchsetzen wird – Batteriestrom, Gas, Wasserstoff, Hybrid oder doch der klassische Verbrennungsmotor. Das Schlimmste scheint die Branche aber hinter sich zu haben.

Auf dem aktuellen Kursniveau dürften die Probleme bereits eingepreist sein. Wir gehen davon aus, dass Konzerne wie Daimler, BMW und VW ihre hausgemachten Probleme sowie die Herausforderungen des Wandels meistern und gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. Tesla sehe ich trotz der jüngsten Erfolge nach wie vor als hochspekulatives Investment.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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